Spielführer Jan Zimmermann hat überrascht auf die Beurlaubung von Jürgen Seeberger bei Darmstadt 98 reagiert. Mit hr-online sprach der Torhüter über das Verhältnis der Mannschaft zum Trainer und die Gründe für die sportliche Misere.
Jan Zimmermann spielt seit zwei Jahren für den SV 98 und ist seit der Saison 2011/12 Kapitän. Der bei Eintracht Frankfurt ausgebildete Profi gilt als einer der stärksten Torhüter der dritten Liga. Im Interview mit hr-online sprach er über die Entlassung von Jürgen Seeberger nach nur drei Monaten als Chefcoach der Lilien.
Herr Zimmermann, wie haben Sie von der Entlassung des Trainers erfahren?
Der Vorstand hat mich am Vormittag über den Schritt informiert. Ich war überrascht, weil es in dem Sinne keine Anzeichen für die Entlassung gegeben hat. Aufgrund der sportlichen Situation ist es verständlich, denn die Bilanz war zuletzt nicht optimistisch stimmend. Persönlich enthalte ich mich jeglicher Wertung, das sind eben die Mechanismen im Fußballgeschäft.
Hatten Sie im Nachhinein noch einmal Kontakt mit Jürgen Seeberger?
Wir haben am Telefon miteinander gesprochen, denn mit der Verabschiedung von der Mannschaft wird es angesichts der Winterpause schwer. Er hat mir und dem Team viel Glück im Kampf gegen den Abstieg gewünscht.
Es gab immer wieder Gerüchte um atmosphärische Störungen zwischen Mannschaft und Trainer
Die Mannschaft hatte kein Problem mit dem Trainer.
Gab es schon Informationen über den Nachfolger?
Ich bin da genauso gespannt wie Sie. Ich weiß nicht, wer kommen wird. Fest steht, dass die Entscheidung extrem wichtig für den Verein ist.
Sie hatten vor einiger Zeit ein "Mentalitätsproblem" innerhalb der Mannschaft ausgemacht. Wie war das gemeint?
Das war bezogen auf den gesamten Verein, das Umfeld und die Mannschaft. Wir sind mit einem ganz anderen Verständnis in die Saison gegangen als nach dem Aufstieg. Alle waren fest davon überzeugt, dass wir uns im Vergleich zum Vorjahr noch verbessern würden. Dann kamen zu den gewandelten Maßstäben schwerwiegende Ausfälle wie von Benjamin Baier und Marcus Steegmann. Das soll keine Ausrede sein, hat aber auch eine Rolle gespielt. Wenn man dann unten drin steht, ist es schwer, sich mit dem Abstiegskampf anzufreunden.
Hat in dieser Hinsicht ein Umdenken stattgefunden?
Spätestens die Niederlage gegen Erfurt (0:1 am 18. November, Anm. d. Red.) hat jedem klar gemacht, dass es nur noch darum geht, die Klasse zu halten. Man kann keinem innerhalb der Mannschaft vorwerfen, dass er zu wenig Einsatz zeigt. Aber es muss jeder verstehen, dass die Situation nicht so einfach wegzustecken ist.
Trauen Sie der Mannschaft den Klassenerhalt noch zu?
Die Mannschaft besitzt ganz klar die Fähigkeit dazu, ich bin überzeugt, dass wir das schaffen. Ich werde nicht akzeptieren, dass wir zu den drei schlechtesten Mannschaften der Liga zählen.
Das Gespräch führte Fabian Weidenhausen, hr-online