Klangbuch

Christoph Ransmayr "Damen & Herren unter Wasser"

Ausschnitt Hörbuchcover (Bild: Verlag)
Ausschnitt Hörbuchcover
So gut wie jedes Kind träumt einmal davon, ein Tier zu sein. Und so gut wie jeder Schriftsteller träumt davon, sich neu zu erfinden. Christoph Ransmayr hat sich beide Wunschträume erfüllt. Er hat seinen Traumtieren eine Stimme gegeben.
Bewertung
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Angeregt zur Verwandlung in einen Riffkalamar wurde der österreichische Schriftsteller durch die Unterwasserfotografien seines Freundes Manfred Wakolbinger. Es handelt sich um Aufnahmen von einem Großflossen-Riffkalamar, einer Kronenqualle, einem Geisterpfeifenfisch, einem Rotlippen Fledermausfisch und anderen submarinen Exoten. Allein der Klang ihrer Namen verleitet zum Träumen. Und dann erst die Fotos, die im Booklet zum Hörbuch abgebildet sind. Da leuchten die Augen des grün schillernden Kalamars vor dunklem Hintergrund. Sie erzeugen einen Sog, der einen hinab zieht in die dunklen Tiefen des Meeres.

Das eigentlich Raffinierte an diesen Metamorphosen aber besteht darin, dass Ransmayr seine Träume vom submarinen Leben nicht sich selbst zuschreibt, sondern anderen menschlichen Figuren, wie etwa einem Museumswärter, einem Wasserbettverkäufer, einer Schwimmlehrerin oder einem Installateur.
 

Hörbuchcover (Bild: Verlag)

Information

Christoph Ransmayr "Damen & Herren unter Wasser"

Franz Hausinger, Musik
Es liest der Autor
CD mit Booklet
€ 24,90
Mandelbaum
Reihe „Bibliothek der Töne“
März 2009
So entfaltet sich das Glück eines Museumswärters, der sich in seine geliebten Gemälde von holländischen Malern des frühen 16. Jahrhunderts hineinträumt. Er verwandelt sich in ein Traumbild.

Aber schon auf der nächsten Seite des Booklets wird es wieder heiter. Zwei Flusskrebschen recken die winzigen Fühler und heben die Beinchen, als wollten sie einen pas de deux wagen. Und die roten Lippen des Fledermausfisches sind tatsächlich so knallig und voll, dass sie zu einer ehemaligen Schönheitskönigin passen. Ransmayr alias Riffkalamar stellt diesen Fisch als „Purpleheart“ vor.

Und schließlich lädt Christoph Ransmayr seine Figuren zu Konfigurationen ein. Seine Menschen als Unterwasserwesen suchen in der Tiefe des Meeres seelenverwandte und gleichgesinnte Artgenossen. Andere Tiere, die möglicherweise auch Metamorphosen von Träumern sind.
Da lässt dann der Kalamar zur Begrüßung seine Fangarme kreisen wie ein Karussell in Zeitlupe. Dabei geht es nicht immer harmonisch zu, sondern wird dazwischengefunkt, angegriffen, beneidet, gelacht, zu lieben versucht, einfach kommuniziert. Nur scheint nie Angst und Verzweiflung durch wie in den Verwandlungsszenen von Franz Kafka. Das Untertauchen in die Abgründe des Meeres führt vielmehr in himmlische Gefilde, wie in Ovids Metamorphosen, in denen die Menschen in Sternbilder aufgelöst und erlöst werden.

Aber erst durch die Trompetenklänge von Franz Hautzinger wird die Produktion des Hörbuchlabels Mandelbaum zu einem Gesamtkunstwerk. Ein äußert gelungenes Zusammenspiel von Klängen und Farben, Träumen und Phantasien. Ergänzt durch eine besondere Aufmachung des Booklets, eigentlich müsste man sagen des Buches als Kunstwerk, mit marmorierten Vorsatzpapier und eingefasst in starkem blauen Karton im Querformat, wie bei einem Poesiealbum.

Allein die ruhig dahinfließende Stimme des Autors als Erzähler hält das rätselhafte Traumgespinst zusammen. Er beruhigt das Gemüt des Zuhörers. Christoph Ransmayr lädt mit seiner sonoren Bassstimme einfach zum Wachträumen ein.

Vorgestellt von Ruthard Stäblein
 
Redaktion: nrc
Bilder: © Verlag (2)
Letzte Aktualisierung: 26.09.2009, 11:41 Uhr
 
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Hörbuchcover (Bild: Verlag )
 
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