"Operation Nestegg" heißt ein Programm, das 1995 vom neuseeländischen Umweltministerium zum Schutz der flugunfähigen Kiwi ins Leben gerufen wurde: Naturschützer entnehmen Kiwi-Eier aus den Nestern und bringen sie in ein Brutzentrum.
Erst wenn die Jungtiere in der Lage sind, sich in freier Natur gegen Angreifer zu schützen, werden sie wieder in der Wildnis ausgesetzt. Andernfalls wären die Risiken zu groß, dass die Eier oder die Jungvögel von eingeführten Feinden gefressen werden. Trotz solcher Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungs-Aktionen geht die Zahl der scheuen Kiwis aber weiter zurück.
Seitdem die Menschen vor etwa 700 Jahren begonnen haben, Neuseeland zu besiedeln, sind zwischen 40 und 50 Prozent der einheimischen Vogelarten ausgestorben. Fast sah es so aus, als ob auch dem Kiwi, Neuseelands inoffiziellem Wappentier und Maskottchen, das gleiche Schicksal ereilen würde. Aber der Nationalstolz kann das nicht zulassen. Der einizgartige Vogel, der nicht fliegen, aber umso besser riechen kann, ist zu sehr auch Sinnbild des Landes.
In einem Brutzentrum werden die Kiwi-Eier in einem Inkubator ausgebrütet. Die Küken kommen dann in ein Freilandgehege oder auf eine schädlingsfreie Insel bis sie ein Gewicht von mindestens einem Kilogramm erreicht haben. Danach sind sie eher in der Lage, sich gegen ihre Feinde zu verteidigen. Ihre Überlebenschancen in freier Natur liegen dann statt bei 5 Prozent bei 65 Prozent. Das heißt: Von 20 Jungtieren überleben 13 statt nur einem.
Eingewanderte Säugetiere im Vogelparadies
Der erdbraune Kiwi schützt sich vor seinen natürlichen Feinden durch Tarnung, indem er sich nicht vom Fleck rührt und nur nachts aktiv ist. Er ist daher dem ebenfalls nachtaktiven Hermelin hilflos aus¬geliefert, das ihn riechen kann. Gegen solche eingeführte Säugetiere haben viele alteingesessene neuseeländische Tiere keine Schutzmechanismen. Bis vor 1000 Jahren war Neuseeland ein säugetierfreies Paradies für Vögel. Dann brachten Polynesier die ersten Ratten und Hunde mit sich. Im 19. Jahrhundert führten die Europäer eine Vielzahl von Tieren ein, von denen neben den Hermelinen auch Hunde und Katzen, Possums und Schweine den Kiwis schwer zusetzen. Ihre Federn wurden überdies als Hut- und Kleidungsschmuck nach Europa exportiert. Aber die Jagd auf Kiwis wurde schon vor mehr als 100 Jahren verboten.
"Operation Nestegg" verhindert Aussterben
Trotz des frühen Starts geriet der Schutz des Kiwis im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend in Vergessenheit. Nur wenige Menschen hatten den scheuen Vogel jemals zu Gesicht bekommen, aber in vielen Wäldern hörten sie nachts seine Rufe. Als diese Stimmen in den 80-er Jahren immer seltener wurden, schlugen Jäger und Wanderer Alarm. 1991 stellte die Naturschutzbehörde daraufhin erste Forschungen an. Das Ergebnis war entmutigend: alle Kiwi-Populationen waren stark dezimiert, manche gingen rapide zurück.
Schätzungen zufolge liegt die Anzahl der Kiwis heute bei 70.000. Vor 100 Jahren waren es noch elf Millionen. Alle fünf Arten von Kiwi gelten als bedroht. Nach Auskunft der Umweltschützer wären sie ohne die Operation Nestegg innerhalb von dreißig Jahren ausgestorben.
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