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5.01.2009

Patrik Sinkewitz im Interview

"Die Jungs können von mir lernen"

Wieder Radprofi: Patrik Sinkewitz (Bild: Patrik Sinkewitz)
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Wieder Radprofi: Patrik Sinkewitz
Patrik Sinkewitz ist der erste geständige Dopingsünder und Kronzeuge, der ein Comeback im Profi-Radsport wagt. Im Interview mit hr-online spricht er über sein neues Team, seine Vergangenheit und sagt, wie er sich seine Zukunft vorstellt.
 

Information

Während der Tour de France 2007 wurde bekannt, dass Patrik Sinkewitz bei einer Trainingskontrolle kurz vor der Rundfahrt positiv auf Testosteron getestet worden war. Zwei Wochen später gestand der 27-Jährige aus Künzell bei Fulda und gab zu, jahrelang systematisch gedopt zu haben. Er stellte sich als Kronzeuge zur Verfügung, um eine Verkürzung der Sperre zu erreichen. Im November fand Sinkewitz mit der tschechischen Zweitliga-Equipe PSK Whirlpool-Author ein neues Team.
hr-online: Herr Sinkewitz, lernen Sie eigentlich schon fleißig tschechisch?

Patrik Sinkewitz (lacht): Nein, das ist nicht nötig. Wie in den meisten Teams wird englisch gesprochen. Viele Fahrer verstehen und reden auch deutsch.

hr-online: Beschreiben Sie doch mal Ihr Gefühl, als der Vertrag mit Ihrem neuen Team, dem tschechischen Zweitligisten PSK Whirlpool-Author, unter Dach und Fach war?

Sinkewitz: Hinter mir liegt eine schwierige Zeit. Auf jeden Fall habe ich große Erleichterung empfunden. Endlich kann ich wieder das tun, was ich am besten kann: Radprofi sein. Ich möchte allen zeigen, was ich drauf habe und dass man auch ohne Doping Höchstleistung bringen kann.

hr-online: Haben Sie an ein Comeback geglaubt?

Sinkewitz: Ja, immer. Ich kann nicht an Dinge glauben, von denen ich nicht überzeugt bin.

hr-online: Kennen Sie eigentlich schon Ihre neuen Kollegen?

Sinkewitz: Wir hatten jetzt ein dreitägiges Teamtreffen. Da war genug Zeit, um Gespräche zu führen und sich gegenseitig kennen zu lernen. Das war sehr positiv.

hr-online: Gab es Vorbehalte? Immerhin haben Sie mit Ihrem Geständnis die Mauer des Schweigens im Radsport ein Stück weit eingerissen.

Sinkewitz: Nein, im Gegenteil: Gerade die jungen Fahrer – und von denen gibt es sehr viele im Team - können von meiner Geschichte lernen. Die wissen jetzt hoffentlich, was Doping bedeutet und was man alles verlieren kann. Außerdem freut sich die Mannschaft über jeden guten Fahrer. Ich bin in der kommenden Saison ja auch Kapitän und Leistungsträger. Ich denke, ich bin da sehr willkommen.

hr-online: Wie würden Sie denn reagieren, wenn gerade einer der jungen Fahrer gedopt erwischt werden sollte?

Sinkewitz: Ausschließen kann man so etwas natürlich nicht, das habe ich ja am eigenen Leib erlebt. Ich würde aber auch nicht zu dem Fahrer hingehen und den Moralapostel spielen. Das bringt auch nichts. Außerdem muss man da auch mal unterscheiden: Wenn ich sehe, wie milde manchmal Schwerstverbrecher oder Kinderschänder wegkommen und gleichzeitig Dopingsünder an den Pranger gestellt werden, da mach ich mir schon meine Gedanken.

hr-online: Sie haben angekündigt, dass Sie auf Ihrer Internetseite zukünftig Ihre Blutwerte veröffentlichen wollen, um in Zukunft so transparent wie möglich zu wirken. Bleibt es dabei?

Sinkewitz: Ja, dabei bleibt es. Technisch ist das allerdings nicht so leicht zu realisieren. Ich muss erst einmal an die Werte rankommen. So schnell arbeiten die Leute bei der UCI (Internationaler Radsport-Verband, d. Red.) und der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland, d. Red.) nicht. Seit zweieinhalb Monaten lief jetzt eine Anfrage, dass ich in meine Blutwerte reinschauen will. Vor ein paar Tagen hat das erst geklappt. Anfang Januar soll aber alles funktionieren.

hr-online: Sie haben zugegeben, bei Quick Step und T-Mobile systematisch gedopt zu haben. Was bereuen Sie am meisten?

Sinkewitz: Dass ich da so skrupellos mitgespielt habe. Aber die Zeit war eben so, und das lässt sich nicht mehr ändern. Ich muss damit jetzt abschließen und ich denke, dass mir das auch ganz gut gelungen ist.

hr-online: Nun fahren Sie im Peloton wieder Seite an Seite mit Kollegen, von denen Sie vielleicht wissen, dass der eine oder andere gedopt hat oder sogar immer noch dopt. Im Gegensatz zu Ihnen schweigen diese Fahrer aber weiterhin eisern. Ist das für Sie überhaupt erträglich?

Sinkewitz: Ich kann jetzt natürlich nicht jeden Fahrer verdächtigen, nur weil er vielleicht schneller fährt als ich. So einfach kann man es sich auch nicht machen. Ich bin Profi genug um zu wissen, dass im Leistungssport Doping immer eine Rolle spielen wird. Die Illusion, die einem da oft vorgegaukelt wird unter dem Motto "Alles ist so sauber und toll" – das ist nicht so.

hr-online: Das klingt jetzt aber nicht sehr wütend. Sie packen aus, haben dadurch auch erhebliche finanzielle Einbußen. Andere Fahrer hingegen schweigen und kassieren weiter ab.

Sinkewitz: Ich sage es mal so: Ob man dopt oder nicht, ist ja wahrscheinlich egal. Die sind eben nicht erwischt worden. Das ist der entscheidende Unterschied.

hr-online: Würden Sie noch mal die Kronzeugenregelung für sich in Anspruch nehmen?

Sinkewitz: Die Frage stellt sich für mich nicht mehr.

hr-online: Wie sehen denn Ihre Ziele für die Saison 2009 aus?

Sinkewitz: Ich möchte hauptsächlich wieder Spaß an meinem Beruf haben. Erfolg gehört natürlich dazu, ganz klar. Aber das möchte ich nicht an irgendwelchen Ergebnissen festmachen.

hr-online: Glauben Sie noch an den großen Durchbruch in einem Erstliga-Team?

Sinkewitz: Im Radsport ist alles möglich. Diese Unterschiede erste oder zweite Liga sind aber gar nicht mehr so entscheidend. Heutzutage werden die Teams oft vom Veranstalter direkt eingeladen. Tour-de-France-Sieger Carlos Sastre fährt in der kommenden Saison übrigens auch in einem Zweitliga-Team. Wichtig ist, was du im Rennen zeigst. Drauf kommt es an. Eines steht jedenfalls fest: Für mich persönlich wird das Thema Doping keine Rolle mehr spielen.

Das Interview führte hr-online-Redakteur Björn Lücker
 
Redaktion: bjlü / erag
Bild: © Patrik Sinkewitz
 

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