Hochsprung-Ass Ariane Friedrich kämpft seit Wochen um das Ticket für die Olympischen Spiele. Doch die Zeit und die Chancen laufen der Frankfurterin davon.
Ariane Friedrich, eine der Besten ihrer Zunft, steht gut einen Monat vor Beginn der Olympischen Sommerspiele (27. Juli - 12. August) noch immer ohne Ticket für London da. Tränen der Enttäuschung und des Frusts flossen bei der 28-Jährigen am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften. Dort gewann Friedrich zwar bei widrigsten äußeren Bedingungen mit 1,86 Metern - die nationale Olympia-Norm von 1,95 Metern verfehlte sie aber klar.
"Der Titel bringt dir keine Freude, wenn es noch um so viel mehr geht", fasst Friedrichs Trainer und Manager Günter Eisinger im Gespräch mit hr-online die Gemütslage seines Schützlings zusammen. Sie sei topfit und habe die Höhe in den Beinen, hatte Friedrich nach ihrem Sieg bei der DM zu Protokoll gegeben. Die Turbulenzen um die Facebook-Affäre hätten sie nicht in ihrer Leistung beeinträchtigt.
Olympia zu früh nach Comeback?
Friedrich präsentierte schon mal neben Diskuswerfer Robert Harting die Olympia-Bekleidung der deutschen Leichtathleten.
Nachdem die deutsche Rekordhalterin (2,06 m) im Winter 2010 durch einen Achillessehnenriss aus der Bahn geworfen wurde, hatte sich Friedrich wieder herangekämpft und vor wenigen Wochen ein starkes Comeback hingelegt. Doch Olympia könnte zu früh kommen, wie auch ihr langjähriger Trainer weiß. "Es kann sein, dass Ariane die Norm verpasst und nach Olympia sehr hoch springt", so Eisinger.
Besonders bitter: Friedrich hat die ursprüngliche Olympia-Norm von 1,92 Metern seit ihrem Comeback bereits zweimal geschafft. Doch der DLV hatte die Latte für die nationale Qualifikation drei Zentimeter höher angesetzt. Eine Höhe, die aktuell nur eine Handvoll Athletinnen weltweit übersprungen haben, betont Eisinger. Diese drei Zentimeter mehr könnten Friedrich zum Verhängnis werden.
Keine Fristverlängerung für Friedrich
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Po-Pleite in Peking
Bei ihrer Olympia-Premiere in Peking 2008 verpasste Friedrich im Finale eine Medaille. Mit 1,96 Metern wurde die damalige Weltranglisten-Zweite nur Siebte. Eine Muskelverspannung im Po hatte die Hessin ausgebremst.
Doch noch lebt die Chance. Mindestens bei der EM (27. Juni bis 1. Juli) in Helsinki hat die Athletin der LG Eintracht Frankfurt noch die Gelegenheit zum Sprung Richtung London. "Wir überlegen gerade, ob wir alles auf die EM setzen, oder doch noch einen Wettkampf einschieben, wo Ariane einen weiteren Versuch hat", erklärt Eisinger. Allerdings sei es schwer, so kurz vor der EM überhaupt noch einen offiziellen Normwettkampf zu finden. "Wir hängen momentan etwas in der Luft", so der Trainer, der Friedrich seit Jahren betreut und sie schon zu WM- und EM-Bronze im Freien und EM-Gold in der Halle geführt hat.
Bei den nationalen Meisterschaften hatten Regen und vor allem Windböen Friedrich ausgebremst. "Im Wettkampf mit den anderen ist das auch kein Problem, denn dann haben alle dieselben Bedingungen. Das Wetter wird aber dann zum Problem, wenn man eine Norm im Auge hat", beschreibt Eisinger das Dilemma. Auch bei Olympia könnte schlechtes Wetter große Höhen verhindern. "Wenn Ariane dann eben mit 1,96 Olympiasiegerin wird, soll es mir auch recht sein", so Eisinger. Doch erst muss sein Schützling noch die verflixten drei Zentimeter für London packen. Der DLV hat bereits angekündigt, keine Fristverlängerung für Friedrich zu gewähren.