Daniyel Cimen trägt jetzt wieder das Eintracht-Trikot.
Ex-Eintracht-Profi Daniyel Cimen ist zurück in Frankfurt allerdings bei der Reserve. Das Eintracht-Eigengewächs ist nur ein Beispiel für einst hoch gehandelte Talente, denen der große Durchbruch bislang verwehrt geblieben ist.
"Ich bin froh, wieder hier zu sein", sagte Cimen am Donnerstag hr-online, kurz nachdem er einen Einjahresvertrag bei der U23 der Eintracht unterschrieben hatte. Die Nachricht mag zunächst verwundern, denn es ist schon gut acht Jahre her, da gab Cimen bereits sein Profidebüt bei den Hessen in der 2. Bundesliga. Damals war der Defensivallrounder gerade mal 17 Jahre alt und allseits wurde dem Talent eine große Zukunft prognostiziert.
Doch die in ihn gesetzten Erwartungen konnte der heute 25-Jährige in Frankfurt nie erfüllen. Bei der Eintracht kam er in fünf Jahren auf gerade mal 16 Bundesliga- und 13 Zweitligaspiele. Danach wechselte er über Kickers Offenbach zu Erzgebirge Aue. Die Sachsen stiegen zwar in die 2. Bundesliga auf, doch der Vertrag von Cimen, der wie so oft in seiner Karriere auch in Aue mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte, wurde nach zwei Jahren nicht mehr verlängert. An den Verletzungen allein habe es nicht gelegen, meint Cimen. "Meine Art Fußball zu spielen war nicht so angesehen. Vielleicht war es am Ende doch ein Missverständnis."
Nun also der Schritt zurück zur Eintracht in die Regionalliga: "Ich hoffe, dass es am Ende zwei Schritte vorwärts werden", sagt Cimen, der sich im Team von Trainer Oscar Corrochano wieder für höhere Aufgaben empfehlen möchte. "Ich will zu meiner alten Form zurückfinden und blicke nach vorne." Der Traum von der ersten oder der zweiten Bundesliga ist zwar noch nicht ausgeträumt, doch Cimen ist realistisch: "Mein nächstes Ziel ist erst mal die dritte Liga."
Lange Liste von Ex-Talenten
Der 25-Jährige ist nur ein Beispiel für einst hoch gehandelte Talente der Frankfurter Eintracht, die den großen Durchbruch nie oder noch nicht geschafft haben. Cimen, Faton Toski, Christopher Reinhard oder Mounir Chaftar die Liste bei den Hessen ist lang. Während Cimen zu seinen Wurzeln zurückkehrt, hat Toski gerade den Verein nach 16 Jahren in Richtung VfL Bochum verlassen. Hoch veranlagt, aber ohne den nötigen Biss ausgestattet spielte er bei Trainer Michael Skibbe schon lange keine Rolle mehr.
Chaftar sucht nach Engagements beim OFC und in Duisburg einen neuen Verein und hält sich derzeit bei der Eintracht-Reserve fit. Besonders bitter erging es Reinhard. Der einstige Hoffnungsträger hat für die neue Saison bei TGM SV Jügesheim angeheuert in der sechsten Liga.
"Es fehlt an der Einstellung"
Woran liegt es, dass Spieler, deren Talent unverkennbar ist, den Sprung nicht schaffen? Nach Ansicht von Alex Schur, frischgebackener Meistertrainer der Eintracht-U17, fehlt es bei Spielern wie Cimen oder Toski schlichtweg an der Einstellung: "Mit der Unterzeichnung des ersten Profivertrages haben sie aufgehört zu arbeiten", sagte der Ex-Profi kürzlich in einem Interview mit dem Sportportal Spox.
Auffällig bei der Eintracht ist, dass die Verantwortlichen bei den jüngeren Verpflichtungen oder Profi-Beförderungen von Nachwuchsspielern wie Sebastian Rode oder Sebastian Jung vor allem auf bodenständige Typen setzten. Auch Edel-Talent Sonny Kittel ist nach Ansicht seines bisherigen Trainers Schur kein Spieler, der schnell abhebt: "Bei Sonny mache ich mir keine Sorgen. Er hat einen unglaublich hohen Anspruch an sich und er weiß genau, dass er sich sein Glück verdienen muss."
Ausbildung als Notlösung
Dieses Glück sucht auch Daniyel Cimen weiter. Leicht wird das nicht, wie auch der Spieler selbst weiß. Er habe in seiner Zeit in Aue vieles dazugelernt, meint der 25-Jährige. Cimen will nun für den Fall, dass es mit dem Bundesliga-Traum doch nicht mehr klappt, vorsorgen und sucht gerade nach Möglichkeiten für eine zusätzliche Berufsausbildung: "Ich bin jetzt Mitte Zwanzig, und ich will keiner von den Profis sein, die sich erst nach ihrer Karriere Gedanken machen."