5.10.2012

Das Buch zur digitalen Revolution

Kathrin Passig / Sascha Lobo "Internet – Segen oder Fluch"

Frankfurter Buchmesse 2012, ARD Chat, Kathrin Passig / Sascha Lobo "Internet – Segen oder Fluch" (Bild: Verlag)
Ausschnitt Buchcover
Ob Datenschutz, Urheberrecht oder Debatte um Netzsicherheit: Die "Lösungen für die Internetfragen sind eben nicht einfach", so die Autoren. Und haben eine fundierte Bestandaufnahme verfasst – mit einigem Erfolg.
Bewertung
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Kathrin Passig und Sascha Lobo im ARD Chat

Mittwoch, 10.10.12
12.00 Uhr
ARD Forum F.0
Das Internet ist zum Schauplatz vehementer Grabenkämpfe geworden, die kaum noch jemand im Detail nachvollziehen kann. Allein die Fragen des Für und Wider von Netzwerkregulierungen spalten die Gesellschaft, ganz zu schweigen von der Diskussion um eine Zensur kinderpornographischen Materials oder die Kriminalisierung MP3-kopierender Jugendlicher von einer panischen Musikindustrie – es sind Bereiche, die einerseits extrem abstrakt scheinen, aber eben doch in Form von Abmahnbriefen sehr real im Briefkasten landen können.
 

Aufklärung gegen Hektik

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 (Bild: Verlag)

Kathrin Passig / Sascha Lobo "Internet – Segen oder Fluch"

320 Seiten, € 19,99
ISBN: 978-3871347559
Rowohlt
Oktober 2012
Der Erfolg der Piratenpartei hat zudem gezeigt, dass das Internet einen gesellschaftlichen Paradigmenwandel symbolisiert, einen Wandel, der Grundfragen wie Freiheit, Demokratie oder Kreativität nachdrücklich zu verändern scheint. – Kein Wunder also, dass sich um das Internet Debatten entfacht haben, die Politik, Wirtschaft und Soziales gleichermaßen betreffen: Es geht eben nicht um abseitige Fragen weltfremder Nerds, wie Passig und Lobo zu Beginn klarstellen, es geht letztlich um uns alle, die wir uns nicht einfach so aus den Kämpfen heraushalten können.

Doch um die Glaubenskriege halbwegs einschätzen zu können, bedarf es der Aufklärung, der Bildung: Um was geht es wirklich in dem Streit um "Zensursula", was will Wikileaks tatsächlich und wie soll man das Gebaren von Apple deuten? – Passig und Lobo, beiderseits passionierte Internetnutzer und versierte Autoren, machen es sich nicht leicht, sondern mühen sich, das Pferd von vorne aufzuzäumen.

Denn was unterscheidet das Internet schon von der Eisenbahn, dem Telefon, der Post, der Kutsche gar? Stets gab es anlässlich Erfindungen derartiger Natur ähnliche Diskussionen – warum also nicht das Internet als weiteres Mosaiksteinchen des Fortschritts definieren? Und was bedeutet dann Fortschritt überhaupt?
 

Neutraler Blick

Die Beantwortung oder zumindest andeutende Klärung solcher grundsätzlicher Fragen nehmen in den Buch einen großen Raum ein – was sinnvoll ist, nimmt es doch die Schärfe aktueller Streitereien und verhilft zu einem neutraleren Blick auf eine Entwicklung, die uns in ihrer Rasanz und Vehemenz ja allesamt überfordern muss. – Passig und Lobo gelingt es hierbei, den Duktus eines Internets für Dummies zu vermeiden und durchaus niveauvoll komplexe Themen leichtverständlich zu präsentieren, eine Kunst für sich. So bewirkt die Feststellung, dass viele so aktuell erscheinende Fragen doch schon lange auf die ein oder andere Weise zur Debatte stehen, einige Aha-Momente – so versteht man auch, weshalb es keine Schwarz-Weiß-Lösungen geben kann, so sehr sich das manche Politiker oder Intellektuelle auch wünschen mögen.

All dies ist wohltuend vor allem deshalb, weil die beiden Autoren sich gut ergänzen, trotz erwiesener Egozentrik zumindest einer Hälfte des Duos: So hat das Buch so gar nichts von der provozierenden Hektik des Spiegel-Online-Blogs namens "Mensch Maschine", den Lobo seit einiger Zeit betreibt – abgesehen vielleicht von einigen geschmäcklerischen Kalauern. Ein insgesamt höchst gelungenes Buch über ein schwieriges Thema.

Vorgestellt von Roman Halfmann
 
Redaktion: nrc
Bild: © Verlag
Letzte Aktualisierung: 25.09.2012, 15:20 Uhr
 
 (Bild: hr)
 
16/30
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Tödliche Verstrickungen

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