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Kindheit/Jugend

1471 - 1490

Im 15. Jahrhundert ist die freie Reichsstadt Nürnberg die wichtigste Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Selbst Aachen als Krönungsstätte und Frankfurt als die Stadt, in der die Kaiser gewählt werden, können bis um 1520 Nürnberg nicht den Rang ablaufen. In Nürnberg lagern die Krönungsinsignien, der Handel boomt. Die Jahre zwischen 1470 und 1530 gelten als die Blütezeit der Kaiserstadt. Reiche Patrizier, Kaufleute mit internationalen Verbindungen, Wissenschaftler und Humanisten, Künstler und Kunsthandwerker bilden den wirtschaftlichen und intellektuellen Grundstock des städtischen Lebens.

Hier kommt Albrecht Dürer zur Welt, der größte Renaissancekünstler nördlich der Alpen. Mit seinen Kupferstichen und Holzschnitten entfacht er eine künstlerische Revolution. Seine Arbeiten sind keine Illustrationen mehr, sondern eigenständige Kunstwerke. Er ist einer der ersten, der die Möglichkeiten des Buchdrucks für die Kunst erkennt: Dürer wendet den seriellen Druck auf seine Kupferstiche und Holzschnitte an, verkauft sie als Künstler-Unternehmer und wird unabhängig von Auftraggebern. Indem er sich immer wieder porträtiert, wird er zum ersten wirklichen Selbstdarsteller in der Geschichte der Kunst.

Dürer hat nicht nur Talent, sondern auch Glück: Er wächst in der Nürnberger Burgstraße auf. Das Viertel am Fuße der Burg ist ein Sinnbild die Gesellschaft am Übergang vom Mittelalter zur Renaissance, indem der Frühkapitalismus alte Herrschaftsstrukturen aufweicht und selbst Handwerker zu Wohlstand kommen. Lange Zeit war dieses Viertel dem Patriziat der Stadt vorbehalten. Doch wirtschaftliche Fehlschläge in dieser Zeit des Umbruchs zwingen die Oberschicht, ihre Häuser zu verkaufen oder unterzuvermieten. Und so wächst Dürer als Nachbarsjunge all derer auf, die ihn später fördern werden, unter ihnen Willibald Pirckheimer, der sein engster Freund wird und ihn Kaiser Maximilian I. vorstellt; die Haller von Hallerstein, die bei Dürer ein Madonnengemälde, die Haller-Madonna, bestellen; die Freys, deren Tochter er heiratet; der halbe Rat der Stadt, der ihn mit der Neugestaltung des Nürnberger Rathaussaales beauftragen wird.

Albrecht Dürer

1471 - 1528

Selbstbildnis als 13-Jähriger, 1484
Albertina Wien

Selbstbildnis als 13-Jähriger, 1484
Albertina Wien

 

Jtem nach Christi geburth 1471 jar, in der sechsten stundt an St. Prudentientag, an einen Erichtag in der Creuczwochen, gebar mir mein hausfraw Barbara mein andern sohn, zu dem ward gevater Anthonj Koburger, und nannte jhme Albrecht nach mir. (Familienchronik)

 

In Nürnbergs prosperierender Zeit kommt Dürer als drittes Kind seiner Eltern am 21. Mai 1471 gegen 10 Uhr vormittags auf die Welt. Der Familie geht es finanziell nicht schlecht, der Vater ist mit seiner Goldschmiedekunst erfolgreich. Als Dürer vier Jahre alt ist, zieht die Familie um in das eigene Haus in der Burgstraße 27. Hier verbringt er Kindheit und Jugend.



 

[…] und da ich schreiben und lessen gelernet, namb er mich wider auß der schull und lernet mich das goltschmid handtwerckh. (Familienchronik)

 

Dürer senior schickt seinen Sohn ungefähr zwei Jahre zur Schreib- und Rechenschule, danach nimmt er ihn zu sich in die Lehre. Dürer erhält an dieser Schule nur rudimentären Unterricht. Latein etwa, die Sprache der Gebildeten, wird vermutlich an dieser Schule nicht gelehrt.



 

Dz hab ich ausd eim spigell nach mir selbd kuntirfet In 1484 Jar Do ich noch ein kind word. Abräthr Dürir

 

Mit 13 Jahren zeichnet er ein Selbstporträt und eine Madonna mit zwei Engeln. Das Selbstporträt ist die erste Kinderzeichnung der Kunstgeschichte und das früheste erhaltene Selbstbildnis eines europäischen Malers.

Porträt Michael Wolgemut, 1516
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Porträt Michael Wolgemut, 1516
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

 

Und da ich nun seüberlich arbeiten kund, trug mich mein lust mehr zu der mallerei dan zum goltschmidwerckh. Daß hielt ich mein vatter für. Aber er was nit woll zu frieden, daß jhn reuert die verlorne zeit, dich ich mit goltschmid lehr hete zugebracht. Doch ließ er mirs nach, un da man zehlt nach Christi geburth 1486 an St. Endres tag. (Familienchronik)

 

Möglicherweise hat Dürer es seinem Paten, dem Verleger Anton Koberger, zu verdanken, dass er aus der väterlichen Goldschmiedewerkstatt entlassen wird und Maler werden darf. Dürer beginnt am 30. November 1486 eine Lehre bei dem Nürnberger Maler und Meister des Holzschnitts, Michael Wolgemut (1434 - 1519). Wolgemut führt das renommierteste Atelier der Stadt. Dürer lernt nicht nur die verschiedenen Mal- und Stich-Techniken kennen, sondern auch die Werke zeitgenössischer Künstler, u.a. von Martin Schongauer, auf dessen Spuren ihn seine Gesellenreise führen wird.





 

In der zeit verlihe mir gott fleiß, daß ich woll lernete. Aber ich viel von seinen Knechten mich leiden musste. (Familienchronik)

 

Dürer hat es nicht immer gut bei Wolgemut. Das liegt an den Gesellen der Werkstatt, die ihm das Leben schwer machen. Vielleicht beneiden sie den hochbegabten jungen Kerl.



Vermutlich arbeitet Dürer an einem von Wolgemuts größten Aufträgen mit: an der legendären "Weltchronik" des Nürnberger Chirurgen, Humanisten und Historikers Hartmann Schedel (1440-1514), in dessen Haus Dürer vermutlich eine Zeitlang wohnt. Dürers Pate Koberger druckt die lateinische und die deutsche Fassung. Die Europakarte und mehrere Stadtansichten dieses Webspecials stammen aus der Chronik.

Die Lehre endet nach den vereinbarten drei Jahren am 30. November 1489.

Albrecht Dürer d. Ä.

1427 - 1502

Albrecht Dürer d.Ä., 1490
Galleria delli Uffizi, Florenz

Albrecht Dürer d.Ä., 1490,
Galleria delli Uffizi, Florenz

Dürers Vater, von Beruf Goldschmied, stammt aus einer ungarischen Familie von Pferde- und Rinderzüchtern aus dem Dorf Ajtós. Dieser Ortsname bedeutet damals auf Deutsch "Türmacher". Und so gibt er sich den Namen "Türer". Aber die Franken können schon damals keine harten Konsonanten aussprechen, und so wird sein Sohn später den Namen der fränkischen weichen Aussprache anpassen zu "Dürer".

Dürer senior befindet sich auf seiner Gesellenreise als Goldschmied, als er 1444 zum ersten Mal nach Nürnberg kommt und möglicherweise als Geselle bei Hieronymus Holper, seinem späteren Schwiegervater, arbeitet. 17 Jahre ist er alt. Doch er zieht weiter, in die Niederlande, wo er bedeutende Goldschmiede kennenlernt, möglicherweise auch nach Burgund. 1455 kommt er zurück nach Nürnberg, wird wieder Geselle bei Holper und lässt sich in der Stadt nieder. Er wohnt im Hinterhaus von Johannes Pirckheimer, Vater des Gelehrten und Humanisten Willibald Pirckheimer und späterer enger Freund Dürers. 1467 erhält Dürer senior das Bürgerrecht. Das bedeutet, er kann heiraten. Und er nimmt Barbara Holper, Tochter seines Goldschmiedemeisters und Freundes, zur Frau. Ein Jahr später, am 7. Juli 1968, erhält er das Meisterrecht. 1470 wird er, zusammen mit dem Goldschmied Nicolaus Rot, zum Münzprobierer der Stadt Nürnberg ernannt, das heißt, er muss Münzen auf ihre Echtheit prüfen.

Die Geschäfte von Albrecht Dürer senior laufen gut. 1475 kauft er in Nürnberg ein Haus in bester Wohnlage, in der Burgstraße am Fuß der Burg, und eröffnet 1486 ein Ladengeschäft am Rathaus. 1489 erhält er seinen ersten kaiserlichen Auftrag. Friedrich III. bestellt Trinkgefäße, die Dürer senior persönlich nach Linz bringt. Der Regent lobt ihn, was er stolz seiner Frau schreibt.



1502 stirbt er an der Ruhr und wird am 20. September begraben. Obwohl er sich in seinem Beruf einen guten Namen gemacht hat, können seine Werke ihm bis heute nicht eindeutig zugeschrieben werden.

Barbara Dürer

1452 - 1514

Albrecht Dürer: Barbara Dürer, 1490-93, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Albrecht Dürer: Barbara Dürer, 1490-93, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Barbara Dürer kommt um 1452 in Nürnberg auf die Welt. Sie ist gerade mal 15 Jahre alt, als Dürers Vater sie heiratet. Er selbst ist 41 Jahre alt. 18 Kinder bringt sie in 25 Jahren der Ehe auf die Welt; nur drei überleben: Albrecht, Endres und Hans. Die vielen Schwangerschaften schwächen sie, sie ist häufig krank.

Barbara Dürer ist eine fromme Frau, Dürer beschreibt sie als eifrige Kirchgängerin. Die Milde des Neuen Testaments ist ihrem Wesen fremd, folgt man ihrem Sohn. Sie habe, so Dürer, ihre Kinder "fleißig" und oft bestraft. Dennoch hat er eine innige Verbindung zu seiner Mutter.

Albrecht Dürer: Bildnis der Mutter, 1514, 
Kupferstichkabinett Berlin

Albrecht Dürer: Bildnis der Mutter, 1514,
Kupferstichkabinett Berlin

Am 19. März 1514, zwei Monate vor ihrem Tod, zeichnet er sie. Dürer schönt nichts in dieser Kohlezeichnung, sein Blick ist unbestechlich. Da ist eine durch harte Arbeit, durch Krankheit ausgemergelte und durch ihr schweres Leben verbitterte, hoffnungslose Frau zu sehen. Es ist das erste Porträt eines sterbenskranken Menschen in der Kunstgeschichte.

 

Davon hab ich solche Schmerzen gehabt, dass ich’s nit aussprechen kann. (Gedenkbuch Albrecht Dürers)

 

Am 16. Mai 1514 stirbt Barbara Dürer im Alter von 63 Jahren, fünf Tage vor Dürers 43. Geburtstag. Dürer trauert sehr um sie. Er ist untröstlich.

Endres Dürer

1484 - 1555

Albrecht Dürer: Porträt von Endres Dürer im Profil, 1514
National Gallery of Art, Washington

Albrecht Dürer: Porträt von Endres Dürer im Profil, 1514
National Gallery of Art, Washington

Am 25. April 1484 wird Dürers zweitjüngster Bruder Endres in Nürnberg geboren. Endres bleibt der Familientradition treu und wird Goldschmied. Wahrscheinlich bildet Dürer senior seinen Sohn ab dem Jahr 1497 aus. Wohin Endres seine Gesellenreise führt, ist unbekannt, möglicherweise wandert er nach Italien.

Nach dem Tod des Vaters übernimmt er dessen Werkstatt. Endres wird 1514 zum Meister ernannt und im Verzeichnis der Goldschmiede der Stadt Nürnberg erstmals als Silberarbeiter verzeichnet. Er ist verheiratet mit der verwitweten Ursula Hirnhofer, die zwei Töchter mit in die Ehe bringt.

1530 fällt ihm sein Anteil aus Dürers Hinterlassenschaft zu. Zweimal reist er nach Krakau, das erste Mal 1532, um Feuerwehr für seinen Bruder Hanns, den Unglücksraben der Familie, zu spielen; 1538 regelt er dessen Nachlass. 1540 beerbt er seine Schwägerin Agnes. So wird aus dem bescheiden lebenden Goldschmied ein betuchter Mann.

Endres' eigene Werke sind verschollen. Er stirbt am 21. April 1555 in Nürnberg.

Hanns Dürer

1490 - 1534

Albrecht Dürer: Hanns Dürer, 1503 
National Gallery of Art, Washington

Albrecht Dürer: Hanns Dürer, 1503
National Gallery of Art, Washington

Kurz bevor Dürer zu seiner Gesellenreise aufbricht, wird sein jüngster Bruder Hanns am 21. Februar 1490 in Nürnberg geboren. Er ist das Sorgenkind der Familie. Er wird als labil und als unberechenbar beschrieben. Nach dem Tod des Vaters 1502 nimmt Dürer ihn in seine Werkstatt auf, in der Hoffnung, sinnvolle Arbeit möge aus Hanns vielleicht doch noch etwas machen. Er will den Kleinen sogar mit nach Italien nehmen, doch die Mutter sträubt sich. Vielleicht denkt sie an die Peinlichkeiten, die Hanns seinem großen Bruder unterwegs bereiten und seinen Ruf gefährden könnte. Also bleibt Hanns zuhause.

Immerhin, unter den Fittichen seines Bruders erhält er eine profunde Ausbildung. 1510 gerät er in eine Schlägerei, er wird leicht verletzt. Als Konsequenz wird Hanns auf Gesellenreise geschickt. Man weiß nicht, wo er überall hinkommt. Jedenfalls beruft ihn der polnische König Sigismund I. 1527 in Krakau zum Hofmaler – warum, weiß man nicht - und bezahlt ihm pro Woche einen Gulden als Grundgehalt. Seine Arbeiten werden extra vergütet. Er arbeitet am Silberaltar der Sigismundkapelle auf dem Wawel mit, fertigt dekorative Wandmalereien, Vergoldungen und Fassungen für Schnitzarbeiten.

Im Jahr 1530 erbt Hanns seinen Anteil an Dürers Hinterlassenschaft - Geld und persönliche Besitztümer seines großen Bruders. Vier Jahre später hat er alles durchgebracht, ist mittellos und hochverschuldet. Hanns wird krank und kann nicht mehr arbeiten. In den Rechnungsbüchern des kaiserlichen Hofes aus dem Jahr 1534 ist sein Tod vermerkt, aber ohne genaues Datum. Was er an Kunst geschaffen hat, ist ihm nicht eindeutig zuzuweisen.

Anton Koberger

1440 - 1513

Dürers Pate Anton Koberger ist ein Paradebeispiel für die Durchlässigkeit der spätmittelalterlichen Gesellschaft an der Schwelle zur Renaissance. Er wird als Bäckersohn geboren und stirbt als Patrizier der Stadt. Das verdankt er nicht nur seinen beiden Ehefrauen, die aus dem Patriziat stammen und ihm 25 Kinder schenken, sondern auch seinem ausgeprägten Sinn fürs Geschäft.

Holzschnitt: Der Nürnberger Egidienplatz im 16. Jahrhundert
Die linke Häuserzeile beherbergt die  Druckerei von Anton Koberger.

Holzschnitt: Der Nürnberger Egidienplatz im 16. Jahrhundert

Die linke Häuserzeile beherbergt die Druckerei von Anton Koberger.

Mit 30 Jahren und im gleichen Jahr, als er seine erste Frau Ursula Ingram heiratet, gründet er am Egidienplatz eine Druckerei, die zum Schluss eine ganze Häuserflucht füllt. Er druckt alles, was ihm angeboten wird, finanziert etwa kostspielige lateinische und deutsche Bibeln durch die Herstellung von Ablasszettelchen, die reißenden Absatz finden.



Koberger wird zu einem der erfolgreichsten Verleger und Buchhändler seiner Zeit. Er besitzt die größte und modernste Buchdruckerei Europas: 24 Druckerpressen hält er am Laufen und gibt rund hundert Gesellen Arbeit. Als weltläufiger Geschäftsmann ist er ständig in ganz Europa unterwegs, denn er unterhält Filialen in Venedig, Mailand, Paris, Lyon und Wien.

Sein bedeutendstes Druckwerk, die Schedelsche Weltchronik, wird ein Flopp. Das hat nichts mit der Qualität des Werkes zu tun, sondern mit fehlenden Copyright-Bestimmungen. Denn kurz nach Erscheinen dieses Standardwerkes kopiert der Augsburger Drucker Johann Schönsperger die Weltchronik und verramscht sie unter Preis.

Albrecht Dürer: Die Offenbarung des Johannes: 4. Die vier apokalyptischen Reiter, 1497-98
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Albrecht Dürer: Die Offenbarung des Johannes: 4. Die vier apokalyptischen Reiter, 1497-98
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Den Koberger zum Paten zu haben, ist für Dürer ein großes Glück. An ihm nimmt er sich ein Beispiel, was Fleiß und unternehmerisches Wissen anbelangt. So gekonnt, wie Dürer seine eigenen Drucke in Umlauf bringt - das hat er vom Vater nicht gelernt. Und Koberger verhilft Dürer zu einem seiner großen Erfolge: 1498 druckt und verlegt er die "Apokalypse", mit der sein Patenkind europaweit bekannt wird. Und auch ein wenig wohlhabender als bislang.

1504 entscheidet sich Koberger, nur noch als Buchhändler zu arbeiten und beschäftigt auswärtige Druckereien als Subunternehmen. Am 3. Oktober 1513 stirbt er. Seine Nachkommen - 13 von 25 Kindern sind noch am Leben - haben nicht die geschäftliche Fortune ihres Vaters. 1526 wird die Druckerei geschlossen, 1532 der Sortimentsbuchhandel eingestellt.

Michael Wolgemut

1434 - 1519

Albrecht Dürer: Porträt des Michael Wolgemut, 1516	
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Albrecht Dürer: Porträt des Michael Wolgemut, 1516
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Dürers Lehrmeister Michael Wolgemut stammt aus einer Familie von Malern und hat sein Handwerk vermutlich bei seinem Vater erlernt. Er findet Arbeit in der Werkstatt von Hans Pleydenwurff. Nach seinen Wanderjahren als Geselle, die er vermutlich in Flandern verbringt, kehrt er wieder zu Pleydenwurff zurück. Als dieser stirbt, übernimmt er die Werkstatt und heiratet Pleydenwurffs Witwe.

Wolgemut wird zu einem vielgefragten und vielbeschäftigten Künstler und zu einem Meister des Holzschnitts. Er ist der wichtigste Vertreter der älteren fränkischen Schule. Einer seiner Auftraggeber ist der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise. Wolgemut entwirft und realisiert eine Vielzahl von Schnitzaltären mit bemalten Flügeln. Zu den besten gehören die vier Flügel mit Darstellungen aus der Geschichte Christi von 1465, die heute in der Münchener Pinakothek zu sehen sind.

Zusammen mit seinem Stiefsohn Wilhelm Pleydenwurff und weiteren Gesellen fertigt er 1.809 Holzschnitte für die berühmte Weltchronik von 1493, die der Nürnberger Arzt und Humanist Hartmann Schedel verfasst. Dürer als Wolgemuts Geselle arbeitet vermutlich an der Weltchronik mit.

Dürer porträtiert seinen Lehrmeister im Jahre 1516. Drei Jahre später, am 30. November 1519, stirbt Michael Wolgemut in Nürnberg.

Aufbruch

1490 - 1494

 

Und da ich außgedient hat, schickt mich mein vatter hinwegg, und bliebe vier jahr außen, biß mich mein vater wider fordert. Und alß ich im 1490 jahr hinwegg zog, nach Ostern, darnach kam ich wider, als man zehlt 1494 nach Pfingsten.(Familienchronik)

 

1490 wird Dürer flügge, er geht auf Gesellenreise, die ihn nach Colmar, Basel und Straßburg führen wird. Zwei Jahre lang hört man nichts von ihm. Vermutet wird, dass er in die Messestadt Frankfurt und die Buchdruckerstadt Mainz reist und von dort aus nach Köln und die Niederlande wandert, weil seine Werke da schon Einflüsse der mittelrheinischen und niederländischen Kunst aufweisen. Sicher ist, dass er 1492 am eigentlichen Ziel seiner Reise ankommt: in Colmar.

Colmar

1490 - 1494

Colmar gehört in Dürers Zeit dem sogenannten Zehnstädtebund an, einem Bündnis zehn freier Reichsstädte im Elsass, die sich gegenseitig bei der Verteidigung ihrer Rechte und Freiheiten helfen. Hier lenkt nicht ein Patriziat die Geschicke der Stadt, sondern die Zünfte haben die Macht inne.

Hans Burgkmair (1473-1531), 1483: Martin Schongauer, Kopie eines verschollenen Bildnisses von 1453
Alte Pinakothek München

Hans Burgkmair (1473-1531), 1483: Martin Schongauer, Kopie eines verschollenen Bildnisses von 1453
Alte Pinakothek München

 

Aber Durer, als jch ihm dass eröffnet, schreibt, vnd sagt mir auch offt mündlich, das sein vatter Albrecht […] wol willens gewest were, inen als er in das drey zehent jar gieng, zu dem Schön Merten von wegen seines treffenlichen namens zu lernen zu thun, das er jhm auch deßhalb geschrieben het, aber inn dem, wer er Merten, mit todt abgangen.
Chr. Scheurl in der Vita des Anton Kress (1515)

 

Dürer will in Colmar Martin Schongauer kennenlernen. Zu "Schön Merten" habe ihn der Vater schon schicken wollen, als er 13 Jahre alt war. Gesichert ist dies aber nicht. Dieser Schön Merten ist niemand anders als der berühmteste Kupferstecher seiner Zeit und großes Vorbild des jungen Dürers. Aber Dürer hat Pech: Schongauer ist schon ein Jahr zuvor, am 2. Februar 1491, gestorben.



Dürer besucht Schongauers Familie. Er wird wohlwollend von den Brüdern Caspar und Paulus Schongauer, beide Goldschmiede, und Ludwig, ein Maler, empfangen und verbleibt einige Zeit bei ihnen. Er darf Schongauers Werk studieren.

 

… [Dürer] in dem 92. Jar gen Colmar kommen werr, do heten jhm Caspar und Paulus, goltschmid, und Ludwig, maler, der gleichen zu Basel Georg, goltschmid, all des Schön Merten gebrüdere, gute gesellschaft gelaist. (Christoph Scheurl in der Vita des Anton Kress, 1515)

 

Dürers Aufenthalt in Colmar geht Anfang 1494 zu Ende. Der hochbegabte Malergeselle wird innerhalb der Familie Schongauer weitergereicht zu Georg, seines Zeichens Goldschmied - nach Basel.





Martin Schongauer

1450 - 1491

Hans Burgkmair (1473-1531), 1483: Martin Schongauer, Kopie eines verschollenen Bildnisses von 1453
Alte Pinakothek München

Hans Burgkmair (1473-1531), 1483: Martin Schongauer, Kopie eines verschollenen Bildnisses von 1453
Alte Pinakothek München

Man weiß nicht sehr viel über das Leben von Dürers erstem großen Vorbild. Martin Schongauer kommt zwischen 1445 und 1450 als Sohn eines Goldschmieds in Colmar zur Welt und wird zu einem der größten Kupferstecher seiner Zeit.

Dürer senior kennt Schongauer möglicherweise persönlich, denn Schongauer arbeitet vermutlich in den 1460er Jahren eine gewisse Zeit in der Werkstatt des Hans Pleydenwurff in Nürnberg.

1465 schreibt er sich an der Universität Leipzig ein und geht um 1469/70 auf Wanderschaft nach Burgund und die Niederlande. Er lernt die niederländische "Ars Nova", die naturalistische Malweise etwa von Jan van Eyck oder Rogier van der Weyden, kennen. Wahrscheinlich lässt er sich 1470 in Colmar nieder. Er malt und wird berühmt, seine Kunst schlägt sich in Wohlstand nieder. Er besitzt mehrere Häuser in der Stadt. Geheiratet hat er anscheinend nicht.

Martin Schongauer: Madonna im Rosenhag, um 1473
Domininanerkirche Colmar

Martin Schongauer: Madonna im Rosenhag, um 1473
Domininanerkirche Colmar

Um 1473 malt er sein wichtigstes Werk, die "Madonna im Rosenhag", die heute in der Dominikanerkirche in Colmar zu sehen ist. Um 1489 erhält er einen großen Auftrag aus Breisach und zieht dorthin, wo er am 2. Februar 1491 überraschend stirbt.

Martin Schongauer: Päonienstudie
Getty Museum, Los Angeles

Martin Schongauer: Päonienstudie
Getty Museum, Los Angeles

Diese Pfingstrosenstudie stammt wahrscheinlich aus dem Besitz Albrecht Dürers

Heute gilt Schongauer als einer der bedeutendsten Grafiker vor Albrecht Dürer. Seine Kupferstiche sind von hoher technischer und künstlerischer Qualität. Aber von ihm kann sich Dürer auch etwas anderes abgucken: Schongauer ist einer der ersten, der seine Druckgrafik in höherer Auflage herstellt und kommerziell vertreibt. Und als erster Stecher signiert er seine Werke. 116 Blätter sind erhalten, sie tragen seine Initialen neben einem Kreuz mit einem halbmondförmigen Häkchen.



Übrigens: Seinen Spitznamen "Schön Merten" oder "Hübsch Merten" hat der Künstler weg, weil die Inhalte seiner Werke oft so "delicat" ausfallen.

Selbstporträts

1493

Albrecht Dürer: Selbstbildnis mit Eryngium, 1493
Musée du Louvre

Albrecht Dürer: Selbstbildnis mit Eryngium, 1493
Musée du Louvre

Auf seiner Gesellenreise porträtiert sich Dürer mit der Distel Eryngium (Mannstreu) in der Hand. Er datiert das Bild auf 1493 und ist somit 22 Jahre alt. Die Distel gilt als Symbol für die Passion Christi, aber auch als Aphrodisiakum und Liebeszauberwurzel. So richtig wie ein sich nach Liebe sehnender Mann sieht Dürer allerdings nicht aus, vor allem, wenn man die Inschrift liest, die er oben hingeschrieben hat: "My sach die gat / als es oben schtat" – vielleicht frei übersetzt: "Meine Angelegenheiten werden von oben bestimmt" – Frömmigkeit oder bittere Erkenntnis?

Albrecht Dürer: Selbstporträt mit Studie einer Hand und eines Kissens, 1493
Metropolitan Museum of Art, New York

Albrecht Dürer: Selbstporträt mit Studie einer Hand und eines Kissens, 1493
Metropolitan Museum of Art, New York

Aus dem gleichen Jahr stammt eine Zeichnung, auf der Dürer sich selbst, eine Hand und ein Kissen abbildet.

Monogramm

1490 - 1494

Albrecht Dürers Monogramm

Albrecht Dürers Monogramm

Auf seiner Gesellenreise konzipiert Dürer sein berühmtes Monogramm. Dürer ist einer der ersten, der seine Urheberschaft systematisch dokumentiert. "AD" wird zu seinem Markenzeichen und in ganz Europa als künstlerisches Gütesiegel bekannt.

Albrecht Dürer: Jüngling mit Henker, 1493
British Museum, London

Albrecht Dürer: Jüngling mit Henker, 1493
British Museum, London

Eines der ersten Werke mit dem noch nicht ganz ausgereiften Monogramm ist die Federzeichnung "Jüngling mit Henker" aus dem Jahr 1493, in der ein Henker den zum Tode Verurteilten streichelt und dieser die Zärtlichkeit zu genießen scheint - nichts "Abwegiges" im Mittelalter, wo nach der damaligen Rechtsprechung der Delinquent in seiner letzten Nacht dem Henker gehört - mit allem, was da möglich ist.

Basel

1490 - 1494

Basel gehört Ende des 15. Jahrhunderts zu den bedeutenden Universitäts- und Verlagsstädten Europas. Die Stadt am Rheinknie ist ein wichtiges Handelszentrum. 1471 wird der Buchdruck eingeführt, der kulturelle Aufschwung bleibt nicht aus. Gelehrte und Künstler wie Erasmus von Rotterdam, Paracelsus, Sebastian Brant und Hans Holbein der Jüngere verbringen hier einige Zeit.

Man vermutet, dass Dürer in Basel als Illustrator für ein Buchprojekt arbeitet: Die populären Komödien des Terenz werden aber nie gedruckt. Zugeschrieben werden Dürer einige "Risse" (Zeichnungen). Die Baseler Fassung des Terenz wird nicht herausgebracht, weil in Lyon Ende August 1493 die Ausgabe der Konkurrenz erscheint.

Albrecht Dürer: Drei Holzschnitte aus 'Das Narrenschiff'

Albrecht Dürer: Drei Holzschnitte aus "Das Narrenschiff"

Nicht gesichert ist Dürers Mitarbeit an den Holzschnitten zu Nicolaus Kesslers "Hieronymus", zu Geoffroy de La Tour Landrys "Der Ritter von Turn". Bei Sebastian Brants "Narrenschiff" werden Dürer immerhin 70 der 114 Illustrationen zugeschrieben. Vermutlich hält sich Dürer immer wieder kurz in Freiburg und Straßburg auf, um bei anderen Aufträgen mitzuarbeiten.

Und er zieht weiter zur letzten Station seiner Gesellenreise: nach Straßburg.

Straßburg

1490 - 1494

Straßburg ist freie Reichsstadt, eine der ersten im Römischen Reich deutscher Nation. Hier haben - neben zwei Patrizierfamilien, die sich permanent befehden - seit über 200 Jahren die Zünfte das Sagen. Gerade zwölf Jahre vor Dürers Ankunft wird nach heftigen Aufständen der Handwerker die neue Verfassung festgeschrieben, die bis zur Französischen Revolution gültig bleibt. Danach besetzen die Zünfte zwei Drittel der Sitze im Rat, ein Drittel ist für das Patriziat reserviert. Straßburg ist das wirtschaftliche Zentrum des Elsass. Die Stadt besitzt eine Attraktion: das Münster. Es ist zu Dürers Zeit das höchste Gebäude der Welt.

 

Ein alter Mann in ein Tefelein, ist zu Straspurg sein Meister gewest – auf Pergamen – Ein Weips Pild auch in ein tefelein, Olifarb, so dazugehoeret, gemalt von im [Dürer] zu Straspurg 1494.

 

Man weiß wenig über Dürers Aufenthalt in der Stadt. Hier hat sich so etwas wie eine Künstlerkolonie gegründet, die vermutlich auch den jungen Dürer begeistert. Es gibt aber auch Hinweise, dass er in der Werkstatt eines Straßburger Malers arbeitet. Dort zeichnet er zwei kleine Pergamentporträts des Meisters und seiner Frau. Sie gelten als verschollen.

Vielleicht hat Dürer dann genug vom Unterwegssein. Oder er folgt der Anweisung seines Vaters, nach Hause zurückzukommen. Jedenfalls wartet dort eine Überraschung auf ihn.

Heirat

1494

 

Und als ich wieder anheimbe kommen was, handelt Hanns Frej mit meinem Vater und gab mir seine Tochter mit nahmen Jungfraw Agnes, und gab mir zu ihr 200 fl und hielt die Hochzeit, die was am Montag vor Margarethen. (Familienchronik)

 

Als Dürer 1494 von seiner Gesellenreise an den Oberrhein zurück nach Nürnberg kommt, haben ihm seine Eltern schon eine Frau ausgesucht: die 19-jährige Agnes Frey. Die kennt er von Kindes Beinen an, sie hat um die Ecke gewohnt. Ihr Vater Hans Frey ist Kunstschmied und Lautenbauer, während ihre Mutter Anna Rummel aus einer alteingesessenen ratsfähigen Nürnberger Familie stammt. Mit der Hochzeit am 7. Juli 1494 rückt Dürer in die Nähe des Patriziats. Das ist wohl die Absicht seiner Eltern gewesen. Die Heiratsbedingungen haben die beiden alten Herren detailliert ausgehandelt. So bringt Agnes unter anderem 200 Gulden mit in die Ehe.

Albrecht Dürer: Mein Agnes, 1494
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Mein Agnes, 1494
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Was Dürer von der arrangierten Hochzeit hält, ist nicht bekannt. Aber er zeichnet Agnes gleich, eine in sich versunkene, schüchterne junge Frau. "Mein Agnes" heißt das Bild.

Frisch verliebt scheint Dürer nicht zu sein, denn nach drei Monaten bricht er auf zu seiner ersten Reise nach Italien. Ist es die Pest, die in Nürnberg wütet und ihn vertreibt? Immerhin sterben 9.780 Nürnberger, das ist ein Drittel der damaligen Bewohner. Ist es nach vier Jahren Freiheit in der Ferne die Bevormundung durch seinen Vater, die er nicht mehr ertragen will? Ist es "sein Agnes", mit der er sich nicht versteht? Vielleicht.

Es gibt noch einen weiteren Grund. Dürer kommt nach vier Jahren Walz zurück nach Nürnberg. Die Gesellenzeit ist definitiv vorbei, er sollte eine eigene Werkstatt aufmachen und hat - nichts. Er hat keine große Auswahl an eigenen Arbeiten, die er möglichen Kunden präsentieren und so den Grundstock für seinen eigenen Lebensunterhalt schaffen könnte. Als selbständiger Künstler-Unternehmer steht er erst in den Startlöchern. Er braucht eine Kollektion, eine Arbeitsmappe. Inspiration findet er vielleicht nicht in Nürnberg. Die richtungsweisende Kunst kommt aus Italien. Also sattelt er sein Pferd und reitet los gen Süden.

Agnes Dürer

1475 - 1539

Albrecht Dürer: Mein Agnes, 1494
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Mein Agnes, 1494
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Agnes Dürer ist eine geborene Frey. Ihr Vater Hans Frey ist Kunstschmied und Lautenbauer. Ihre Mutter Anna Rummel stammt aus einer alteingesessenen ratsfähigen Nürnberger Familie. Im Alter von 19 Jahren wird sie mit Albrecht Dürer verheiratet; den Ehevertrag handeln die Väter aus.

Die Ehe verläuft mehr als lausig. Zeitgenossen, allen voran Dürers engster Freund Willibald Pirckheimer, verpassen Agnes Haare auf den Zähnen, sie soll ziemlich zänkisch sein, dazu bieder und hässlich. Dürer beschimpft sie später in Briefen an seinen Freund ziemlich grob und ausfallend. "Alte Krähe" ist noch die freundlichste Bezeichnung. Möglicherweise ist für sie die Ehe mit Dürer eine große Enttäuschung. Zeitgenossen beschreiben Dürer gelegentlich als homosexuell, manche als Päderast, auf beides steht die Todesstrafe. Was an diesen Gerüchten wahr ist und was Intrige, lässt sich nicht ausmachen. Ihre Ehe bleibt kinderlos.

Albrecht Dürer: Anna selbdritt, 1519, Metropolitan Museum of Art, New York

Albrecht Dürer: Anna selbdritt, 1519, Metropolitan Museum of Art, New York

Andere sehen sie als tüchtige Geschäftsfrau, die die Zügel fest in der Hand hält. Sie ist resolut und selbständig. Sie managt ihren Mann, vermarktet seine Drucke, reist oft zu Messen, auch nach Frankfurt und Leipzig. Meist ist sie jedoch auf dem Nürnberger Wochenmarkt zu finden, wo sie zusammen mit Dürers Mutter zwischen Obst und Gemüseständen, Tieren und Hausrat Dürers Arbeiten an einem eigenen Stand verkauft. Während Dürers zweiter Italienreise führt sie die Werkstatt. Gelegentlich dient sie ihm als Modell, zum Beispiel in "Anna selbdritt" als Frau mit Kopftuch.

Albrecht Dürer: Agnes Dürer in niederländischer Tracht, 1521
Kupferstichkabinett, Berlin

Albrecht Dürer: Agnes Dürer in niederländischer Tracht, 1521
Kupferstichkabinett, Berlin

Hat Dürer seine Reisen immer alleine unternommen - auf seine letzte große Reise in die Niederlande (1520 – 1521) nimmt er Agnes mit. Vielleicht hat sie mal ein Machtwort gesprochen. Zu ihrem 27. Hochzeitstag, den sie in Antwerpen begehen, zeichnet er sie in niederländischer Tracht.

Agnes ist Dürers Alleinerbin, so steht es im Ehevertrag. Fast 7000 Gulden hinterlässt er ihr. Sie gehört damit zu den hundert reichsten Bürgern der Kaiserstadt Nürnberg. Agnes verkauft weiterhin seine Kunst. Kaiser Karl V. bestätigt 1528 ihre Eigentumsrechte an Dürers Buch "Von menschlichen Proportionen". In ihrem Testament verfügt sie, dass ein "Stipendium für einen Studierenden der Theologie", das Dürer gestiftet hat, weiterhin vergeben wird. Am 28. Dezember 1539 stirbt Agnes Dürer. Von einem weit entfernten Verwandten abgesehen, stirbt mit ihr die Familie aus, denn Dürers Brüder sind ebenfalls kinderlos geblieben.

Reise nach Venedig

1494 - 1495

Im Herbst 1494 herrscht in Nürnberg die Pest, in Dürers Haus seit drei Monaten seine frisch vermählte Frau Agnes und in der noch zu gründenden Werkstatt die Leere an den Wänden. Dürer entflieht allem, indem er sich auf den Weg nach Venedig macht.

Er muss sich beeilen, denn bald wird es in den Alpen schneien. Auch wenn der Brenner ganzjährig passierbar ist - durch Schnee und Kälte zu reisen ist weniger angenehm als bei herbstlicher Witterung. Er nimmt den Weg über Innsbruck und Trient. Bis heute streiten sich die Dürer-Forscher darüber, ob Dürer auf dieser Reise wirklich bis nach Venedig gekommen ist oder wann er wo welches Werk geschaffen hat.

Unschlüssig ist sich die Forschung auch über seine Rückkehr. Meistens wird das Frühjahr 1495 angegeben, weil da die Pest in Nürnberg am Abflauen ist und Freunde und Nachbarn von Dürer wieder in die Stadt zurückkehren. Dürer könnte aber auch seinen Italienaufenthalt bis 1497 verlängert haben, weil es erst dann wieder einen gesichertern Nachweis für seinen Aufenthalt in Nürnberg gibt. Was Agnes wohl dazu gesagt haben könnte?



Wir lassen Dürer im Frühjahr 1495 nach Hause kommen.

Innsbruck

1494 - 1495

Innsbruck von Norden, 1495/1497?
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Innsbruck von Norden, 1495/1497?
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Innsbruck ist mit seinem Pass über den Brenner eine wichtige Drehscheibe für den Handel über die Alpen von Norden nach Süden und umgekehrt. Die Brennerstraße ist gut ausgebaut und fast das ganze Jahr befahrbar. Hier herrscht viel Verkehr. Die Menschen sind mit Pferden oder Wagen unterwegs.

Die Stadt ist reich, denn Händler müssen ordentlich Zoll bezahlen für ihre Waren. Innsbruck ist Residenzstadt und gehört den Habsburgern. Maximilian I. von Habsburg, damals schon deutsch-römischer König und Erzherzog von Österreich, später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Mäzen Dürers, kommt oft mit seinem Hof nach Innsbruck. Er macht die Stadt zu einem politischen und künstlerischen Zentrum.

Als Dürer nach Innsbruck kommt, wird gerade die Ottoburg gebaut. Er kann noch den gotischen Dom bewundern, der später zerstört werden wird. Das einzig erhaltene Aquarell ist "Innsbruck von Norden". Ob er das Bild auf seiner Hin- oder auf der Rückreise gemalt hat, ist ungewiss; seine Datierung reicht von 1495 bis 1497. Man erkennt den Wappenturm der Innsbrucker Burg. Der Turm ist eingerüstet, das spricht für 1496. Auf den Bergen liegt Schnee. Der Fluss reflektiert das Licht, die Stadt spiegelt sich leicht verzerrt im Wasser. Für Dürer-Kenner ergibt sich daraus: Dürer hat bereits die Farb- und Lichteffekte kennengelernt, wie sie zu dieser Zeit in Venedig angewandt werden.

Albrecht Dürer: Nemesis, ca. 1501/02
British Museum London

Albrecht Dürer: Nemesis, ca. 1501/02
British Museum London

Später wird Dürer seine Nemesis über einer Landschaft schweben lassen: Das Tal, das er im Holzschnitt abbildet, ist Chiusa in der Nähe von Innsbruck.

Auf dieser Reise verfeinert Dürer seine Aquarelltechnik, er schafft Werke, die bis heute "modern" wirken. Landschaften und Orte hält er fest, so etwa das "Felsenschloss im Val di Cembra" in der Nähe von Trient, die "Wassermühle im Gebirge mit Zeichner" und die Ansicht von Arco am Gardasee.

Seinen Zeitgenossen gilt Dürer als Aquarellmaler wenig. Seine Landschaftsskizzen werden nur als Studien für Bildhintergründe angesehen. Geld verdient er damit nicht, sie werden recht preiswert gehandelt. Um 1500 hört Dürer auf, Landschaften in Aquarellen abzubilden. Dennoch gilt er als ein Wegbereiter der Landschaftsmalerei in Deutschland.

Trient

1494 - 1495

Albrecht Dürer: Ansicht von Trient vom Norden, 1495
Kunsthalle Bremen
seit 1945 verschollen

Albrecht Dürer: Ansicht von Trient vom Norden, 1495
Kunsthalle Bremen
seit 1945 verschollen

Trient (italienisch Trento) hat eine bewegte Zeit hinter sich, als Dürer in die Stadt kommt. Jahrhundertelang wird sie von katholischen Bischöfen regiert, bis 1407 die Adligen und Bürger der Stadt eine Revolution anzetteln. Sie bekommen Hilfe: Herzog Friedrich - genannt mit der leeren Tasche -, der durch Bauernaufstände in der Region auf Trab gehalten wird, nutzt die Gunst der Stunde. Zusammen vertreiben sie den amtierenden Bischof Georg von Lichtenstein aus der Stadt.

Friedrichs letzter Nachkomme, Sigismund genannt der Münzreiche, verliert sein Herzogtum 1490 an Maximilian I. von Habsburg, den späteren Kaiser und Dürers großen Mäzen. Auch dabei mischen die Tiroler Stände kräftig mit. Das Habsburgerreich ist wieder in einer Hand.

Albrecht Dürer: Das Schloss von Trient, 1495
British Museum, London

Albrecht Dürer: Das Schloss von Trient, 1495
British Museum, London

Dürer kommt also in einer relativ friedlichen Zeit nach Trient. Er bildet die Stadt in einem Aquarell ab. Auf den Bergen liegt kein Schnee, Ausführung und Licht erinnern an sein Aquarell von Innsbruck. Auch den Anblick des Schlosses hält er in einem Aquarell fest.

Arco am Gardasee

1494 - 1495

Arco ist zu Dürers Zeiten ein verschlafenes kleines Nest unweit von Trient am Nordufer des Gardasees. Totzdem rangeln immer wieder die unterschiedlichsten Machthaber aus Verona, Tirol, Frankreich, Bayern und Mailand um seinen Besitz. Das Städtchen liegt geschützt im Tal des Flusses Sarca, umgeben von Bergen. Das Mikroklima der Stadt ist so mild, dass dort Palmen wachsen.

Albrecht Dürer: Die Burg Arco, 1495, Musée du Louvre, Paris

Albrecht Dürer: Die Burg Arco, 1495, Musée du Louvre, Paris

Dürer verewigt Arco in einem Aquarell. Da sieht man noch die Burg der Grafenfamilie Scaligeri in ihrem ursprünglichen Zustand. Heute befindet sich auf dem langgezogenen Bergrücken nur noch eine Ruine.

Arco liegt ein paar Kilometer hinter der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Italienisch. Manche Experten ziehen daraus den Schluss, dass es an dieser Stelle auch Schluss mit Dürers Italienreise ist. Denn Dürer kann wahrscheinlich keine andere Sprache als Deutsch, Latein hat er auch nicht gelernt. Und allein unterwegs in einem anderen Sprachraum, in einer Zeit, die nicht gerade zimperlich mit Menschen umgeht - nein, das habe Dürer nicht mitgemacht. Andere Experten wiederum vermuten, dass Dürer sehr wohl bis nach Venedig gereist ist, und nehmen Gemälde und einige Stellen in späteren Briefen als Beleg.

Ein Argument für Dürers Weiterreise nach Venedig ist: Arco liegt nicht weit von der "Rennstrecke" des Handels zwischen Nord und Süd. Gerade Nürnberger Kaufleute bringen ihre Waren auf dieser Strecke nach Norditalien. Die Post wird auf der Brennerstraße transportiert. Dürer kann also relativ sicher im "Konvoi" mitreisen und durchaus auch mit bekannten Gesichtern aus seiner Heimatstadt. Auch wenn es nicht eindeutig belegt ist: Hier geht es weiter mit Dürer nach Venedig.

Venedig

1494 - 1495

Venedig ist zu Dürers Zeiten eine der großen Metropolen Europas. Wirtschaftlich steht die Stadt durch den Handel in alle Ecken der bekannten Welt auf mehr als soliden Beinen. Die Dogen, die gewählten Oberhäupter der Republik Venedig, haben durch ihr großzügiges Mäzenatentum die Stadt zum Zentrum der norditalienischen Kunst erhoben. Hier haben die Künstler neue bahnbrechende Errungenschaften gemacht. Sie sind auch Wissenschaftler, wissen Bescheid um die Anatomie des menschlichen Körpers und beherrschen die geometrischen Regeln der Zentralperspektive. Mit dieser gelingt es den Künstlern dieser Epoche, ein dreidimensional wirkendes Bild auf einer zweidimensionalen Fläche zu gestalten.

Dürers venezianische Malerkollegen sind kultiviert und belesen, sie studieren - ganz im Geist der Renaissance - die antiken Texte und Kunstwerke und scheren sich einen Teufel um die ablehnende Haltung der Kirche gegenüber solch heidnischem "Zeug". Und sie sind sich ihres Ranges in der Gesellschaft bewusst, empfinden sich nicht - wie in Deutschland - als Handwerker. Sie pflegen Umgang mit den Mächtigen der Zeit, fast auf Augenhöhe.

Albrecht Dürer: Madonna mit Kind (Haller-Madonna), 1498
National Gallery of Art, Washington

Albrecht Dürer: Madonna mit Kind (Haller-Madonna), 1498
National Gallery of Art, Washington

 

Ein "ding, daz mir vor eilf joren so woll hatt gefallen"
Brief an Pirckheimer vom 7.2.1506

 

Für Dürer muss Venedig eine Offenbarung sein. Vieles spricht dafür, dass er es wirklich bis dahin geschafft hat: Seine Bilder erstrahlen in einer Farbigkeit, die er in Michael Wolgemuts Werkstatt und wohl auch unterwegs im Elsass nicht kennengelernt hat. Aus dieser Zeit und den Folgejahren stammen einige Marienbildnisse, die italienische Einflüsse aufzeigen, so etwa die 1498 entstandene "Haller-Madonna". Sie ist im venezianischen Stil gehalten. Dürer selbst gibt in einem späteren Brief einen Hinweis, dass er zum zweiten Mal in Venedig sei.

Giovanni Bellini: Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Petrus und Nikolaus, Benedikt und Markus, 1488
Santa Maria Gloriosa dei Frari, Venedig

Giovanni Bellini: Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Petrus und Nikolaus, Benedikt und Markus, 1488
Santa Maria Gloriosa dei Frari, Venedig

Wahrscheinlich lernt Dürer in Venedig Giovanni Bellini kennen. Der ist seit 1483 offizieller Maler der Republik Venedig und ein Schwergewicht der italienischen Renaissance. Dürer hält ihn für den größten Maler seiner Zeit. Bellini hat 1488 für die Sakristei der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari das Triptychon "Thronende Madonna mit den vier Evangelisten" geschaffen, vor dem Dürer vermutlich bewundernd steht. In einem seiner Hauptwerke, den "Vier Aposteln" aus dem Jahr 1526, ist Bellinis Einfluss noch zu spüren.

Bellini hat einen nicht weniger berühmten Schwager: Andrea Mantegna in Padua. Man nimmt an, dass Dürer Mantegnas Skulpturen, die dieser nach dem Vorbild der Antike fertigt, bereits in Nürnberg auf Kupferstichen gesehen hat. Nun hat er die Gelegenheit, die Originale kennenzulernen. Er fertigt Skizzen an, die er mit seinem Monogramm versieht und auf 1494 datiert. Und die führen dazu, dass Dürer Natur und antike Kunstform in seinen Kupferstichen zusammenbringt.

Weitere Arbeiten entstehen, die dem damaligen italienischen Geschmack entsprechen, Mythologisches zum Beispiel wie der "Tod des Orpheus" von 1494 oder der "Puttenreigen" von 1495. Er zeichnet Aktstudien, damals nördlich der Alpen nicht unbedingt ein übliches Genre in der Kunst. Dürer studiert auch andere italienische Künstler: Außer Mantegnas Werken nimmt er sich die Raptusgruppe von Pollaiuolo vor und zeichnet ein Christkind nach einem Vorbild von Lorenzi di Credi.

Albrecht Dürer: Nürnbergerin und Venezianerin, um 1495
Städelmuseum Frankfurt am Main

Albrecht Dürer: Nürnbergerin und Venezianerin, um 1495
Städelmuseum Frankfurt am Main

Eine Skizze aber enthält ein Motiv, das eindeutig venezianisch ist, die "Venezianerin und Nürnbergerin". Links auf diesem Blatt ist eine recht brav und bieder wirkende Frau aus Nürnberg abgebildet. Die schaut mit abschätzig-neidvoll-überheblichem Blick einer eleganten venezianischen Dame ins Dekolletee. Doch deren Körper wirkt unproportioniert. Sie hat viel zu lange Beine, das erkennt man, obwohl ihr Kleid bis zum Boden reicht. Nun, sie ist eine venezianische Hure. Die sind nämlich per Dekret verpflichtet, stelzenartige Plateauschuhe tragen, um sie schon von weitem erkennen zu können.

Albrecht Dürer: Das apokalyptische Weib (Die Babylonische Hure), Apokalypse, um 1496/97
Städelmuseum Frankfurt am Main

Albrecht Dürer: Das apokalyptische Weib (Die Babylonische Hure), Apokalypse, um 1496/97
Städelmuseum Frankfurt am Main

Die flotten Venezianerinnen machen einen nachhaltigen Eindruck auf Dürer, denn er verwendet später diese Skizze für seinen aufwühlenden, beeindruckenden Holzschnittzyklus über die Offenbarung des Johannes, die "Apokalypse". Da taucht die "babylonische Hure", auf einem siebenköpfigen Drachen reitend, in jener venezianischen Überlänge auf.



Und zurück geht es mit Dürer nach Nürnberg.

Aufschwung

1495 - 1505

Albrecht Dürer: Bildnis einer jungen Frau mit offenem Haar ('Fürlegerin'), 1497
Städel Museum, Frankfurt am Main

Albrecht Dürer: Bildnis einer jungen Frau mit offenem Haar ("Fürlegerin"), 1497
Städel Museum, Frankfurt am Main

 

Städel-Direktor Max Hollein über das "Bildnis einer jungen Frau mit offenem Haar"

 

Kaum aus Italien zurück, legt Dürer los. Er steckt voller neuer Eindrücke, Ideen, Erkenntnisse. Das grundlegende künstlerische Wissen, das er in Italien und bei seinen berühmten Malerkollegen kennengelernt hat – er setzt es zielgerecht ein. Berühmte Porträts entstehen, etwa die der Familie Tucher oder die beiden "Fürlegerinnen". Oder seine Selbstporträts, mit denen er bewusst Zeichen setzt. Er malt seinen Vater. 1496 erhält er seinen ersten Auftrag von einem Regenten: Er fertigt das Bildnis Friedrichs des Weisen, Kurfürst von Sachsen.

Dürer entwickelt sich immer mehr zum Unternehmer. Will er Geld, muss er verkaufen. Will er genügend Geld, muss er seine Holzschnitte und Kupferstiche in hoher Auflage herausbringen - wie bei den Büchern, deren Verkaufsrezept Dürer sich abguckt. Und dafür müssen seine Grafiken etwas künstlerisch Eigenständiges werden, weit über pure Illustrationen hinaus. Damit hat Dürer Erfolg. Seine Druckgrafiken werden so geschätzt, dass er sie nicht mehr alleine, auch nicht mit Hilfe seiner Frau Agnes, vermarkten kann. Und so nimmt er 1497 zwei Außendienstmitarbeiter unter Vertrag: Sie sollen "von einem lannd zu dem anndern und von einer stat zu der anndern" ziehen und Dürers Abzüge von Kupferstichen und Holzschnitten verkaufen. Einer der beiden bekommt ganz klare Verhaltensregeln mit in den Vertrag geschrieben: Unterwegs bloß keine Glücksspiele oder Ähnliches!

Ein Jahr später, 1498, bringt Dürer seinen Holzschnittzyklus zur Offenbarung des Johannes, der Apokalypse, auf den Markt. Der Zyklus, den er ohne einen Auftraggeber fertigt, wird ein Meilenstein in Dürers Karriere. Sein Selbstbewusstsein bringt er mit seinem "Selbstbildnis im Pelzrock" zum Ausdruck.

Unterstützung bei der Imagepflege erhält Dürer von dem Nürnberger Dichter und Humanisten Conrad Celtis. Dieser überschüttet ihn um 1499/1500 in Epigrammen mit Lob und preist Dürer wegen seines außergewöhnlichen künstlerischen Könnens als "neuen Apelles". Jener griechische Künstler, Zeitgenosse Alexanders des Großen, gilt als einer der bedeutendsten Maler des Altertums. Solch ein Vergleich schadet natürlich nicht.

Albrecht Dürer: Adam und Eva
Kupferstich, 1504
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Albrecht Dürer: Adam und Eva
Kupferstich, 1504
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Um die Jahrhundertwende beginnt Dürer, sich erstmals systematisch mit den Proportionen des männlichen und weiblichen nackten Körpers auseinanderzusetzen. Geometrie und Mathematik nutzt er dabei als Basis. Er entwickelt erste theoretische Ansätze, die er in einem heute nur in wenigen Auszügen vorhandenen "Lehrbuch der Malerei" veröffentlichen wird. Bereits auf seiner Gesellenreise hat Dürer 1493 einen weiblichen Akt gefertigt; es ist die erste erhaltene Aktdarstellung eines deutschen Künstlers nach einem lebenden Modell. Auch hier wird er zum Vorreiter: Mit seinen "nacketen Bildern" erhebt er den Akt zur Kunstgattung. Der Kupferstich "Adam und Eva" gilt als wegweisendes Meisterwerk.

Ein Anstoss für die neuerliche Beschäftigung mit den "nacketen Bildern" mag sein, dass er im Frühjahr 1500 dem venezianischen Maler Jacopo de' Barbari begegnet, der als Hofmaler von Kaiser Maximilian I. sein Amt in Nürnberg antritt. Er lässt Dürer an seinen Entwürfen zu den Proportionen des nackten menschlichen Körpers schnuppern, verweigert ihm aber die nähere Einsicht.

Albrecht Dürer: Feldhase, 1502
Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Feldhase, 1502
Albertina, Wien

 

Darnach nam ich mein Bruder Hannsen zu mir, aber den Endressen schickten mir weg.
Familienchronik

 

1502 malt er seinen jungen Feldhasen. Das Aquarell wird zur berühmtesten seiner Naturstudien, ein Meisterwerk an Kunstfertigkeit und Detailgenauigkeit. Im gleichen Jahr 1502 stirbt Dürers Vater vermutlich an der Ruhr. Weder sein Sohn noch seine Frau sind bei seinem Tod dabei. Dürer macht sich deshalb noch jahrelang große Selbstvorwürfe. Dürer wird zum Familienchef. Er nimmt seinen jüngsten Bruder Hanns, das Sorgenkind, zu sich in die Lehre. Seinen Bruder Endres, den Goldschmied, schickt er auf Wanderschaft. 1503 erkrankt Dürer. Zwei Kohlezeichnungen entstehen, in denen er sich als "Leidenden Orientalen" und als "Toten Christus" abbildet.

Man nimmt an, dass Dürer 1503 eine eigene, offizielle Werkstatt einrichtet. Zu seinen Mitarbeitern gehören Hans Baldung genannt Grien und Hans Schäufelein, von dem berichtet wird, dass er Dürers künstlerische Handschrift täuschend nachmachen kann. Dazu kommt Hans von Kulmbach, der zunächst ein Schüler de' Barbaris gewesen ist. Hans Springinklee ist mit dabei, ebenso Wolf Traut. Und nicht zu vergessen: der kleine Bruder Hanns. Ob sie alle Schüler sind oder eigenständige Künstler, ob sie Dürer "dienen" oder ihre eigenen Kunstwerke in seinem Hause fertigen, ist ungewiss.

 

Meine arme elende muter, dy jch zwey jor noch meines vaters dott zw mir nam, dy do ganz armm was, jn mein fleg.

 

1504 nimmt Dürer seine Mutter in seinen Haushalt auf. Die vom Leben gezeichnete Frau ist zu schwach, um sich selbst versorgen zu können. Agnes wird sich um sie gekümmert haben.

Im Juli 1505 bricht in Nürnberg erneut die Pest aus. Wer kann, flieht. Wie Willibald Pirckheimer, der bis Dezember wegbleibt. Und wie Dürer: Er versorgt Agnes mit 12 Gulden und schickt sie zur Frankfurter Messe, wo sie 13 Gulden durch den Verkauf der Druckgrafiken verdient. Das ist ihr Haushaltsgeld, bis ihr Mann wieder kommt. Denn Dürer setzt sich auf sein Pferd und reitet nach Italien.

Willibald Pirckheimer

1470 - 1530

Albrecht Dürer: Willibald Pirckheimer, 1503
Gemäldegalerie Berlin

Albrecht Dürer: Willibald Pirckheimer, 1503
Gemäldegalerie Berlin

Was Dürer wohl ohne seinen Freund Willibald Pirckheimer gemacht hätte? Der stammt zwar aus einer Patrizierfamilie, die seit Generationen in Nürnberg ansässig ist (in ihrem Haus hat Dürer seine ersten Lebensjahre verbracht). Doch Willibald kommt erst 1495 nach Nürnberg; aufgewachsen ist er in Eichstätt. Bevor er sich in Nürnberg niederlässt, studiert er, so will es die Familientradition, in Italien Jura. Nebenher verschlingt er Literatur und Philosophie der klassischen römischen und griechischen Antike.

Die beiden werden dicke Freunde. Vielleicht hat Pirckheimer seinen Freund 1498 in die "Herrentrinkstube" am Weinmarkt eingeführt. Das ist ein exklusiver Club der Patrizier und der reichen Bürger. Von ihrer Freundschaft profitieren beide: Dürer erhält durch Pirckheimer Zugang zu potentiellen Kunden - zur Nürnberger Oberschicht. Und er, der keine andere Sprache als Deutsch spricht, lernt über Gespräche mit Pirckheimer die Geschichten und Themen der lateinischen und altgriechischen Literatur kennen, die er dann zur Grundlage seines künstlerischen Schaffens macht. Willibald Pirckheimer hingegen darf sich im Ruhme seines Freundes sonnen und diese Verbindung für seine eigenen Angelegenheiten nutzbringend einsetzen.

Dürer kann 1505 bis 1506 ein zweites Mal nach Italien reisen, weil Pirckheimer ihm die Reise vorfinanziert. Sie schreiben sich häufig. In diesen Briefen tratschen sie richtig. Dürer lässt sich über seine unglückliche Ehe aus, beschimpft die arme Agnes als "alte Krähe", während Schürzenjäger Pirckheimer mit seinen außerehelichen Eroberungen prahlt. Als Dürer so gar nicht aus Italien zurückkommen will, droht ihm Pirckheimer augenzwinkernd, dass er sich Agnes ins Bett holen würde. Nur zu, bekommt er sinngemäß zur Antwort, wenn er, der Willibald, wüsste, was man anstellen müsse, damit Agnes auch Spaß am Sex habe.

Pirckheimer greift als Humanist in die geistigen Auseinandersetzungen seiner Zeit ein. Er nimmt Partei für zwei umstrittene Männer. Zum einen für Johannes Reuchlin, der mit Erasmus von Rotterdam als der wichtigste europäische Humanist seiner Zeit gilt und sich als profunder Kenner des Hebräischen - fast als einziger - gegen den allgemein vorherrschenden Antisemitismus wendet. Zum anderen verteidigt Pirckheimer Martin Luther, den er verehrt, dessen Protestantismus er aber ablehnt. Unter einem Pseudonym veröffentlicht er eine Spottschrift gegen den Luthergegner Johannes Eck. Der jedoch knackt das Pseudonym und setzt Pirckheimer deshalb in die päpstlichen Bannbullen von 1520 und 1521 gegen Luther und seine Anhänger.

Albrecht Dürer: Bildnis Willibald Pirckheimers, 1524
Museen der Stadt Nürnberg, Graphische Sammlung

Albrecht Dürer: Bildnis Willibald Pirckheimers, 1524
Museen der Stadt Nürnberg, Graphische Sammlung

Pirckheimer und Dürer arbeiten auch zusammen: 1501 bringen die beiden die "Opera Hrosvite" von Konrad Celtis neu heraus. 1527 erscheint Pirckheimers griechisch-lateinische Ausgabe der "Charaktere" des Theophrast, die er Dürer widmet. Zusammen mit Johannes Stabius entwickelt Pirckheimer das inhaltliche Grundgerüst für den "Triumphzug" und "Ehrenpforte". Dürer fertigt die Illustrationen für diese Werke, mit denen Kaiser Maximilian I. seine politischen Grundsätze propagiert. Man nimmt auch an, dass Pirckheimer Dürer mit dem Kaiser bekannt macht. So kommt Dürer zu seiner Leibrente. Auch beim der Neugestaltung des Nürnberger Rathaussaales (um 1521-22) arbeiten sie Hand in Hand: Pirckheimer liefert das Konzept, Dürer setzt es um. Fertig ausgemalt wird der Saal erst nach Dürers Tod.

Pirckheimer gehört zu einem Kreis Nürnberger Humanisten, dessen Mitglieder unter anderen Conrad Celtis, Sebald Schreyer und Hartmann Schedel, der Verfasser der Schedelschen Weltchronik, sind. Sprachbegabt und antikenbegeistert, wie er ist, übersetzt er klassische Werke ins Deutsche. Mit seiner Hilfe, der Unterstützung der Stadt Nürnberg und mit der Befürwortung durch den Reformator Philipp Melanchthon wird ein Standardwerk über das römische Recht gedruckt, das der junge Gelehrte Gregor Haloander geschrieben hat.

Willibald Pirckheimer stirbt am 22. Dezember 1530 in Nürnberg, knapp zwei Jahre nach seinem Freund Dürer. Wie dieser wird Pirckheimer auf dem Nürnberger St. Johannisfriedhof begraben.

Jacopo de' Barbari

ca. 1460 - 1516

Jacopo de'Barbari: Der Physiker und Mathematiker Fra Luca Pacioli mit seinem Schüler Guidobaldo de Montefeltre, Herzog von Urbino, um 1496

Jacopo de'Barbari: Der Physiker und Mathematiker Fra Luca Pacioli mit seinem Schüler Guidobaldo de Montefeltre, Herzog von Urbino, um 1496

Die Bekanntschaft mit dem venezianischen Maler und Kupferstecher Jacopo de' Barbari ist für Dürers eigene Auseinandersetzung mit den Gesetzen der Malerei bereichernd. Barbari ist als Wanderkünstler in halb Europa unterwegs. Möglicherweise hat Dürer ihn auch schon in Venedig kennengelernt. Barbari eilt der Ruf voraus, er habe das Geheimnis der idealen Proportionen des menschlichen Körpers enträtselt und systematisch umgesetzt.

 

Jdoch ich so keinen find, der do etwas beschriben hett van menschlicher mas zw machen, dan einen man Jacobus genent, van venedig geporn, ein liblicher moler. Der wies mir man und weib, dy er aus der mas gemacht het.

... nam ich mein eygen ding für mych und las den Fitrufium.
(Brief an Pirckheimer, 1523)

 

Barbari zeigt Dürer seine Aktstudien, ein neues Sujet der Malerei in dieser Zeit, die er nach den Gesetzen der Proportionslehre gefertigt hat. Aber mehr auch nicht. Er erkärt ihm nicht wirklich, nach welchem Prinzip er seine Figuren proportioniert, seine mathematischen und kunsttheoretischen Erkenntnisse behält er lieber für sich. Soweit geht Barbaris Entgegenkommen nun doch nicht.



Dürer ist frustriert, weiß sich aber zu helfen: Er studiert die "Zehn Bücher über Architektur" des römischen Architekturtheoretikers Vitruvius, die in der Renaissance wieder fleißig gelesen werden. Dieser "Fitrufius" hat im 1. Jahrhundert vor Christi Geburt gelebt, das Wasserversorgungssystem Roms mit aufgebaut und in seinem dritten Buch genau beschrieben, wie man die Proportionen des menschlichen Körper mit Hife von geometrischen Grundformen wie Quadrat und Kreis abbilden kann.

Barbari wird zwischen 1460 und 1470 in Venedig geboren. Bis 1500 lebt er in seiner Geburtsstadt. 1496 malt ihn Luca Pacioli, Leonardo da Vincis Freund und Reisegeselle, als die beide sich in Venedig aufhalten. Nach 1500 arbeitet Barbari an verschiedenen Orten nördlich der Alpen als Hofkünstler - eine für die damalige Zeit neue Stellung. Im April 1500 erhält er die Bestallung zum Hofmaler - als "contrafeter und illuminist" - des späteren Kaisers Maximilian I. Das Amt tritt er in Nürnberg an. Vier Jahre bleibt er in der Stadt, dann zieht er weiter an den Hof Friedrichs III. von Sachsen und an den Hof des Mecklenburger Herzogs Heinrich V. und des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. 1510 reist er weiter in die Niederlande nach Mechelen (dt. Mecheln, franz. Malines), wo er zum Hofmaler der Erzherzogin Margarete berufen wird. Dort stirbt er 1516.

Hans Baldung Grien

1484/1485 - 1545

Hans Baldung Grien: Selbstbildnis, um 1502
Kunstmuseum Basel

Hans Baldung Grien: Selbstbildnis, um 1502
Kunstmuseum Basel

Man weiß wenig über Kindheit und Jugend von Hans Baldung, genannt Grien, der sich um 1502 mit einem keck aufgesetzten Hut selbst porträtiert. Bekannt ist nur, dass er als einziger deutscher Künstler seiner Zeit aus einer einflussreichen Gelehrtenfamilie stammt. 1503 tritt er in Dürers Werkstatt ein. Er gilt als sein talentiertester Zeitgenosse und Schüler. Seinen Spitznamen Grien bekommt er, weil er sich gerne in dieser Farbe kleidet. Vielleicht unterscheidet er sich dadurch auch von Dürers anderen Gesellen, die alle Hans heißen wie Schäufelein und Süß von Kulmbach. Wenn Dürer verreist ist, hat er in der Werkstatt das Sagen. Die Freundschaft zwischen Dürer und Baldung hält ein Leben lang. Als Dürer stirbt, erhält Baldung eines Locke seines Haares.

Der begabte Mann beherrscht alle damaligen Techniken der Kunst, von der Malerei auf Leinwand oder Glas, von Kupferstichen bis hin zu Holzschnitten. Er malt für alle, die ihn gut bezahlen - das sind Bischöfe ebenso wie gläubige Kaufleute, weltliche Potentaten ebenso wie Kunstliebhaber. Die einen bekommen ihr Andachtsbild und ihre Madonna in Öl, die anderen ihre Porträts und den einen oder anderen Akt. Die Krönung seines frühen Schaffens ist der Hochaltar für das Freiburger Münster (1512-17). Dafür erhält er die damals astronomische Summe von 600 Gulden, die er sich aber lieber als Leibrente auszahlen lässt. Manchmal nimmt er sich auch Bilder von Jan Cossaerts etwa oder von Lucas Cranach vor. Aber er malt sie nicht einfach ab - dazu ist er zu reflektiert. Er zitiert die Werke der anderen und macht so Kunst über die Kunst.

Hans Baldung Grien: Adam und Eva, um 1531
Museo Thyssen-Bornemisza Madrid

Hans Baldung Grien: Adam und Eva, um 1531
Museo Thyssen-Bornemisza Madrid

Aber nebenbei hat Hans Baldung Grien noch ein "Hobby", und da bildet er ab, was er am liebsten mag: den weiblichen Körper. Er hat den gewissen Blick und das Händchen, die Frau als Verführerin darzustellen. Ob er nun eine sündige Eva malt oder eine blutjunge Schönheit, die vom Tode bedroht ist, lasziv sind seine Damen allemal. Berühmt wird sein Gemälde "Adam und Eva". Sein Adam weiß ganz genau, was er tut. Und seine Eva weiß es auch.

Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1504
Städelmuseum Frankfurt am Main

Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1504
Städelmuseum Frankfurt am Main

Wenn man dagegen Dürers "Adam und Eva" betrachtet, erkennt man, wie weit Hans Baldung Grien in seiner Kunst gegangen ist. Dürers Adam und Eva bewegen sich frei und kokettieren ein wenig mit der Versuchung, mehr aber auch nicht. Sie verbleiben im Zustand der Unschuld.

Hans Baldung Grien: Zwei Hexen, 1523
Städelmuseum Frankfurt am Main

Hans Baldung Grien: Zwei Hexen, 1523
Städelmuseum Frankfurt am Main

Hans Baldung Grien dagegen malt sündige Evas und frivole Hexen und macht den Betrachter zum lüsternen Voyeur. Er wagt sich als erster Künstler an ein Thema, das den Zeitgeist beherrscht und das ihm erlaubt, seine erotischen Fantasien unterzubringen: Die Darstellung von Hexen hat es ihm angetan. Sein beinahe augenzwinkerndes Bild "Die zwei Hexen" ist das früheste Werk zum Thema.

Und was packt er da alles in seine Bilder rein: rauschhafte Lust, schwarze Magie, Erotik, käufliche Liebe, männliche Gewalt, den Tod, aber auch den Versuch, den Gesetzmäßigkeiten körperlicher Schönheit auf die Schliche zu kommen. Und er kommentiert in leicht ironischer Weise darin auch die kunsttheoretischen Lehren seines Meisters Dürer. Sittsam sind seine weiblichen Gestalten wahrhaftig nicht. Den einen oder anderen seiner Zeitgenossen mag er damit aufs Höchste erfreuen, denn einige seiner Werke sind auf höchstem künstlerischen Niveau pornographisch.

Baldung verlässt Dürers Werkstatt um 1506, geht nach Halle, von dort nach Straßburg. Er heiratet die Kaufmannstochter Margarete Herlin und wird Mitglied der Zunft. Von 1512 bis 1517 lebt er in Freiburg. Er schafft den Hochaltar des dortigen Münsters und wird fürstlich belohnt. Zurück in Straßburg betreibt er - neben seiner Kunst und zusammen mit seiner Frau - Geld- und Immobiliengeschäfte. 1533 wird er zum Schöffen seiner Zunft. Kurz vor seinem Tode im Jahr 1545 wird er sogar zum Ratsherrn bestellt.

Apokalypse

1498

Albrecht Dürer: Die Offenbarung des Johannes: Die vier apokalyptischen Reiter, 1497/98
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Albrecht Dürer: Die Offenbarung des Johannes: Die vier apokalyptischen Reiter, 1497/98
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Mantegna hat Dürer die Inspiration geliefert zu seinem ersten großen umfangreichen Druckwerk, der Apokalypse. Sein beeindruckender Holzschnittzyklus über die Offenbarung des Johannes erscheint 1498 in einer deutschen und einer lateinischen Ausgabe. Einen Auftraggeber hat der 27-Jährige nicht für dieses detailreiche Werk.

Doch Dürer greift auf, was in der Luft liegt, er trifft mit der "Apokalypse" das Empfinden seiner Zeitgenossen: Die Welt ist im Übergang von Mittelalter zu Renaissance begriffen, Werte zerfallen, neue entstehen. Was die einen als erfreulich willkommen heißen, verängstigt die anderen. Düstere Prophezeiungen sind an allen Ecken zu hören. Kometen, Sonnenfinsternisse, Erdbeben und die Türken vor Wien schaffen eine Endzeitstimmung. Immer wieder überziehen Pestepidemien ganz Europa und verweisen allzu deutlich auf die Endlichkeit des irdischen Seins. Sie werden als die Strafe Gottes ob der Sündhaftigkeit seiner Kinder empfunden und erlitten. Zudem kündigt sich die Reformation und damit die dramatischste sprituelle Umwälzung der Zeit an.

 

Gedrücket zu Nurnbergk durch Albrecht dürer maler nach Christi geburt .M.cccc. und darnach im xcviii. jar.
(Blatt 15v der Apokalypse)

 

Die Apokalypse wird ein riesiger Erfolg und verkauft sich hervorragend. 16 großformatige Blätter schafft Dürer. Der Text stammt aus der "Koberger-Bibel" von 1483, er wird mit den Lettern der Schedelschen Weltchronik gesetzt. Dürer weist sich selbst als Drucker aus; wahrscheinlich ist, dass sein Taufpate, der Drucker und Verleger Anton Koberger, ihm seine Hilfe angedeihen lässt.

Am berühmtesten wird das Blatt mit den vier apokalyptischen Reitern. Es gilt als eines von Dürers Meisterwerken; es vermittelt eine ungeheure Dynamik und Wucht. Mit unaufhaltsamer Gewalt stürmen die berittenen Rächer über die Lande, selbst ein Bischof und eine Bürgersfrau werden von der Hölle, einem Drachen, verschlungen. In das Zentrum des Holzschnitts hat Dürer den dritten Reiter auf dem schwarzen Pferd mit der Waage in der Hand gesetzt, ein Symbol für Teuerung und Hungersnot. Der Tod ist in Dürers Version kein Skelett, sondern ein bis auf die Knochen ausgehungerter alter Mann, dessen Blick keine Gnade kennt.

Albrecht Dürer: Das apokalyptische Weib (Die Babylonische Hure), Apokalypse, um 1496/97
Städelmuseum Frankfurt am Main

Albrecht Dürer: Das apokalyptische Weib (Die Babylonische Hure), Apokalypse, um 1496/97
Städelmuseum Frankfurt am Main

Für die "babylonische Hure" verwendet Dürer seine Skizze einer venezianischen Prostituierten, die auf einem siebenköpfigen Drachen reitet - und die als Beleg gilt, dass Dürer auf seiner ersten Italienreise bis nach Venedig kam.

Selbstporträts

1498 - 1499

Albrecht Dürer: Selbstbildnis mit Landschaft, 1498
Museo del Prado, Madrid
Bildinschrift:
1498 Das malt ich nach meiner gestalt. Ich war sex und zwanzig Jor alt. Albrecht Dürer

Albrecht Dürer: Selbstbildnis mit Landschaft, 1498
Museo del Prado, Madrid

Bildinschrift:
1498 Das malt ich nach meiner gestalt. Ich war sex und zwanzig Jor alt. Albrecht Dürer

Dürer malt 1498 in Nürnberg ein weiteres Selbstporträt. Er, ganz modebewusster Dandy aus der Burgstraße, bildet sich als eleganten Patrizier ab. Das mag für den ein oder anderen Zeitgenossen aus der Nürnberger Oberschicht ein Affront gewesen sein, denn Künstler gelten in dieser Zeit schlicht als Handwerker. Aber Dürer will seinen Rang klarmachen: aristokratisch, stolz, gelassen.

Seine Ringellöckchen fallen so gleichmäßig, dass sie an die Arbeit eines Goldschmiedes erinnern. Und das hat Dürer ja vom Vater gelernt. Die Mütze ist der neueste Schrei auf dem Modemarkt. Seine Haltung ist die eines selbstbewussten jungen Mannes. Die hat er sich bei den neuesten Ansätzen venezianischer Porträtkunst abgeguckt. Die Landschaft in rechten Hintergrund erinnert an die Alpen.

Als Dürer das Bild malt, läuft kein Mensch mit Bart und langen Haaren herum. Damit handelt er sich nicht nur den Spitznamen "barbatus" - "der Bärtige" ein, seine Freunde unken: "Schnabelbart", so titulieren sie Dürers Bart, der "gleich Eberzähnen von ihm absteht". Doch Dürer wird zum modischen Trendsetter. Je weiter das 16. Jahrhundert voranschreitet, desto mehr Männer lassen sich die Bärte stehen, darunter solche Kaliber wie Raffael, Vasari und Cellini. Der Bart wird ein "Must".

Albrecht Dürer: Porträt der Elsbeth Tucher, 1499
Museum Schloss Wilhelmshöhe, Kassel

Albrecht Dürer: Porträt der Elsbeth Tucher, 1499
Museum Schloss Wilhelmshöhe, Kassel

Das Selbstporträt hat aber noch einen anderen Zweck als die Selbstdarstellung. Dürer macht damit Reklame, das Gemälde ist ein Aushängeschild für sein Können. Und natürlich zieht das Werk die Kundschaft an. Dürer erhält eine ganze Reihe von Aufträgen. So entstehen unter anderem die berühmten Porträts der Familie Tucher. Das der Elsbeth Tucher ist das bekannteste, ziert die Nürnberger Patrizierin doch ab 1961 den Zwanzig-Mark-Schein der Bundesrepublik Deutschland. Und auch sie sitzt vor einer Alpenlandschaft.

Albrecht Dürer: Selbstbildnis im Pelzrock, 1500
Alte Pinakothek, München
Bildinschrift:
Albertus Durerus Noricus / ipsum me propriis sic effin- / gebam coloribus aetatis / anno XXVIII
(Albrecht Dürer aus Nürnberg, ich habe so im Alter von 28 Jahren mein Bildnis in den mich kennzeichnenden Farben geschaffen)

Albrecht Dürer: Selbstbildnis im Pelzrock, 1500
Alte Pinakothek, München

Bildinschrift:
Albertus Durerus Noricus / ipsum me propriis sic effin- / gebam coloribus aetatis / anno XXVIII
(Albrecht Dürer aus Nürnberg, ich habe so im Alter von 28 Jahren mein Bildnis in den mich kennzeichnenden Farben geschaffen)

Zwei Jahre später malt er sein berühmtestes Selbstbildnis, das im Pelzrock, auf dem er sich nicht in der Dreiviertelansicht abbildet, sondern frontal. Diese Pose ist bis dato Königen und Christus vorbehalten. Dürer riskiert also etwas mit diesem Gemälde. Der Kragen aus Marderpelz ist sorgfältig ausgeführt, Dürers Hand weist auf ihn hin. Auch hier maßt er sich einen Mantel an, den in seiner pelzverbrämten Ausführung laut Kleiderordnung der Zeit nur der Adel oder das ratsfähige, das heißt für den Rat der Stadt wählbare Patriziat tragen dürfen.

Experten mutmaßen, dass Dürer das Datum nicht ganz exakt angibt und das Bild erst um 1509 entsteht, als Dürer die Ratsfähigkeit in Nürnberg erhält. Doch das Rebellentum, das in diesem Porträt zum Ausdruck kommt, passt einfach zu gut zu dem angehenden Star der Renaissance.

Durchbruch

1505 - 1507

Welche Route Dürer bei seiner zweiten Italienreise über die Alpen nimmt, ob über Innsbruck oder Salzburg, ist nicht bekannt. Auch bei seinem zweiten Aufenthalt in Venedig quartiert er sich im "Deutschen Haus" ein. Seine Malerkollegen bereiten ihm einen kühlen Empfang. Das ändert sich erst, als er im Auftrag der deutschen Handelsgilde in Venedig das Gemälde "Das Rosenkranzfest" schafft. Mit diesem Bild wird Dürer berühmt.

Dürer bleibt mehr als ein Jahr, doch auch diese Zeit geht zu Ende. Traurig, sehnsuchtsvoll verlässt er den Ort, wo er so viel Wertschätzung wie nie zuvor erfahren hat. Dass er nach Bologna reist, ist gesichert. Unklar ist, ob er auch einen Abstecher nach Florenz oder gar nach Rom unternimmt. Manche Indizien sprechen dafür. Belege gibt es nicht.

Im Frühjahr 1507 kehrt Dürer wieder nach Nürnberg zurück.

Venedig

1505 - 1507

Albrecht Dürer: Bildnis eines jungen Mannes, 1506
Musei di Strada Nuova, Genua

Albrecht Dürer: Bildnis eines jungen Mannes, 1506
Musei di Strada Nuova, Genua

Zum zweiten Mal kommt Dürer in seinem Sehnsuchtsort Venedig an, dieser Metropole der Renaissance, die rund 175.000 Einwohner sowie angeblich 11.000 Huren und Kurtisanen zählt. Alle haben es ihm angetan. In seinen zum Teil sehr offenherzigen Briefen an Freund Pirckheimer schwärmt er von den schönen jungen Landsknechten, die den Rialto bevölkern, und die dem nach Sex hungernden Mann zu gefallen scheinen. Gleichzeitig hat er Angst, sich diese neue Krankheit aus Amerika bei den Prostituierten zu holen - die Syphilis, die 1493 erstmals in spanischen Hafenstädten aufgetreten ist und sich rasant über Europa ausgebreitet hat. Dürer schreibt an Prickheimer, er solle einen Geistlichen für ihn beten lassen, damit er sich nicht ansteckt.

Zu Beginn seines Aufenthalts hat Dürer oft nicht genügend Geld zur Hand und oft genug beschwert er sich über die Preise für die Dinge, die zu besorgen ihm sein Freund Pirckheimer aufgetragen hat: Da geht es um Smaragde, die in Nürnberg verboten sind und nur geschmuggelt werden können, um Kranichfedern, mit denen Hüte aufgeputzt werden sollen, oder um Orientteppiche, die in Venedig günstiger sind als in Nürnberg. Erst später wird er sich viele neue Kleidungsstücke kaufen können und sogar Tanzstunden nehmen.

Dürer muss um Anerkennung kämpfen, er erfährt zunächst nur Ablehnung. Außer dem schon betagten Giovanni Bellini lassen die meisten venezianischen Maler den Kollegen aus dem Norden abblitzen und wollen nichts mit ihm zu tun haben. Unmodern sei er und mit Farben könne er sowieso nicht umgehen. Wittern sie die Konkurrenz? Vielleicht, denn Dürer wird vor Giftanschlägen gewarnt. Das ist für den begeisterten Verehrer der Stadt ein herber Empfang.

Albrecht Dürer: Das Rosenkranzfest, 1506
Nationalgalerie Prag

Albrecht Dürer: Das Rosenkranzfest, 1506
Nationalgalerie Prag

 

Jtz spricht jeder man, sy haben schoner Farben nie gesehen.
Brief vom 23. September 1506 an Willibald Pirckheimer

 

Die ablehnende Haltung seiner Malerkollegen ändert sich erst, als sie das Altargemälde "Das Rosenkranzfest" sehen, mit dem die deutsche Kaufmannsgilde von Venedig Dürer beauftragt hat. Mit diesem Bild, in dem er die italienische Farbgebung mit seiner detailreichen Zeichenkunst verbindet, wird Dürer berühmt. So berühmt, dass seine Druckgrafiken kopiert werden und er vermutlich den ersten Urheberrechtsprozess der Kunstgeschichte führt. Der Doge und die venezianischen Patrizier stehen begeistert vor dem Altarbild. Sie machen Dürer sogar das lukrative Angebot von 200 Dukaten Jahresgehalt, um ihn in der Stadt zu halten. Dürer lehnt ab.

Albrecht Dürer: Brustbild einer jungen Venezianerin, 1505
Kunsthistorisches Museum, Wien

Albrecht Dürer: Brustbild einer jungen Venezianerin, 1505
Kunsthistorisches Museum, Wien

Dürer ist produktiv in seiner Zeit in Venedig, mehrere wichtige Gemälde wie die "Venezianerin", Zeichnungen und Grafiken fertigt er. Eigentlich will er gar nicht mehr zurück in das kalte Nürnberg. Als Pirckheimer ihm in einem Brief augenzwinkernd droht, mit Agnes ins Bett zu gehen, wenn er nicht bald nach Hause kommt, erhält er postwendend eine überraschende Antwort: Nur zu, schreibt Dürer seinem Freund sinngemäß, wenn er ihm dann hinterher sagen könne, was er, Dürer, anstellen müsse, damit Agnes auch Spaß am Sex habe.

 

Oh, wie wird mich nach der Sunnen frieren, hie bin ich ein herr, doheim ein Schmarotzer!
Brief an Pirckheimer, Oktober 1506

 

Doch die Zeit in Venedig geht zu Ende. Traurig, sehnsuchtsvoll verlässt Dürer den Ort, wo er so viel Wertschätzung wie nie zuvor erfahren hat. Dass er nach Bologna reist, ist gesichert. Unklar ist, ob er auch einen Abstecher nach Florenz unternimmt, wo Leonardo da Vinci gerade an der "Mona Lisa" arbeitet und wo sich zu dieser Zeit auch auch eine andere Größe der italienischen Renaissance aufhält: Raffael. Die beiden unterhalten später einen regen Schriftwechsel und tauschen per Post ihre Grafiken aus. Vielleicht kommt Dürer auch bis Rom. Manche Indizien sprechen dafür. Belege gibt es nicht.

Die Venezianerin

1505 - 1507

Albrecht Dürer: Bildnis  einer jungen Venezianerin, 1505
Kunsthistorisches Museum Wien

Albrecht Dürer: Bildnis einer jungen Venezianerin, 1505
Kunsthistorisches Museum Wien

In Venedig entstehen eine Reihe von Gemälden. Die "Madonna mit dem Zeisig" etwa oder das "Bildnis eines jungen Mannes" malt Dürer in dieser Zeit. Sein schönstes Werk ist das "Brustbild einer jungen Venezianerin", für das wahrscheinlich eine Prostituierte Modell sitzt. Diese junge Dame hat ab 1963 die Vorderseite des Fünf-DM-Scheins geziert.

Es ist Dürers erstes Porträt nach venezianischem Vorbild: wenig Schultern, wenig Brust, keine Arme, nur das Gesicht. Die Frisur mit den seitlichen Locken und dem im Nacken hochgesteckten Haar entspricht der damaligen Haarmode in Venedig.

Rosenkranzfest

1505 - 1507

Albrecht Dürer: Das Rosenkranzfest, 1506
Nationalgalerie Prag

Albrecht Dürer: Das Rosenkranzfest, 1506
Nationalgalerie Prag

Die deutsche Kaufmannsgilde von Venedig beauftragt Dürer mit einem Altargemälde für ihre Pfarrkirche San Bartolomeo beim Fondaco dei Tedeschi in der Nähe des Rialto. Es soll eine ideale Versammlung der Rosenkranzbruderschaft darstellen. Aus dem Ideal wird nichts, denn Dürer wäre nicht Dürer, wenn er dabei nicht ein paar Konventionen über den Haufen würfe. Er hätte dem auf der linken Seite des Gemäldes knienden Papst die Gesichtszüge von Papst Julius II. (Giuliano della Rovere) verleihen sollen. Tut er aber nicht, weil Julius II. gerade mit Venedig verfeindet ist. Maximilian I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, bildet er selbstverständlich ab. Der bei diesem "Gipfeltreffen" in der Mitte thronenden Maria malt er indes eine echt wirkende Fliege aufs Knie, die heute durch Beschädigungen nicht mehr zu sehen ist. Den Laute spielenden Engel zu Füßen der Muttergottes malt er in der Manier seines alten Freundes Bellini.

 

Jtz spricht jeder man, sy haben schoner Farben nie gesehen.
Brief vom 23. September 1506 an Pirckheimer

 

Stolz schreibt er seinem Freund Pirckheimer, dass er trotz einer Unterbrechung wegen einer Krankheit das Bild in nur fünf Monaten fertig gestellt habe. Er hält sein Werk für außerordentlich gelungen, es sei das beste Marienbild im ganzen Lande. Er verewigt sich am rechten Bildrand. Da hält er ein Blatt Papier in der Hand, auf dem steht: "Exegit quinque mestri / spatio Albertus / Durer Germanus MDVI / AD" (Ausgeführt in einem Zeitraum von fünf Monaten von Albrecht Dürer, dem Deutschen, 1506, AD)

Der Prozess

1505 - 1507

Mit dem "Rosenkranzfest" wird Dürer für seine venezianischen Malerkollegen beinahe zum Vorbild und zum Inbegriff allerhöchsten Künstlertums. Für einen ganz gewiss: für den Kupferstecher Marcantonio Raimondi aus Bologna (ca. 1480 - 1530). Der kopiert unverfroren rund 80 von Dürers Grafiken und fälscht auch noch sein AD-Monogramm. Vermutlich zerrt Dürer ihn vor Gericht und führt den ersten Urheberrechtsprozess der Geschichte. Raimondi wird verurteilt, allerdings nur wegen der widerrechtlichen Benutzung von Dürers Signatur. Das Kopieren der Holzschnitte selbst wird nicht geahndet.

Marcantonio Raimondi: Urteil des Paris (nach Raffael), um 1515/16
Staatsgalerie Stuttgart

Marcantonio Raimondi: Urteil des Paris (nach Raffael), um 1515/16
Staatsgalerie Stuttgart

Das Gerichtsurteil schadet Raimondi nichts. Später, ab 1510, wird er in Rom einer der engsten Mitarbeiter von Raffael. Zunächst reproduziert er Raffaels Gemälde "Dido" zur höchsten Zufriedenheit des großen Künstlers. Bald arbeitet Raimondi ausschließlich für Raffael. Gemälde, Zeichnungen und Kartons des Meisters kopiert er als Kupferstiche. Damit kann Raffael Werbung für seine Werke machen und neue Auftraggeber, auch jenseits der Alpen, gewinnen. Einige von Raffaels originalen Werke sind zerstört oder verschollen. Man kennt sie nur noch durch Raimondis Kupferstich-Kopien.

Bologna

1505 - 1507

Lucas Cranach der Ältere: Bildnis des Christoph Scheurl im Alter von 28 Jahren,  1509
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Lucas Cranach der Ältere: Bildnis des Christoph Scheurl im Alter von 28 Jahren, 1509
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Es gilt als sicher, dass Dürer auf seiner Rückreise nach Bologna gekommen ist. Er reitet dahin, "um kunst willen in heimlicher perspetiva dy mich einer lernen will", schreibt er an Pirckheimer. Er verrät nicht, wer das ist. Ob er diese Person wirklich kennenlernt, ist nicht sicher. Möglicherweise will er auch einen Abstecher nach Mantua machen, um Andrea Mantegna zu treffen. Doch der große italienische Renaissancekünstler ist einen Monat zuvor, am 13. September 1506, gestorben.

Dürer trifft in Bologna den Nürnberger Kaufmannsohn und Nachbarn aus der Burgstraße, Christoph Scheurl, der an der dortigen Universität kurz vor seiner Promotion zum Doktor des kanonischen und weltlichen Rechts steht. Zum anderen wird er auch in dieser Stadt nach seinem künstlerischen Erfolg in Venedig hofiert, wie Scheurl später bestätigt.

Zur gleichen Zeit hält sich auch Michelangelo in der Stadt auf. Möglicherweise lernen sich die beiden kennen. Später, auf seiner Reise in die Niederlande, wird Dürer in Brügge Michelangelos "Madonna mit dem Kind" bewundern.

Florenz/Rom

1505 - 1507

Die Forschung ist sich nicht einig: Macht Dürer von Venedig aus einen Abstecher nach Florenz, um Leonardo da Vinci und Raffael - der gerade dort weilt, bevor er 1508 nach Rom übersiedelt - kennenzulernen? Kommt er möglicherweise sogar bis nach Rom? Es gibt keine Beweise, aber einige Indizien.

Ein Hinweis, dass Dürer Florenz besucht und Raffael tatsächlich kennenlernt, ist: Die beiden Künstler beginnen nach Dürers Italienaufenthalt einen regen Briefwechsel. Per Post schicken sie sich gegenseitig Drucke, um einander zu beschenken und gleichzeitig über den Stand ihrer Kunst auf dem Laufenden zu halten.

Albrecht Dürer: Christus unter den Schriftgelehrten, 1506
Museum Thyssen Bornemisza, Madrid

Albrecht Dürer: Christus unter den Schriftgelehrten, 1506
Museum Thyssen Bornemisza, Madrid

Einen Hinweis, dass Dürer in Florenz Station macht und dann weiter nach Rom reist, gibt das Gemälde "Christus unter den Schriftgelehrten". In diesem Bild sind Einflüsse von Mantegna und Bellini zu erkennen ebenso wie Inspirationen durch die "grotesken Köpfe" des Florentiner Künstlers Leonardo.

Einen noch deutlicheren Hinweis auf Rom scheint das Gemälde selbst zu geben. 1958 wird das Original gereinigt und eine zusätzliche Beschriftung entdeckt: "F[ecit] ROMA[e], also: "zu Rom gemacht". Diese findet man auch 1959 in einer Nachzeichnung. Merkwürdigerweise kann man aber heute die Beschriftung auf dem Original nicht mehr sehen.

Ein weiterer Hinweis ist ein Brief Dürers vom 28. August 1506: Er wolle, schreibt er, wenn der König nach Italien käme, mit nach Rom reisen. Aber Maximilian I. entscheidet sich gegen den Römerzug. Dürer selbst lässt offen, wie er sich daraufhin entscheidet. Und so bleibt auch offen, ob Dürer Florenz und Rom besucht hat.

Anerkennung

1507 - 1509

Albrecht Dürer: Marter der zehntausend Christen, 1508
Kunsthistorisches Museum, Wien

Albrecht Dürer: Marter der zehntausend Christen, 1508
Kunsthistorisches Museum, Wien

Im Frühjahr 1507 kommt Dürer nach Nürnberg zurück. Er vermisst die schöne, warme Sonne Italiens, doch der Alltag hat ihn bald wieder. Gleich erhält er einen wichtigen Auftrag von Friedrich dem Weisen für dessen Reliquiensammlung in der Schlosskirche Wittenberg. Der sächsische Kurfürst ist einer seiner wichtigsten Mäzene von hohem Adel. Dürer soll ein Thema bearbeiten, das er schon einmal 1496/97 in einem Holzschnitt aufgegeriffen hat: die "Marter der Zehntausend Christen". Man weiß nicht, auf welches historische Ereignis sich die Legende wirklich bezieht - sei es auf das Gemetzel, das Hadrian um das Jahr 140 unter seinen ehemals Verbündeten angerichtet hat, nachdem diese zum christlichen Glauben übergegangen sind, oder auf ein anderes Ereignis der Christenverfolgung.

Dürer malt sich mitten in das Gewimmel aus verrenkten, schmerzverzerrten, leidenden Gestalten - als Beobachter aus einer anderen Zeit, zusammen, so vermutet man, mit dem Humanisten und Dichter Conrad Celtis, der einst Elogen auf Dürer geschrieben hat. Dürer hält ein Papier, ein Pergament in der Hand mit seinem Monogramm und der Aufschrift "Iste faciebat an(n)o domini 1508 albert(us) dürer aleman(us)" (Das hat im Jahre des Herrn 1508 Albertus Dürer, der Deutsche, gemacht).

Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1507
Museo del Prado, Madrid

Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1507
Museo del Prado, Madrid

In dieser Zeit produziert er etliche Holzschnitte und Kupferstiche zu den unterschiedlichsten Themen der Bibel. Zudem wendet er sich mit "Adam und Eva" auch wieder seinen "nackerten Bildern" zu. Seine beiden biblischen Gestalten sind von himmlischer, von idealer Schönheit, entsprechen sie doch den Gesetzen der Proportionslehre. Er malt sie sinnlicher als in dem berühmten Kupferstich von 1504. In diesen Gemälden ist der Sündenfall noch weit weg, Adam und Eva wissen noch nicht, dass sie bald großes Leid erfahren werden. Sie genießen den paradiesischen Zustand der Unschuld, denn Adam hat sich noch nicht entschieden.

 

Wisset daß ich in 14 tagen fertig werde mit hertzogs Friedrich arbeit. Nachvolgent will ich euer arbeit anfangen zu machen.
Brief an Heller

 

Ebenfalls 1507 kommt aus Frankfurt der andere große Auftrag: Jakob Heller will für sich und seine Frau Katharina eine Grablege in der Dominikanerkirche errichten lassen. Der reiche Patrizier verpflichtet Dürer für den dazugehörigen Altar. Doch bevor Dürer damit beginnt, muss er zunächst das Gemälde für den sächsischen Kurfürsten fertigstellen. Die Vorbereitungsarbeiten für den sogenannten Heller-Altar und die Fertigstellung, in die alle Mitarbeiter seiner Werkstatt eingespannt sind, ziehen sich über zwei Jahre hinweg. 1509 liefert er sein Werk nach Frankfurt.

Geschäftsmann

1507 - 1509

1507 erhält Dürer einen wichtigen Auftrag aus Frankfurt am Main. Der Kaufmann Jakob Heller beauftragt ihn mit der Gestaltung eines Altars für seine Grablege im Dominikanerkloster. Möglicherweise bereut Heller, dass er Dürer mit diesen umfangreichen Arbeiten betraut hat, denn er lernt Dürer als entschlossenen Feilscher kennen.

Der Heller-Altar

1507 - 1509

Albrecht Dürer: Heller-Altar, 1507–1509
(Rekonstruktion)
Historisches Museum Frankfurt am Main

Albrecht Dürer: Heller-Altar, 1507–1509
(Rekonstruktion)
Historisches Museum Frankfurt am Main

Der Frankfurter Kaufmann Jakob Heller möchte seinen Rang in der Stadt mit einer kunstvollen Grablege für sich und seine Frau Katharina Melem (gest. 1518) in der Dominikanerkirche bekunden. Heller ist reich, einer der vermögendsten Männer der Freien Reichs- und Messestadt. Er ist Ratsmitglied und bestimmt somit die politischen Geschicke der Stadt mit. Sein Geld verdient er mit Geld- und Warengeschäften, er verfügt über wichtige Beziehungen, etwa nach Nürnberg, Köln und Venedig. Ihm gehört der "Nürnberger Hof", das Messezentrum der Nürnberger Geld- und Warenhändler in Frankfurt. Einflussreiche Persönlichkeiten übernachten hier; der berühmteste Gast ist Kaiser Maximilian I.

Albrecht Dürer, Heller-Altar, 1507-1509
Der Stifter des Heller-Altars, Jakob Heller, auf dem unteren linken Innenflügel
Historisches Museum Frankfurt am Main

Albrecht Dürer, Heller-Altar, 1507-1509
Der Stifter des Heller-Altars, Jakob Heller, auf dem unteren linken Innenflügel
Historisches Museum Frankfurt am Main

 

Städel-Direktor Max Hollein über die "Füße eines knienden Apostels"

 

Dürer erhält den Auftrag im Jahr 1507. Bis 1509 arbeiten er und seinen Gesellen in der Nürnberger Werkstatt an der Mitteltafel des Triptychons, den Innenflügeln sowie dem linken und rechten ersten Außenflügel. Und wieder malt sich Dürer in das Bild samt Inschrifttafel mit Monogramm und Datum der Ablieferung. Mit den vier Tafeln für den linken und rechten zweiten Außenflügel beauftragt Heller Mathis Grünewald, den Schöpfer des Isenheimer Altars. Grünewald bringt diese Arbeiten um 1511 zu Ende.

Albrecht Dürer: Hände eines Apostels, 1508
Albertina Wien

Albrecht Dürer: Hände eines Apostels, 1508
Albertina Wien

Albrecht Dürer: Studie für den Helleraltar - Füße eines knienden Apostels, 1508
Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam

Albrecht Dürer: Studie für den Helleraltar - Füße eines knienden Apostels, 1508
Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam

 

[…] vnd sonderlich will ich euch das mitler blat mit meiner aignen hand fleisig mallen. Aber nichts desto minder seind die fliegel auß wendig entworffen, […]
Brief an Jakob Heller, Nürnberg, 19. März 1508

 

Dürer bereitet diesen Auftrag sorgfältig vor in unzähligen Studien, von denen 18 erhalten sind - etwa Dürers berühmte betenden Hände (es sind seine eigenen, die er abzeichnet) oder die Füße des knienden Apostels. Aus Venedig hat er noch einige Bogen farbiges Papier. Die braucht er auf, weitere Skizzen zeichnet er auf die in Nürnberg üblichen grüngrauen Blätter.

 

Den ich hob, so ich euer mainung [Wunsch] verstehen wirdt, etlich 4 oder 5 und 6 mahl zu vermalen, von rainigkeit und bestendigkeit wegen, wie auch deß besten vltramarin daran mahlen, das ich zu wegen kan bringen.
Brief an Heller

 

Ebenso sorgfältig führt Dürer dann die Altarbilder aus. Bis zu sechs Schichten trägt er auf und verwendet nur bestes Material. Das geht zum einen ins Geld, also verhandelt er mit Heller wegen der gestiegenen Kosten. Zum anderen will er nicht, wie ein Handwerker, für einen festgesetzten Betrag arbeiten. Sein Lohn richtet sich nach seiner Begabung, seinem Ansehen, seiner Kunstfertigkeit, seiner Einzigartigkeit: "... wil ich noch etwaß machen, das nit viel leut khönnen machen", schreibt er an Heller.

Die Stifterin Katharina Heller, geb. von Melem, mit Wappen, auf dem unteren rechten Innenflügel
Historisches Museum Frankfurt am Main

Die Stifterin Katharina Heller, geb. von Melem, mit Wappen, auf dem unteren rechten Innenflügel
Historisches Museum Frankfurt am Main

 

Hab auch deßgleichen seithero vom Hanssen Im Hoff euer schreiben empfangen, darin ich billichen befrembdung nembe wegen meines vorigen breif. Den ihr zeugt mich, euch werde mein zusagen nit gehalten.
Brief von Heller an Dürer

 

Es kommt zum Eklat. Heller ist verärgert, dass Dürer den Preis hochtreibt. Er wirft ihm Vertragsbruch vor. Hans Imhoff, Nürnberger Kaufmann, Kunstmäzen, Freund und Bankier von Dürer, vermittelt. Zum Schluss setzt Dürer sich durch: Heller bezahlt 200 statt der zuvor vereinbarten 130 Gulden. Im Gegenzug verspricht Dürer, nach ein paar Jahren persönlich den Firniss zu erneuern.

 

Mich soll auch niemandt vermögen, ain taffel mit so viel arbeit mehr zu machen... Den gmaine gmäll will ich ain jahr ain hauffen machen, das niemandt glaubte, dass möglich were, das ain man thun möchte. An solchen mag man etwas gewinnen.

 

Der Heller-Altar ist eines der letzten großformatigen Gemälde, die Dürer selbst schafft. Es ist ihm zu viel Arbeit und das Entgeld lohnt nicht die Mühe. Er nimmt sich vor, richtig Geld zu machen mit seinen "gmaine gmäll", den Stichen. Die bringen wenigstens etwas ein. Spätere Altarbilder entwirft er zwar noch, aber die Ausmalarbeiten überlässt er Hans Baldung Grien, Hans Schäufelin und Hans Süß von Kulmbach.

Auf seiner Reise in die Niederlande im Jahr 1520 macht Dürer noch einmal Station in Frankfurt. Sicher schaut er sich seinen Heller-Altar an, der jetzt ergänzt ist mit den beiden Standflügeln von Mathis Grünewald. In seinem Reisetagebuch notiert er: "Auch schenket mir herr Jacob Heller den wein in die herberg". Das heißt, Heller hat Dürer das traditonelle Willkommensgetränk bringen lassen.

Hundert Jahre später, 1614, erwirbt Herzog Maximilian von Bayern die Mitteltafel für seine Kunstsammlung. Für den Altar in Frankfurt fertigt der Nürnberger Maler Jobst Harrich eine Kopie an. Zum Glück, denn das Original wird beim Brand der Münchner Residenz 1729 zerstört.

Hofmaler

1509 - 1520

Albrecht Dürer: Karl der Große (l.) und Kaiser Sigismund, um 1511/13
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Albrecht Dürer: Karl der Große (l.) und Kaiser Sigismund, um 1511/13
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Die Stadt Nürnberg ernennt Dürer 1509 zum Gesandten im "Großen Rat", der dem "kleinen" oder "inneren Rat" ohne Stimmberechtigung beratend zur Seite steht. Aber die Mitglieder des Großen Rats haben Einfluss. Sicher hat Dürer bei der Planung künstlerischer Projekte der Stadt etwas mitzureden. 1510 kommt auch schon der erste große städtische Auftrag: Dürer soll Halbporträts von Karl dem Großen und Kaiser Sigismund malen. Damit will die Kaiserstadt die Heiltumskammer im Schopperschen Haus am Markt schmücken, um die Reichsinsignien würdevoll präsentieren zu können. Dürer bereitet sich akribisch vor, zeichnet Details wie etwa das Reichsschwert oder den Handschuh. Er braucht Zeit, um die Gemälde fertigzustellen. Im Vergleich mit anderen Arbeiten geraten ihm die beiden Werke sehr zeremoniell: Da stehen zwei große Herrscher steif in mittelalterlicher Unbewegtheit da. Nur in den Augen findet sich ein wenig Leben.

Dürer wendet sich wieder den "gmaine gmäll" zu. Er ist unglaublich produktiv und veröffentlicht drei umfangreiche Holzschnittzyklen: zwischen 1509 und 1510 die "kleine Passion" mit 37 Blättern, 1510 die "große Passion" mit 11 Blättern und zwischen 1510 und 1511 das "Marienleben" mit 20 Blättern.

Albrecht Dürer: Jakob Fugger der Reiche, um 1518
Staatsgalerie in der Katharinenkirche, Augsburg

Albrecht Dürer: Jakob Fugger der Reiche, um 1518
Staatsgalerie in der Katharinenkirche, Augsburg

Dann ändert sich sein Leben entscheidend: Ist es Jakob Fugger oder Willibald Pirckheimer oder Kurfürst Friedrich der Weise, der Dürer mit Kaiser Maximilian I. um 1512 bekannt macht? Maximilian I. weiß um das Renommé, das ihm aus seinem Mäzenatentum entsteht. Er schart berühmte Künstler, Gelehrte und Humanisten um sich. Alle haben vorrangig eine Aufgabe - sie sollen der Selbstdarstellung des Kaisers dienen. Da treffen sich zwei Gleichgesinnte. Denn Dürer ist unter den Künstlern einer der fleißigsten Selbstdarsteller.

Albrecht Dürer: Kaiser Maximilian I., 1519
Kunsthistorisches Museum Wien

Albrecht Dürer: Kaiser Maximilian I., 1519
Kunsthistorisches Museum Wien

Als eine seiner ersten Handlungen stellt Maximilian I. eine Art Freibrief aus, mit dem Dürer - eingedenk seiner venezianischen Erfahrungen - seine Holzschnitte und Kupferstiche vor Nachahmung durch andere schützen lassen kann. Dann folgen Aufträge: ein Fechtbuch, für das Dürer 1512 auf 200 großformatigen Pergamentblättern Federzeichnungen mit Ringer- und Fechterszenen fertigt. Er illustriert die Ausgabe der "Hieroglyphen" von Horapollon, die Freund Willibald Pirckheimer übersetzt hat. Ein kaiserliches Gebetbuch schmückt er mit Randzeichnungen. Da fällt ihm Biblisches und Prosaisches ein: Wo er etwa darstellen soll, was alles auf der "Erde des Herrn wohnet", zeichnet er einen Indianer aus der Neuen Welt an den Rand. Das berührt die Nürnberger zutiefst, denn so viele von ihnen haben sich auf der Suche nach Gold auf den Weg nach Amerika gemacht.

In den folgenden Jahren arbeitet Dürer an einem gewaltigen Werk entscheidend mit: "Die Ehrenpforte Maximilians I.", der größte Holzschnitt aller Zeiten, und bei Teilen des "Großer Triumphwagens". Diese Arbeiten werden um 1515 fertig. Als Dank schreibt ihm Kaiser Maximilian I. eine jährliche Leibrechte von 100 Gulden aus.

Albrecht Dürer: Melencolia I, 1514
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau

Albrecht Dürer: Melencolia I, 1514
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau

 

Städel-Direktor Max Hollein über "Melencolia I (Die Melancholie)"

 

Wie immer findet der produktive Künstler Zeit für andere Werke, die seinen Ruhm um ein Weiteres wachsen lassen: "Ritter, Tod und Teufel" (1513) und "Der heilige Hieronymus im Gehäus" (1514). Ebenso herausragend ist der Kupferstich "Melencolia I" (1514), eines der erstaunlichsten Werke Dürers. Es steckt voller Symbolik und Allegorien, die bis heute nicht eindeutig enträtselt sind.

 

Davon hab ich solche Schmerzen gehabt, dass ich’s nit aussprechen kann. (Gedenkbuch Albrecht Dürers)

 

Am 16. Mai 1514 stirbt Dürers Mutter, die er kurz zuvor noch als sterbenskranken Menschen porträtiert hat. Er trauert sehr um sie. Der Verlust hindert ihn nicht, Neues auszuprobieren. Er wendet sich einer für ihn neuen Technik zu, die Eisenradierung. Ein weiterer großer Auftrag winkt: Der große Nürnberger Rathaussaal soll umgestaltet werden. Ein erstes Gutachten liegt im Sommer 1516 vor. Dürers Freund Willibald Pirckheimer erarbeitet das Konzept, er selbst beginnt erst nach seiner Reise in die Niederlande mit den Arbeiten vor Ort.

Immer intensiver beschäftigt sich Dürer mit seinen theoretischen Erkenntnissen zur Kunst. Die Früchte dieser Auseinandersetzungen mit Mathematik und Proportionen veröffentlicht er in seiner letzten Lebensphase. Er ist immer wieder unterwegs: Im Sommer 1518 reist er als Vertreter der Stadt Nürnberg zum Reichstag in Augsburg. Er nimmt die Gelegenheit war und porträtiert einige der hochrangigen Teilnehmer, unter anderen Jakob Fugger, den zu dieser Zeit bedeutendsten Kaufherr und Bankier Europas. Hier lernt er vermutlich auch Schriften Martin Luthers kennen, der, so notiert er, "mir aus großen engsten geholfen hat". 1519 reist er mit Freund Pirckheimer in die Schweiz. Zwei Jahre später bricht er zusammen mit seiner Frau Agnes in die Niederlande auf.

Verehrung

1520 - 1521

Von allen Reisen ist die Reise in die Niederlande am besten dokumentiert, denn Dürer führt Tagebuch. Am 12. Juli 1520 geht es in Nürnberg los. Bepackt mit seinem gesamten druckgrafischen Werk bricht Dürer mit seiner Frau und ihrer Magd Susanna auf. Sie reisen nicht alleine, sondern mit den Abgesandten der Stadt, die die Krönungsinsignien für die Krönung von Karl V. nach Aachen bringen sollen. Die Krönung wird aber verschoben, weil in der Stadt die Pest ausgebrochen ist. Dürer reist weiter in die Niederlande, ist kreuz und quer im Land unterwegs. Überall wird der große Meister mit offenen Armen empfangen. Ihm wird - fast überall "große Ehre" zuteil. Mehr als ein Jahr vergeht, bis er und Agnes wieder zurück in Nürnberg sind.

Antwerpen

1520 - 1521

Albrecht Dürer: Der Hafen von Antwerpen, 1520
Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Der Hafen von Antwerpen, 1520
Albertina, Wien

Am 2. August 1520 kommen Albrecht und Agnes Dürer mit Magd Susanna in Antwerpen an. Antwerpen ist eine Weltstadt des Handels, wichtiger als die Kaiserstadt Nürnberg und sogar als Venedig. Das liegt an der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492. Der Handel mit den neuen Kolonien läuft über Antwerpen und Lissabon. Im Hafen liegen unzählige Schiffe, die alle möglichen Kostbarkeiten aus dem neu entdeckten Kontinent in Antwerpen löschen.

 

Jtem Sebald Fischer hat mir zu Andorff ab kaufft 16 kleiner Passion pro 4 gulden. Mehr 32 groser Bücher pro 8 gulden. Mehr 6 gestochene Passion pro 3 gulden. Mehr 20 halb bogen aller Gattung gleich durch einander pro 1 gulden, der hat er für 3 gulden genommen. Mehr für ein orth und 5 gulden viertel bögenle, alleweg 45 pro 1 gulden. Für ein ort und 5 gulden der grosen pogen aller gattung, gleich 8 pogen pro 1 gulden. Jst zahlt.

 

Antwerpen wird zum zentralen Aufenthaltsort für Dürer. Hier lebt alles, was Rang und Namen hat. Gelehrte, Kaufleute, Malerkollegen, Amtsträger, Gildenvorsteher - wer kann, lädt den großen Meister aus Nürnberg ein, hilft ihm, kauft ihm seine Kunst ab und/oder lässt sich von ihm beschenken. Dürer vermerkt in seinem Tagebuch genauestens, geradezu pingelig, was er wem verkauft, was er wem schenkt, in welches Haus er mit oder ohne Frau eingeladen wird, was er von wem erhält. Der Antwerpener Magistrat reißt sich um den berühmtesten lebenden Künstler nördlich der Alpen. Er bietet Dürer ein Jahresgehalt von 300 Gulden, ein Haus und die Bezahlung aller seiner öffentlichen Arbeiten an. Aber Dürer will nicht, zu tief ist er in Nürnberg verwurzelt.

 

Mir hat der rentmeister geschenckt ein leinen kindsköppfel. Mehr ein calacu tisch hülczen wehr und der rörichten hölzer eines. Auch hat mir der Tomasin geschenckt ein geflochten Hut von holder kernen. (Tagebuch)

 

Mit dem "Jenoueser, mit namen den Tomasin Florianus Romanus", hat Dürer Freundschaft geschlossen, porträtiert ihn, seine Tochter und seine beiden Brüder Viencens und Gerhartus in Kohlezeichnungen. Dafür wird er oft zum Essen eingeladen und darf etliches mitnehmen. Sein Dankeschön an die Familie vermerkt Dürer auch: "Auch hab ich des Tomasins ein bruder geschenckt für 3 Gulden gestochener Kunst." Dafür erhält er: "Mehr hat mir des Tomasins Bruder geschenckt für 3 gulden gestochener Kunst ein paar handschuh." Die Freundschaft des Tomasin erstreckt sich auch auf Dürers Frau: "Item mein Weib und mein mägdlein haben einen tag in herr Tomasins hauß gessen. Das sind 4 mal."

 

Jtem unser Frauen kirchen zu Antorff ist übergroß, also das man viel ampt auf einmal darinnen singt, das keins das ander jrt. Und haben altar köstlich stifftung; do sind bestellt die besten musici, die man haben mag. Die kirch hat viel andechtiges gottes dienst und köstlich steinwerg und sonderlich einen hübschen thurn. (Tagebuch)

 

Neben den ganzen gesellschaftlichen Verpflichtungen, die Dürer in Trab halten, nimmt er sich die Zeit, die Stadt anzuschauen. Ihn beeindruckt die Liebfrauenkirche, die heutige Kathedrale von Antwerpen. Dabei gerät er nicht nur über die Kunst ins Schwärmen, sondern auch über das Bauwerk. Und er ist erstaunt, dass die besten Musiker dort Konzerte geben. Der Kirchturm ist kurz vor Dürers Ankunft fertig geworden, und für Dürer und seine Zeitgenossen ist er schlicht moderne Architektur.

 

Der soll höher sein dann der zu Straßburg. Darauff hab ich die ganze statt auf allen orten übersehen, das do fast lustig ist. (Tagebuch)

 

Dürer zahlt, damit er auf den Turm der Kathedrale steigen kann. Antwerpen brüstet sich damit, dass der Kirchturm ihrer Stadt höher ist als der Turm des Straßburger Münsters. Was nicht stimmt: Der Turm im Elsass ist 142 Meter hoch, der in Antwerpen "nur" 123 Meter. Dürer gibt dem "Orator" der Stadt eine Spende, während er der größten und reichsten Kaufleutezunft einen "siczenden St. Niclas verehret, do für haben sie mir geschenckt 3 Philips gulden."

Lakonisch beschreibt Dürer die Förderung der Künste durch den Rat der Stadt: "Vnd zu Antorff sparen sie kein kostung zu solchen Dingen, dan do ist gelds genug." (Tagebuch)

Wahrscheinlich wünscht er sich solch großzügiges städtisches Mäzenatentum auch für Nürnberg. Und für sich.

Akribie und Großzügigkeit

1520 - 1521

Dürer finanziert einen Großteil seiner Reise über Kunst, die er verkauft – nicht nur seine eigene, auch das ein oder andere Werk eines Kollegen, das er mitgebracht hat. Und er kauft Kunst, die ihm zusagt. Er notiert geradezu pingelig, was ihn das alles kostet, bis hin zu Pfennigbeträgen. Ganze Passagen drehen sich in seinem Tagebuch nur um Ausgaben und Einnahmen, wer ihm was gibt und was er wem gibt, was er einkauft, wie viel es kostet. Da erweist sich Dürer über Strecken hinweg schlicht als Buchhalter.

Manchmal begleicht er seine Essens- und Übernachtungskosten mit einem schnell gezeichneten Porträt des Wirtes und seiner Familie, manchmal muss er schon in seine Tasche greifen. Er kauft Lebensmittel, Kleidung, aber auch Holz und Salben.

Immer wieder beschenkt er die Menschen, denen er begegnet. Oft wird er dafür ebenfalls mit Geschenken bedacht, und sei es nur mit einem Schneckenhaus, mit Pflaumenmus oder einem Zuckerhut, einer Pfeife. Aber er bekommt auch eine "Zwiebel" – eine Tulpenzwiebel, damals eine Kostbarkeit. Er geizt nicht mit Trinkgeld für die Dienerschaft oder kleinen Geldbeträgen für die Kinder. Auch die wertvollen Geschenke vermerkt er, ebenso seine Spenden für Kirchen oder seinen Obulus für die Beichte.

Er kauft nicht nur Dinge ein, die er für seine Arbeit braucht, sondern auch das ein oder andere Souvenir. Dabei wird er gelegentlich geprellt, was ihn sehr ärgert. Er erwirbt sogar eine kleine Schildkröte. Er schaut sich alles genau an und gerät oftmals ins Schwärmen über Kunst und Architektur von Kirchen und Rathäusern, ist begeistert vom Musikleben, staunt aber auch über die Kunst des Deichbaus in Seeland.

Erasmus von Rotterdam

1520 - 1521

Albrecht Dürer: Erasmus von Rotterdam, 1520 (?)
Louvre, Paris

Albrecht Dürer: Erasmus von Rotterdam, 1520 (?)
Louvre, Paris

In Antwerpen trifft Dürer neben zahlungskräftigen Kaufleuten und Malerkollegen auch Erasmus von Rotterdam. Sie sind beinahe gleich alt, denn Erasmus wird zwischen 1466 und 1469 in Rotterdam geboren (er wird 1536 in Basel sterben). Dürer verehrt die Nummer Eins unter den Gelehrten des europäischen Humanismus und debattiert mit Freuden mit dem Theologen, Philosophen, Sprachwissenschaftler und Autor wegweisender Schriften, die den Grundstock zur Aufklärung legen.

 

Jten am freytag vor Pfingsten im 1521 Jahr kamen mir mehr geng Antorff, das man Marthin Luther so verrätherlich gefangen hett. […] Und lebt er noch oder haben si jn gemördert, das ich nit weiß. […] O Gott, ist Luther todt, wer wird uns hinfürt, das heilig evangelium so clar fürtragen! […] O ihr alle fromme christen menschen, helfft mir fleissig bewainen diesen gott geistigen menschen und ihn bitten, das er uns ein andern erleuchten mann send. O Erasme Roderadame, wo wiltu bleiben? […] Hör, du ritter Christj, reith hervor neben den herrn Christum, beschücz die wahrheit, erlang der matärer cron!
Aus dem Tagebuch der Reise in die Niederlande, 17.05.1521

 

Gewiss unterhalten sich die beiden auch über Martin Luther, den Dürer, obwohl Katholik, schätzt. Er kauft Schriften des Reformators. Als er von der vermeintlichen Ermordung Luthers erfährt (tatsächlich handelt es sich um die inszenierte Entführung Luthers auf die Wartburg), ist er entsetzt. Er fordert am 17.05.1521 in seinem Tagebuch Erasmus von Rotterdam auf, die Nachfolge Luthers anzutreten.



Da bittet er gerade den Richtigen, denn Erasmus lehnt Luther und seinen Protestantismus ab, obwohl er den abtrünnigen Theologen gegen die Verfolgung durch die katholische Kirche verteidigt. Doch Luthers Anschauungen sind für ihn nicht weniger dogmatisch wie Lehre und Machtgebaren der katholischen Kirche seiner Zeit. Der scharfsinnige Humanist hält nichts von jähem Umbruch. Erasmus glaubt an einen langfristigen Wandel. Stefan Zweig wird ihn Jahrhunderte später als "kommunikative Natur" bezeichnen. Bis zuletzt versucht Erasmus, in den aufkommenden Religionskriegen zwischen den Glaubensparteien zu vermitteln.

Albrecht Dürer: Erasmus von Rotterdam, 1526
Metropolitan Museum of Art, New York

Albrecht Dürer: Erasmus von Rotterdam, 1526
Metropolitan Museum of Art, New York

Einige Jahre nach seiner Reise in die Niederlande fertigt Dürer ein weiteres Porträt seines Freundes an. Es wird Dürers letzter Kupferstich sein. Er schafft das Werk auf Wunsch von Erasmus. Der muss ihm nicht Modell stehen, denn in Antwerpen hat Dürer etliche Zeichnungen von seinem Freund angefertigt. Dennoch beschreibt er leicht ironisch seine Unsicherheit, ob er Erasmus genau getroffen habe - und dies auch im übertragenen Sinne. Die Inschrift auf Lateinisch und Griechisch bedeutet: "Bildnis des Erasmus von Rotterdam von Albrecht Dürer nach dem Leben gezeichnet. Seine Schriften geben ein besseres Bild".

Erasmus ist von Dürer begeistert: "Was malt er nicht alles", schwärmt er. "Sogar das, was man nicht malen kann – sogar die Stimme selbst." Und noch 1528, in Dürers Todesjahr, schreibt er: "Was aber drückt Dürer [...] nicht alles in einfarbigen Darstellungen, also mit schwarzen Strichen aus?"

Jedenfalls bringt die Begegnung mit Erasmus in Antwerpen, wie eigentlich immer, wenn Dürer jemanden kennenlernt, den Austausch von kleinen und größeren Kostbarkeiten mit sich: "Mehr hat herr Erasmus geschenckt ein spanioleins mentelle und 3 conterfettisch man."

Hl. Hieronymus

1520 - 1521

Albrecht Dürer: Zeichnung eines 93-jährigen Greises, 1521
Wien, Albertina

Albrecht Dürer: Zeichnung eines 93-jährigen Greises, 1521
Wien, Albertina

 

Der Mann was alt 93 jor und noch gesunt und vermuglich [bei Kräften] zw antorff.
(Tagebuch)

 

In Antwerpen arbeitet Dürer an einem Gemälde des Heiligen Hieronymus. Als Grundlage dient ihm eine Skizze, die er auf seiner Reise von einem 93–jährigen Greis angefertigt hat. Aus dieser Handzeichnung entwickelt er die Figur des Hieronymus und verewigt ihn in dem Gemälde "Der heilige Hieronymus im Studierzimmer".

 

Städel-Direktor Max Hollein über "Der heilige Hieronymus im Studierzimmer"

 

Dieses Gemälde schlägt in den Niederlanden ein wie eine Bombe. Kein anderes seiner Bilder wird so oft kopiert. Die Menschen sind fasziniert von der tiefen Melancholie, die sein Heiliger ausstrahlt, denn Hieronymus meditiert über den Tod. Damit trifft Dürer nicht nur den Geschmack, vielmehr das Lebensgefühl seiner Zeit.

Joos van Cleve (1485–1540), Hl. Hieronymus, 1521
Private Collection, United Kingdom

Joos van Cleve (1485–1540), Hl. Hieronymus, 1521
Private Collection, United Kingdom

Dürer prägt einen Typus, der von vielen kopiert wird, etwa von Joos van Cleve (1485–1540). Gossaert wiederum lässt sich davon für seine berühmte Madonnendarstellung inspirieren.

 

Ich habe ein Hieronymus mit fleiß gemahlt von öllfarben und geschenckt dem Ruderigo von Portugal, der hat Susanna ein ducaten zu trinckgelt geben. (Tagebuch)

 

Dieses Hieronymus-Gemälde verschenkt Dürer an Rui Fernandes de Almada. Der ist die rechte Hand des Chefs der in Antwerpen ansässigen mächtigen portugiesischen Handelsherren und hat sich 1519 für kurze Zeit in Nürnberg aufgehalten. Als Gegengabe erhält Dürer von Rui sechs "jndianische groß nuß, gar sonden hübsche corallen und zwen portigales groß gulden, wiegt einer zehn ducaten." Dafür revanchiert er sich mit einem Trinkgeld für Ruis Sohn. Und Agnes wird stolze Besitzerin eines kleinen grünen Papageis.

Brüssel

1520 - 1521

Albrecht Dürer: Liegender Löwe, 1521
Kupferstichkabinett Berlin

Albrecht Dürer: Liegender Löwe, 1521
Kupferstichkabinett Berlin

Während eines Ausflugs nach Brüssel sieht Dürer im herzoglichen Tierpark den ersten lebendigen Löwen seines Lebens. In der Gräflich-Nassauischen Wunderkammer steht er staunend vor einem Meteoriten. Und er lernt etwas – nicht nur für ihn – wirklich Neuartiges kennen.

 

Auch hab jch gesehen die dieng, die man dem könig auß dem neuen gulden land hat gebracht: […] Diese ding sind alle köstlich gewesen, das man sie beschäczt vmb hundert tausent gulden werth. Und ich hab aber all mein lebtag nichts gesehen, das mein hercz also erfreuet hat als diese ding. (Tagebuch)

 

28 Jahre zuvor (1492) hat Kolumbus Amerika entdeckt, die Eroberung des neuen Kontinents ist im vollen Gange. Die weißen Konquistadoren langen zu: Hernan Cortes bringt Kaiser Karl V. "Geschenke" des mexikanischen Herrschers Moctezuma mit. Von denen hat sich der Aztekenhäuptling in Tenochtitlán nicht freiwillig getrennt, da hat Cortes mit viel Druck nachgeholfen. Es sind Schmuck und Waffen, Kultgegenstände, indianisches Wunderwerk.

Und die kann Dürer im Brüsseler Schloss bestaunen. Die Kunstfertigkeit, mit der diese Exponate hergestellt sind, verschlägt ihm den Atem. Und Dürer, geschäftstüchtig wie er ist, rechnet: Um jene "hundert tausent gulden" in den Händen halten zu können, müsste er 400 Altarbilder malen. Da muss er erst einmal schlucken.

Albrecht Dürer: Christian II., König von Dänemark, 1521

Albrecht Dürer: Christian II., König von Dänemark, 1521

In Brüssel wird Dürer von König Christian II. von Dänemark empfangen. Der ist so begeistert von Dürers Kunst, dass er sich von ihm malen lässt. Mehr noch: Der parkettsichere Dürer weiß den König auch durch seine Kunst der Unterhaltung einzunehmen. Und Christian II. revanchiert sich: Er lädt Dürer als persönlichen Gast zu einem Festessen ein, das er für seinen Schwager Kaiser Karl V. gibt.

Mechelen

1520 - 1521

Lucas Cranach d. Ä.: Erzherzogin Margarete von Österreich, um 1520/30
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau-Roßlau

Lucas Cranach d. Ä.: Erzherzogin Margarete von Österreich, um 1520/30
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau-Roßlau

Eine bittere Pille bekommt der an Erfolg gewöhnte Dürer in Mechelen zu schlucken. Da hat die Erzherzogin Margarete von Österreich ihren Sitz. Sie ist die Tochter von Dürers verstorbenem Förderer Maximilian I. und Tante von Kaiser Karl V. Margarete regiert die Niederlande an Kaisers Statt und hat bewirkt, dass der neue Kaiser die von Maximilian I. eingerichtete Leibrente an Dürer weiterhin zahlt. Dürer besucht sie am 6. Juni 1521. Margarete empfängt ihn zwar, aber lässt ihn im Grunde abblitzen: Er hat ihr ein Porträt ihres Vaters mitgebracht. Welches, ist nicht bekannt. Es gefällt nicht.

Dürers persönliches Desaster geht noch weiter: Er ist gekommen, um von Margarte das Skizzenbuch ihres 1516 gestorbenen Hofmalers und seines Freundes Jacopo de' Barbari zu erbitten. Er schenkt ihr dafür einen vollständigen Satz seiner druckgraphischen Arbeiten. Dafür würden andere alles geben. Nicht so Margarete. Sie nimmt die Arbeiten gerne entgegen, dazu noch zwei sehr kostbare Porträtzeichnungen ihrer selbst, das Skizzenbuch aber überlässt sie lieber ihrem neuen Hofmaler. Aber sie erlaubt Dürer huldvoll, ihre Kunstsammlung anzuschauen. Da sind veritable Schätze mit dabei - etwa hochrangige Gemälde von Jan van Eyck, Rogier van der Weyden und Juan des Flandes, bekannt als Johannes von Flandern. Vielleicht ist das für Dürer ein kleiner Trost.

Albrecht Dürer: Porträt eines Goldschmiedes aus Mechelen, 1520

Albrecht Dürer: Porträt eines Goldschmiedes aus Mechelen, 1520

Aus Mechelen stammt auch eine der erhaltenen Zeichnungen. Dürer porträtiert einen Goldschmied, den er dort kennengelernt hat.

Aachen

1520 - 1521

Nachdem die Pest in Aachen abgeflaut ist, wird der Termin für die Krönung Karls V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf den 23. Oktober 1520 festgesetzt. Dürer will sich die Feierlichkeiten nicht entgehen lassen und bricht am 4. Oktober in Antwerpen auf. Einen weiteren Grund hat er: Er will seine Leibrente vom neuen Kaiser bestätigt haben. Die behalten die Nürnberger Ratsherren seit Maximilians Tod ein, denn das Geld wird aus der Stadtkasse bezahlt, zu verrechnen mit den Steuern, die die Stadt an den Kaiser zahlen muss.

Albrecht Dürer, Das Aachener Rathaus, 1520,  British Museum, London

Albrecht Dürer, Das Aachener Rathaus, 1520, British Museum, London

So eine Krönung ist nicht einfach zu organisieren; sie läuft seit Jahrhunderten nach einem mehr oder weniger festgelegten Protokoll ab. Karl V. lagert mit seinem Gefolge - rund 5.000 Menschen sind das - vor den Toren der Stadt. Die Aufstellung des Festzugs zum Aachener Münster ist genau festgelegt. Einen Tag vor dem Krönungstermin erfolgt die "joyeuse entrée", der feierliche Einzug in die Stadt. Da reiht sich neben der hohen Geistlichkeit auch eine Menge gemeinen Volkes mit ein. Es wird also ein wenig chaotisch, die Festzugsordnung wird gesprengt.

Albrecht Dürer, Das Münster von Aachen, 1520,  British Museum, London

Albrecht Dürer, Das Münster von Aachen, 1520, British Museum, London

Am nächsten Morgen um sieben Uhr ist es dann soweit. Die Nürnberger Delegation soll die Reichsinsignien samt dem Schwert Karls des Großen und dem Krönungsornat in die Kirche schaffen. Aber da sind schon unzählige freche Aachener an den Wachen vorbeigeschlüpft und belagern das Innere des Doms. Kurzum: Die Nürnberger geben ihren kostbaren Besitz in die falschen Hände, alles verzögert sich. Das Chaos ist perfekt. Ob Karl V. wütend ist? Wer weiß. Zum Schluss klappt dann doch alles, Karl hat den Krönungsmantel an, Zepter, Reichsapfel und Schwert in der Hand und die Krone auf dem Kopf. Auf die Bestätigung als Kaiser durch den Papst allerdings muss er noch über sechs Jahre warten.

Dürer reist von Aachen in das von einer Feuersbrunst acht Jahre zuvor zerstörte Jülich. Danach macht er Station in Düren. Dort besichtigt er eine makaber anmutende Reliquie der Heiligen Anna, nämlich ein handtellergroßes Stück ihrer Hirnschale. Am 28. Oktober erreicht er Köln, sieht sich in der St. Ursula-Kirche um, geweiht jener legendären tugendhaften englischen Königstochter, die in Köln mitsamt ihrem Gefolge von 11.000 Jungfrauen von den Hunnen ermordet wurde. Auch seinem Vetter Niklas Dürer stattet er einen Besuch ab. Am 14. November bricht er auf, um über Düsseldorf und Duisburg und etlichen weiteren Stationen zurück in die Niederlande zu reisen. Am 22. November 1520 ist er wieder in Antwerpen.

Bergen-op-Zoom

1520 - 1521

Albrecht Dürer: Der neue Chor von St. Gertrudis in Bergen op Zoom, 1520/21
Städel Museum Frankfurt

Albrecht Dürer: Der neue Chor von St. Gertrudis in Bergen op Zoom, 1520/21
Städel Museum Frankfurt

Dürer ist ein durch und durch neugieriger Mensch und hat eine ausgemachte Schwäche für kuriose Dinge. In Antwerpen lässt er alles stehen und liegen, als er erfährt, dass in Zeeland, genauer in Zierikzee an der Schelde-Mündung, ein Wal gestrandet ist. Normalerweise, so hört er, brauchen die Küstenbewohner ein halbes Jahr, um das Tier auszuweiden und aus seinem Fett Lebertran herzustellen.

Dürer lässt seine Frau Agnes in Antwerpen zurück, die Nürnberger Sebastian und Alexander Imhoff, Georg Kötzler und Bernhard von Reesen begleiten ihn. Am 3. Dezember 1520 besteigt er ein Segelschiff. So schnell er auch aufbricht, unterwegs lässt er sich Zeit: Er macht Halt in Bergen-op-Zoom. Er packt seinen Silberstift aus und zeichnet den beeindruckenden Chor von St. Gertrudis, der gerade gebaut wird.

Albrecht Dürer: Agnes Dürer in niederländischer Tracht, 1521
Kupferstichkabinett, Berlin

Albrecht Dürer: Agnes Dürer in niederländischer Tracht, 1521
Kupferstichkabinett, Berlin

Bildinschrift:
Das hat albecht dürer noch seiner hawsfrawen Conterfet zw antorff jn der niderlendischen kleidung im jor 1521 do sy aneinander zw der e [Ehe] gehabt hetten XXVII jor.

Dürer geht auch einkaufen: drei paar Schuhe, einen Knopf aus Elfenbein, Augengläser für sich. Für Agnes erwirbt er das Kopftuch, mit dem er sie in später, an ihrem 27. Hochzeitstag, in niederländischer Tracht zeichnen wird.

Albrecht Dürer: Eine junge und alte Frau aus Bergen-op-Zoom, 1520
Musée Condé, Chantilly, Frankreich

Albrecht Dürer: Eine junge und alte Frau aus Bergen-op-Zoom, 1520
Musée Condé, Chantilly, Frankreich

Dazwischen lässt er seine Blicke schweifen. Eine der Silberstiftzeichnungen, die erhalten sind, zeigen eine junge und eine alte Frau, Bürgerinnen der Stadt.

Am 7. Dezember 1520 geht die Schiffsreise weiter. Zunächst macht die kleine Reisegruppe Halt in Goes auf der Insel Walcheren. Sie liegen nachts im Hafen und Dürer beklagt sich über Kälte, Hunger und Durst. Die Fahrt geht weiter, vorbei an einer weiteren Kuriosität für den neugierigen Nürnberger: an einem in diesem "verdronken land" untergegangenen Dorf, von dem nur noch die Dächer aus den Fluten der breiten Schelde-Mündung ragen. Der nächste Halt ist Arnemunden, wo es für Dürer lebensgefährlich wird.

Arnemunden

1520 - 1521

Albrecht Dürer: Kopf eines Walrosses, 1521
British Museum, London

Albrecht Dürer: Kopf eines Walrosses, 1521
British Museum, London

Bildinschrift:
Das dosig thyr van dem ich do das hawbt conterfett hab, ist gefange worden in der niderlendischen see und was XII ellen lang brawendisch mit für füssen.
(Tagebuch)

Unterwegs begegnet Dürer möglicherweise zum ersten Mal einem Walross. Datiert ist die Zeichnung zwar auf das Jahr 1521, aber er schreibt, er habe dieses Tier in der niederländischen See gesehen. Dürer übertreibt die Ausmaße, die dieses Tier haben soll, denn zwölf brabantische Ellen ergeben eine Länge von etwa 8,30 Metern, doch ausgewachsene Walrossmännchen werden nur rund 3,60 Meter lang.

Dann kommt Arnemunden, niederländisch Arnemuiden, in Sicht. Zu Dürers Zeiten ist Arnemunden ein Fischerdorf mit einem recht stattlichen Hafen.

 

Aber zu Armuynd, do ich anfuhr, do geschah mir ein großer unrath. Do wir am lande stissen und unser saihl anwurffen, da trüng ein grosser schiff neben uns so kräfftig, und was eben in aussteigen, das ich ihm gedräng jederman für mir ließ außsteigen, alßo das niemand dan jch, Görg Köczler, zweyn alte weiber und der schiffmann mit einen klainen buben jn schiff blieben. Als sich nun das ander schiff mit uns trung und ich noch also mit den genanden vf dem schiff waren und nit auß konten weichen, do zerriß das starcke saihl, und so kann in selben ein starcker sturmwind, der trieb unser schiff mit gewahlt hinter sich. Do schrien wir alle umb hülff, aber niemand wolt sich wagen. Da schlug uns der wind wieder in die see. Da raufft sich der schiffmann und schriehe, dan seine knecht weren al auß getretten, und das schiff war ungeladen. Do war angst und noth, dann der wind war groß und nit mehr dan 6 personen jnn schiff. Do sprach ich zum schiffmann, er solt ein hercz fahen und hoffnung zu gott haben und nachdächt, was zu than were. Sagte er, wenn er den klein segel kunst auffziehen, so wohlt wir… und versuchen, ob er wieder möchte anfahrn. Also halffen wir schwerlich aneinander und brachten lechst haln auff und fuhren wieder an. Un do die am landt sahen, die sich unser verwegen hetten, wie wir uns behulfen, so kamen sie uns zu hülff, und kammen zu land. (Tagebuch)

 

In Arnemunden wird es gefährlich für Dürer. Es passiert, als er und seine Reisegesellschaft im Hafen festmachen wollen. Dürer lässt den anderen beim Aussteigen den Vortritt. Ein großes Schiff, das neben seinem festgemacht hat, gerät ins Rollen. Das Seil von Dürers Schiff reißt, das Schiff samt der noch an Bord befindlichen Passagiere werden von einem aufkommenden Sturmwind wieder ins Meer getrieben. Die Passagiere, die schon von Bord gegangenen sind, und die Anwohner der Stadt müssen zuschauen.



An Bord sind nur noch sechs Menschen: Dürer, ein Nürnberger Freund, zwei alte Frauen, ein Kind und der Käpitän. Dieser ist vor Angst gelähmt, weil seine Bootshelfer schon an Land sind. Das einzige, wozu er noch fähig ist: Er rauft sich die Haare. Da greift Dürer ein, sagt ihm, er solle sich ein Herz fassen, Gott vertrauen, aber vor allem mal sagen, was zu tun sei. Das bringt den Kapitän aus seiner Starre, alle packen mit an, ein Segel zu setzen. Mit vereinter Kraft gelingt es ihnen, das Schiff wieder in den Hafen zu bringen.



Dieses Ereignis hält Dürer in seinem Tagebuch fest und da dieser Eintrag einer der ausführlichsten ist, in dem keine Geldbeträge vorkommen, präsentieren wir ihn in voller Länge.



"Von dannen fuhr ich nach Middelburg", schreibt Dürer in sein Tagebuch, die nächste Station auf der Suche nach dem gestrandeten Wal.

Middelburg

1520 - 1521

Jan Mabuse (auch Jan Gossaert, 1478-1532): Selbstbildnis, um 1515
Currier Museum of Art, Manchester, New Hampshire, USA

Jan Mabuse (auch Jan Gossaert, 1478-1532): Selbstbildnis, um 1515
Currier Museum of Art, Manchester, New Hampshire, USA

Nach Middelburg, der Hauptstadt von Zeeland, will Dürer, weil er ein Altarbild von Jan Mabuse sehen will. Mabuse stammt aus dem wallonischen Maubeuge (Mabuse auf Flämisch), ist seit 1503 Meister in Antwerpen und hat sich viele Pseudonyme ausgedacht: Mal heißt er Jean de Maubeuge, Ioanni Mabusio oder Jenni Gosart, mal Jan Gossaert oder Jennyn van Hennegouwe. Mabuse bewundert den großen Dürer so sehr, dass er Dürers Kupferstich "Adam und Eva" in einem eigenen Gemälde kopiert.

Als Dürer vor dem Werk steht, ist er enttäuscht: Mit der Farbgebung habe Mabuse umgehen können, aber die Köpfe seien ihm nicht recht gelungen. Da Mabuses Werk beim Brand der Kirche 1568 völlig zerstört werden wird, müssen wir Dürer glauben.

Albrecht Dürer: Bildnis des Bernhard von Reesen, 1521
Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden

Albrecht Dürer: Bildnis des Bernhard von Reesen, 1521
Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden

 

Aber Mittelburg ist eine gutt statt, hat ein überschön rathauß mit einen köstlichen thurn, do ist an allen dingen viel kunst an. Do ist ein überköstlich schön gestul jn der abteyn und ein köstlich porkirch von stain und hübsch pfaarkirch. Und sonst war die statt köstlich zu konterfeyen.
(Tagebuch)

 

Völlig begeistert hingegen ist Dürer von der Stadt. Er sieht sich das Rathaus mit seiner Tuch- und Fleischhalle an, besichtigt die Prämonstratenser-Abtei und deren Kirche. Gewiss ist der Silberstift wieder in seiner Hand, doch keine einzige Zeichnung dieser "köstlich zu konterfeyenden" Stadt ist erhalten. Geblieben ist ein Porträt von Berhard von Reesen, einem seiner Begleiter.

Auf der Suche nach dem gestrandeten Wal reist Dürer am 9. Dezember 1520 mit seinen Begleitern von Middelburg nach Veere; dort nimmt er die Fähre nach Zierikzee. Aber er kommt zu spät, die Strömung hat das riesige Tier wieder ins Meer gezogen. So bleibt ihm nur der Blick auf die Landschaft und die niederländische Kunstfertigkeit des Deichbaus. Zurück geht es nach Antwerpen, Dürer kommt am 14. Dezember an. Der Winter ist eingebrochen. Dürer verzichtet auf weitere Reise und bleibt vier Monate in der Stadt.

Zu Weihnachten erhält Dürer etliche Geschenke, die er akribisch notiert. Er revanchiert sich mit seinen Kunstwerken. Einer seiner Bekannten erhält sogar die vollständige "Apokalypse". Fastnacht kommt und da wird gefeiert in Antwerpen. Dürer und seine Frau verbringen diesen Tag, den 10. Februar 1521, mit den Goldschmieden der Stadt, die ihnen ein Festmahl bereiten und ihre Bewunderung nicht verhehlen. Anfang April begibt er sich wieder auf eine kurze Reise, die ihn nach Brügge und Gent führt.

Vermutlich infiziert sich Dürer auf der Reise nach Zeeland mit einer chronischen Malaria. Die Küste ist von Brackwasser durchweicht. Darin wimmelt es von Fliegen und Larven. Bis zu seinem Tod 1528 wird er immer wieder von Fieber, Ohnmachtsanfällen und Kopfschmerzen geplagt. Regelmäßig sucht er deshalb die Nürnberger Ärzte auf.

Brügge

1520 - 1521

Von Antwerpen aus reist Dürer zusammen mit dem Augsburger Patrizier Hanns Lüber und Jan Provost, Maler der Stadt, nach Brügge. Sie nehmen ein Schiff, die Reise dauert zwei Tage und kostet ihn "20 stüber und 1". In Brügge wohnt er bei Provost, der ihn am Abend der Ankunft mit einem "köstlich mal" und vielen Leuten, die er ihm zu Ehren eingeladen hat, überrascht.

Michelangelo Buonarotti: Die Madonna mit dem Kind, 1504-1505 
Liebfrauenkirche Kathedrale, Brügge

Michelangelo Buonarotti: Die Madonna mit dem Kind, 1504-1505
Liebfrauenkirche Kathedrale, Brügge

Dürer besucht den Goldschmied Marx und wird zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt geführt, zu der von Rüdiger kunstvoll ausgemalten Kapelle, sieht die Werke anderer niederländischer Maler und die Madonna von Michelangelo in der Kirche "Unser Frauen". Dort ist auch Maria von Burgund begraben, die erste Ehefrau seines Mäzens Kaiser Maximilian I. Dürer absolviert weitere Kirchen. Am Abend laden ihn die Goldschmiede, Maler und Kaufleute der Stadt zum Bankett. Jacob und Peter Mostaert, zwei Ratsherren der Stadt, schenken ihm 12 Kannen Wein. Zum Schluss begleitet ihn eine feucht-fröhliche Gesellschaft von mehr als 60 Menschen zurück zu Provosts Haus.

Er zeichnet seinen Kollegen Provost und bedankt sich bei dessen Frau mit "10 stüber", die er ihr "zu lecz" (zuletzt) in die Hand drückt.

Gent

1520 - 1521

 

Gent ist hübsch und eine wunderliche statt; 4 große Wasser fliessen dadurch. (Tagebuch)

 

Von Brügge aus reist Dürer nach Gent. Auf der Reise kommt er durch mehrere Dörfer, in einem davon wird gut gefrühstückt. Die Reise fordert von ihm "4 stüber" Transportkosten und die gleiche Summe fürs Essen. Gent ist eine der größten Städte Europas, reich geworden durch den Handel mit Stoffen und Getreide. Zu Dürers Zeit gehört die Stadt zum Habsburger Reich. Hier kommt am 24. Februar 1500 im Genter Prinzenhof der spätere Kaiser Karl V. des Heiligen Deutschen Reiches Römischer Nation auf die Welt. Er wird, nach dem Tod seines Onkels Maximilian I., zu Dürers Förderer.

Dürer wird mit großen Ehren empfangen. Der Vorsteher (dechent) der Malergilde hat sämtlich Kollegen zusammengetrommelt. Sie "erboten mir groß ehr, empfingen mich gar herlich, boden mir an jhren guten willen und dienst und assen mit mir zu nacht."

Jan van Eyck: Genter Altar,  um 1435
Domkirche Sankt Bavo, Gent

Jan van Eyck: Genter Altar, um 1435
Domkirche Sankt Bavo, Gent

 

Das ist ein über köstlich, hoch verständig gemähl, und sonderlich die Eva, Maria und Gott der vatter sind fast gut. (Tagebuch)

 

Am nächsten Tag besteigt er mit ihnen den Kirchturm von St. Johannes, und er sieht die Stadt unter sich. Er ist beeindruckt vom Genter Altar von Jan van Eyck (um 1390 - 1441) und notiert seine Bewunderung im Tagebuch. Das Meisterwerk des niederländischen Malers, das hundert Jahre zuvor entstanden ist, sei ein wundervolles, mit großem künstlerischem Können geschaffenes Gemälde. "Fast gut" bedeutet in Dürers Zeit so viel wie heute "richtig gut".

 

Auch sahe ich auff der brucken, do man die Leuth köpfft, die zwey ehrenbilder, die zu einem zaichen gemacht sind, das ein sun seinen vatter köpfft hat. (Tagebuch)

 

Befremdet, wenn nicht verstört ist er von der Genter Richtstätte, an der ein Gedenkstein an ein tragisches Ereignis erinnert. An dieser Stelle hat ein Sohn in seiner Funktion als Henker seinen zum Tode verurteilten Vater köpfen müssen. Auch ansonsten hat Dürer "viel selczam Ding gesehen zu Gent."

 

Die Maler mit ihrem dechent haben mich nit verlassen, haben zu morgens und nachts mit mir gessen und alle ding bezahlt und [sind] gancz freundlich mit mir gewest. (Tagebuch)

 

Die Malergilde lässt ihren hohen Besuch keine Minute allein und übernimmt alle Kosten seines Aufenthalts. Trotzdem gibt er Geld aus, wie er akribisch vermerkt: "Aber ich hab im würczhaus 5 stüber zu lecz gegeben." Die Rückreise nach Antwerpen schmälert seinen Bestand an Bargeld um weitere 8 stüber.



Am 12. April kommt Dürer wieder in Antwerpen an. Er bleibt nun in der Stadt, die über ein Jahr lang zu seiner Wahlheimat geworden ist. Am 2. Juli 1521 bricht er mit seiner Frau Agnes und der Magd Susanna auf nach Nürnberg.

Alter

1521 - 1528

Albrecht Dürer: Die Muttergottes mit der Birne', 1526
Galleria degli Uffizi, Florenz

Albrecht Dürer: Die Muttergottes mit der Birne", 1526
Galleria degli Uffizi, Florenz

Am 2. Juli 1521 verlassen Dürer, Agnes und Magd Susanna Antwerpen. Dürer beschäftigt sich nach der Rückkehr mit Marienbildnissen, die die Mutter Gottes in stiller Andacht zeigen - sein letztes wird "Maria mit der Birne" sein, das er 1526 malt. Diese frommen Bilder entsprechen mehr denn je dem Bedürfnis seiner Zeitgenossen, die, gebeutelt von Krieg, Pest und Elend, Halt suchen - und weil die Reformation die größte spirituelle Umwälzung dieser Zeit mit sich bringt.

An Nürnberg gehen die nicht nur spirituellen, sondern auch mit Waffen ausgetragenen Auseinandersetzungen nicht vorbei, auch nicht die loderndene Bauernkriege, die bald niedergeschlagen werden. Sie führen direkt in Dürers Werkstatt. 1524 schließen sich sein "Knecht" Jörg Pencz und seine Schüler Hans Sebald und Barthel Benham radikalen Strömungen an. Sie werden im Januar 1525 nach einem Schauprozess aus der Stadt verbannt. Im Mai wird Hieronymus Andreae, sein bester Formenschneider, verhaftet. Erst im Laufe des Jahres bekommen die Ratsherren die Lage in den Griff: Die Stadt wird protestantisch. Besonnen verhindern die Patrizier, dass es, wie in anderen Gegenden, zu Bilderstürmereien kommt. Dürer, der zwar Martin Luther verehrt, bleibt katholisch. Er lehnt den Protestantismus in seinen Grundsätzen ab. Und schafft weiterhin seine Werke mit biblischen Themen.

Im Nürnberger Rathaus wartet Arbeit auf Dürer: die Ausschmückung des Rathaussaals. Er liefert die Entwürfe, in denen er das Konzept seines Freundes Pirckheimer umsetzt. Beim Ausmalen arbeiten alle aus seiner Werkstatt mit. Die Arbeiten werden erst nach Dürers Tod beendet. Entstanden ist das größte Wand- und Deckengemälde Europas in dieser Zeit, erst zehn Jahre später übertrifft die Sixtinische Kapelle Dürers Werk an Größe. Heute existiert nur noch eine Fotodokumentation, da das Rathaus im Zweiten Weltkrieg von Bomben völlig zerstört wird.

Dürer wendet sich immer mehr seinen theoretischen Schriften zu. 1525 erschient die "Vnderweysung der messung mit dem zirckel vnd richtscheyt", das erste Mathematikbuch in deutscher Sprache. 1527 folgt sein Buch "Etliche vnderricht, zu befestigung der Stett, Schloß vnd Flecken" zur Architektur. Erst nach seinem Tod erscheint seine "Proportionslehre", in der Dürer seine kunsttheoretischen Positionen zusammenfasst. Bis zu seinem Tod wird die Fertigstellung dieses Buches zu seiner Hauptbeschäftigung.

Albrecht Dürer: Die vier Apostel, 1526
Alte Pinakothek, München

Albrecht Dürer: Die vier Apostel, 1526
Alte Pinakothek, München

1526 schenkt Dürer seiner Stadt zwei seiner bedeutendsten Werke: die lebensgroßen Figuren der vier Apostel Paulus und Petrus und der Evangelisten Markus und Johannes, zugleich Symbole der vier Temperamente.

Albrecht Dürer: Zeichnung für seinen Arzt, 1528
Bildinschrift: Do der gelb fleck ist und mit dem finger drawff dewt do ist mir we.

Albrecht Dürer: Zeichnung für seinen Arzt, 1528

Bildinschrift: Do der gelb fleck ist und mit dem finger drawff dewt do ist mir we.

Seine letzten Lebensjahre leidet Dürer an Malaria, mit der er sich entweder in den Niederlanden oder vielleicht auch schon während seiner Italienreisen angesteckt hat - die Poebene ist zu Dürers Zeiten eine der am heftigsten mit Malaria verseuchten Gegenden Europas. Er hat starke Schmerzen an der Milz. Wo genau es ihm weh tut, beschreibt er seinem Arzt mit einer Zeichnung.

Dürer stirbt am 6. April 1528, kurz vor seinem 57. Geburtstag. Albrecht Dürer ist im Familiengrab der Freys begraben, unweit von dem Grab seines Freundes Willibald Pirckheimer.

Der Mathematiker

1521 - 1528

Albrecht Dürer: Underweysung der Messung, mit dem Zirckel und Richtscheyt, in Linien, Ebenen unnd gantzen corporen, 1525
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Albrecht Dürer: Underweysung der Messung, mit dem Zirckel und Richtscheyt, in Linien, Ebenen unnd gantzen corporen, 1525
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Mit Leonardo da Vinci hat Albrecht Dürer eines gemein: das Interesse an der Mathematik. Doch während man Leonardos mathematische Gedanken aus verstreuten Blättern zusammensuchen muss, schreibt Dürer gleich mehrere mathematische Abhandlungen. Vier Bücher gibt er heraus.

1525 erschient die "Vnderweysung der messung mit dem zirckel vnd richtscheyt" (Unterweisung der Messung mit dem Zirkel und Lineal), die er mit Hilfe des Holzschnitt-Meisters Hieronymus Andreae veröffentlicht. Dieser ist der Erfinder der Fraktur-Schrift. Mit ihm hat Dürer schon beim Triumphbogen für Kaiser Maximilian I. zusammengearbeitet. Die "Vnderweysung" ist eines jener Bücher, die in der Renaissance vor allem von Nicht-Mathematikern verfasst werden. Dürer gilt als der "mathematischste Kopf" unter ihnen. Und die "Vnderweysung" ist das erste Mathematikbuch in deutscher Sprache.

In der "Underweysung" beschäftigt er sich vor allem mit der Geometrie. Er erklärt mehrere Methoden, wie man Perspektive erzeugen kann, und überträgt sogar die mathematischen Bezeichnungen ins Deutsche. Da steht etwa "richtscheyt" für "Lineal" oder "gefierte Ebene" für "Quadrat". Er beschreibt, wie man ein Fünf-, Sieben-, Neun-, Elf- oder Dreizehneck konstruiert oder näherungsweise einen Winkel dreiteilt.

Albrecht Dürer: Melencolia I, 1514
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau

Albrecht Dürer: Melencolia I, 1514
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau

Dürer weiß aber auch, was passiert, wenn man sich in der Mathematik verliert. In seinem Kupferstich "Melencolia" brütet ein Engel über einem mathematischen Problem und findet offensichtlich die Lösung nicht.

Albrecht Dürer: Underweysung der messung mit dem zirckel und richtscheyt in Linien ebnen unnd gantzen corporen, Blatt Konstruktion der Muschellinie, Zeichnung (1525)

Albrecht Dürer: Underweysung der messung mit dem zirckel und richtscheyt in Linien ebnen unnd gantzen corporen, Blatt Konstruktion der Muschellinie, Zeichnung (1525)

Dürer entwickelt auch mathematische Kurven, anhand derer sich beispielsweise die Proportionen menschlicher Körper darstellen lassen, darunter die "Muschellinie".

Albrecht Dürer: Bildnis einer jungen Frau mit geflochtenem Haar, 1497
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Montage: hr-online

Albrecht Dürer: Bildnis einer jungen Frau mit geflochtenem Haar, 1497
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie

Montage: hr-online

Wir haben seine Entwürfe auf das Gemälde der "Fürlegerin" (Junge Frau mit geflochtenem Haar) gelegt, um zu verdeutlichen, wie Dürer gearbeitet hat.

 

Reisen durch das Webspecial

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Begleiten Sie Albrecht Dürer auf seinen Reisen durch Europa und damit durch sein Leben. Das geht auf mehreren Wegen.

1. Die verschiedenen Transportmöglichkeiten:

Die bequemste Reise:


Drücken Sie links unten auf den Play-Button und machen Sie Halt an jeder Station. Zurück kommen Sie über den "Rewind-Button".

Die langsamste Reise:

Klicken Sie auf die Scroll-Leiste rechts und drehen Sie am Mausrad. Ganz gemütlich wandern Sie durch Europa.

Die schnellste Reise:

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Verweilen:

Auf jeder Seite finden Sie ganz links oben ein kleines Bild. Wenn Sie darauf klicken, verschwindet der Text und Sie können die Stadtansichten betrachten. Diese stammen aus der Schedelschen Weltchronik von 1493 oder sind Kupferstiche von Braun/Hogenberg vom Ende des 16. Jahrhunderts. Mit erneutem Klick kehrt der Text zurück.

2. Dürers Familie, Freunde, Förderer und Werke:

Auf einigen Seiten sind links oben weitere kleine Bilder zu sehen. Klicken Sie darauf und Sie erfahren mehr über Dürers Familie, Freunde, Förderer und Zeitgenossen, aber auch über manche seiner Werke.

3. Dürers Stimme:

Links sehen Sie Zitate von Dürer. Einige davon hat ein Fachmann gelesen: Dietmar Peschel, Privatdozent an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, ist nicht nur Experte in Germanistischer Mediävistik, sondern auch Puppenspieler mit jahrelanger Bühnenerfahrung. Im Nürnberger Dialekt ist er zuhause. "Wer weiß, wie man damals wirklich gesprochen hat", sagt er, "aber man kann sich der Aussprache annähern." Und das hat er zu unserem großen Vergnügen getan.

Dürer. Kunst – Künstler - Kontext

Vom 23. Oktober 2013 bis 2. Februar 2014 präsentiert das Städel Museum den wohl bedeutendsten deutschen
Renaissancekünstler Albrecht Dürer (1471–1528) in einer umfassenden Sonderausstellung. Diese umfasst insgesamt über 280 Werke, darunter etwa 200 Arbeiten von Albrecht Dürer selbst.

Insgesamt zeigt die Präsentation das Schaffen des deutschen Meisters in der ganzen Breite und Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Zu sehen sind Tafel- und Leinwandbilder, Handzeichnungen, Blätter in unterschiedlichen druckgrafischen Techniken sowie von Albrecht Dürer verfasste und illustrierte Bücher.





Ausstellungsfilm des Städel Museums Frankfurt

Dürers fortwährende Auseinandersetzung mit den Werken seiner deutschen, niederländischen und italienischen Künstlerkollegen ist zentrales Thema der Frankfurter Altmeisterausstellung, die Dürers Arbeiten in den historischen Kontext ihrer Entstehung stellt. Hierfür ergänzen Arbeiten von Vorläufern, Zeitgenossen und Schülern wie Martin Schongauer, Hans Baldung Grien, Hans von Kulmbach, Jacopo deʼ Barbari, Giovanni Bellini, Joos van Cleve oder Lucas van Leyden das groß angelegte Ausstellungsprojekt. Durch diese Art der Kontextualisierung werden dem Betrachter nicht nur die besondere Gestaltungskraft und künstlerische Qualität in Dürers Werk, sondern auch sein entscheidender Beitrag für die Entstehung der nordeuropäischen Renaissancekunst nahegebracht.

Die Ausstellung vereint Leihgaben aus den bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt, wie der National Gallery London, dem Museo Nacional del Prado in Madrid, der National Gallery of Art in Washington, dem Pariser Louvre, dem British Museum in London, den Staatlichen Museen zu Berlin, den Uffizien in Florenz, dem Amsterdamer Rijksmuseum oder dem J. Paul Getty Museum in Los Angeles. (Quelle: Städel Museum)

In Radio & TV

Sendungen im Radio:





Mittwoch, 23.10.:

Die Eröffnung
wird bei hr2-aktuell in den Magazinen "Mikado" und "Fidelio" thematisiert, u.a. auch in der Frühkritik.



Beginn der Reihe

"Holleins Highlights"


Fünf Dürer-Bekenntnisse von Max Hollein

Mi, 23.10. bis Fr, 25.10. sowie Mo, 28.10. bis Di, 29.10, in hr2-kultur gegen 8.20 Uhr (und auch als Download im Internet).

Mittwoch, 23.10.: Programm-Schwerpunkt Deutscher Meister im Städel - Dürer-Ausstellung öffnet

bei hr-info am Nachmittag:

- Ein Rundgang durch die Ausstellung

- Albrecht Dürer und die Marke Kunst/Gespräch mit Jan Tussing

- Die Faszination von Albrecht Dürer /Gespräch mit Max Hollein, Direktor des Städel



Sowohl hr2-kultur als auch hr-info bieten je eine exklusive Hörerführung durch die Ausstellung an.

25.10.2013, 18.05 Uhr "Der Tag"

Dürer, das Netz und was daraus wurde

(Wdh. in hr-info von 22.05-23 Uhr)

Kaisers Klänge – Musikalische Entdeckungsreisen:

mit Niels Kaiser / mittwochs / 20.05 Uhr

13.11. Albrecht Dürer – Gemalte Musik




"Was malt er nicht alles!" schwärmte Erasmus von Rotterdam über Albrecht Dürer: "Sogar das, was man nicht malen kann – sogar die Stimme selbst!" Dürer, der sogar Klänge auf die Leinwand bannen konnte, hatte auch einen Sinn für die Musik. Auf einer Reise nach Antwerpen rühmte er die Qualität der dortigen Sänger und beschrieb eindrücklich die Klangeffekte der Kathedrale. In seinem Nachlass wurden eigenhändige musikalische Aufzeichnungen gefunden.



Zur Dürerausstellung des Frankfurter Städels erklingt Musik aus Dürers Zeit, die sich in seinen Werken widerspiegelt. Umrahmt wird sie von neueren Kompositionen, die sich auf Dürer beziehen: Vertonungen seiner Bilder oder Felix Mendelssohns "Große Festmusik zum Dürerfest" von 1828.

25.-27.11.2013, jeweils um 08.40 Uhr in hr2-Mikado:

"Mit Dürer durch Europa!"




Montag, 25.11.: "Dürer: Der Reisende"

Von Christiane Kreiner



Dienstag, 26.11.: "Dürer: Der Mathematiker"

Von Utz Thimm



Mittwoch, 27.11.: "Dürer: Der Geschäftsmann"

Von Karoline Sinur







Sendungen im hr-fernsehen:





Hauptsache Kultur, Donnerstag, 24.10., 22.45 – 23.15 Uhr


Ausstellungsbericht "Dürer – Deutscher Meister" im Städel Museum Frankfurt

(Wdh. Freitag, 25.10., 4.45-5.15 Uhr und Sonntag, 27.10., 9.45-10.15 Uhr)



im Anschluss daran:



Donnerstag, 24.10., 23.15 Uhr



Ich - Albrecht Dürer




Albrecht Dürer, ein Mann, der in exzentrischen Outfits durch Nürnberg lief, der Verkaufsagenten beschäftigte und dessen Arbeitspensum enorm war. Er schuf Handzeichnungen mit Feder, Kohle, Kreide, Silberstift und Pinsel, er malte und schrieb Bücher. Warum dieser Ehrgeiz? Wer war dieser Albrecht Dürer, der Migrantensohn, der zum Malerfürsten wurde? Wer Antworten will, muss den Menschen Albrecht Dürer studieren. Der Film spürt seinem Leben nach, das in Nürnberg begann. Er zeichnet nach, wie Dürer diesen Aufstieg schaffen konnte und warum er dabei oft zu drastischen Methoden griff. Albrecht Dürer, Deutschlands größter Renaissance-Künstler, steht noch heute für die Machbarkeit von Mythen.



Ein Film von Stefanie Appel

Montag, 28. Oktober, 16 Uhr

Max Hollein, Chef der Schirn Kunsthalle, des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung ist Gast des Tages bei "Hallo Hessen".

Literatur

Hier finden Sie eine Auswahl von Büchern und Katalogen zu Albrecht Dürer, die auch für die Erstellung dieses Webspecial verwendet wurden.

Dürer: Kunst - Künstler - Kontext

Seine Kunst im Kontext ihrer Zeit


Herausgegeben von Jochen Sander

Mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten von Jeffrey Chipps Smith, Katrin Dyballa, Erik Eising, Christian Feest, Karoline Feulner, Stephan Kemperdick, Hans Körner, Christof Metzger, Andrew Morrall, Ulrich Pfisterer, Almut Pollmer-Schmidt, Jochen Sander, Johann Schulz, Jeroen Stumpel oder Berit Wagner.



Gebundene Ausgabe: 400 Seiten | Prestel Verlag | erscheint am 30. Oktober 2013 | ISBN-10: 3791353187 | ISBN-13: 978-3791353180 | Preis: 59,00 €

Der frühe Dürer

Hrsg. von Daniel Hess, Thomas Eser. Begleitband zur Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum (24. Mai bis 2. Sept. 2012), Nürnberg 2012

604 Seiten, 230 farbige Abb. und 202 zumeist ganzseitige farbige Abb. der Exponate, 5 Seiten Karten, Festeinband, 27,5 x 22,5 cm

Best.-Nr: 741 | ISBN: 987-3-936688-59-7 | Preis Museum: € 34,50 | Preis bei Versand und im Buchhandel: € 46,00

Die englische Museumsausgabe "The Early Dürer" ist ausschließlich im Museumsshop erhältlich

Albrecht Dürer

Herausgegeben von Klaus A. Schröder und Marie L. Sternath | 576 Seiten | Hatje Cantz Verlag, 2003 | ISBN-10: 3775713301 | ISBN-13: 978-3775713306 | nur gebraucht erhältlich

Dürer 1471-1528: Das Genie der deutschen Renaissance

von Norbert Wolf

96 Seiten, € 7,99 | Taschen Verlag, Januar 2012, 3. Auflage | ISBN-10: 3822849197 | ISBN-13: 978-3822849194

Albrecht Dürer: Die Erfindung des Aktes

Herausgegeben von Anne-Marie Bonnet

160 Seiten, € 49,80 | Schirmer/Mosel, September 2013 | ISBN-10: 3829606516 | ISBN-13: 978-3829606516

John Berger "Dürer - Aquarelle und Zeichnungen"

96 Seiten, € 7,99 | Taschen Verlag, Nachauflage | September 2013 | ISBN-10: 3822884103 | ISBN-13: 978-3822884102

Albrecht Dürers Tagebuch der Reise in die Niederlande

Dürers Tagebuch gibt es in etlichen Ausgaben, die zum Teil noch im Buchhandel erhältlich sind.

Europakarte und Stadtansichten

Die den Hintergrund dieses Webspecials bildenden Karten sind zum einen Illustrationen zur Schedelschen Weltchronik (1493), die die Universitätsbibliothek Heidelberg in digitalisierter Form bereithält.

Desweiteren wurden Stadtansichten von Georg Braun und Franz Hogenberg aus den Jahren 1572 bis 1618 verwendet. Die Originale befinden sich im Besitz des Historischen Museums in Frankfurt.



Alle Karten sind auch als Bücher erhältlich:

Hartmann Schedel. Weltchronik - 1493 Kolorierte Gesamtausgabe

von Stephan Füssel | 680 Seiten, € 39,99 | Taschen Verlag, Juli 2013 | ISBN-10: 3836544482 | ISBN-13: 978-3836544481

Braun/Hogenberg - Städte der Welt

von Stephan Füssel und Rem Koolhaas

501 Seiten, € 39,90 | Taschen Verlag, Januar 2011 | ISBN-10: 3836526832 | ISBN-13: 978-3836526838



Originalausgabe:

501 Seiten, € 150,00 | Taschen Verlag, November 2008 | ISBN-10: 3836511258 | ISBN-13: 978-3836511254

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