14.10.2015

Aljoscha Brell

"Ein höllischer Spaß"

Der Autor Aljoscha Brell auf der Frankfurter Buchmesse (Bild:  hr-online)
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Aljoscha Brell
Nachdem er sich von allem Druck befreit hatte, klappte es endlich mit dem Schreiben. Mit seinem Roman "Kress" hat Aljoscha Brell ein überzeugendes Debüt vorgelegt. Im Mittelpunkt steht ein Nerd.
 
Aljoscha Brell, Jahrgang 1980, wollte schon lange Schriftsteller werden. Sein Literaturstudium habe er abgebrochen, um zu schreiben, so Brell im Gespräch. Parallel arbeitete er als Webentwickler in einem Berliner IT-Unternehmen. An seinem Roman schrieb er insgesamt acht Jahre. "Ewig", wie er selbst sagt. Erst, als er sich davon frei gemacht habe, sich an literarischen Vorbildern zu orientieren, platzte der Knoten: "Ich habe mich wirklich zwei Jahre lang eingeschlossen und zwei Stunden am Morgen an diesem Ding gearbeitet."
 

"Nerdigkeit" aus Erfahrung

Sein Anti-Held wird in der Kritik immer mit Sheldon aus der TV-Serie „Big Bang Theorie“ verglichen. Brell ist verwundert über die ständigen Vergleiche. Die "Nerdigkeit" seiner Figur speise sich zu großen Teilen aus seinen eigenen Erfahrungen als Webentwickler. "Der Roman funktioniert eher wie ein Katalysator der eigenen Emotionen und Gefühle, die natürlich lange nicht so extrem da sind", so Brell. Die habe er deutlich überhöht.
 

Eine Figur des Scheiterns

Information

 (Bild: Verlag)

Aljoscha Brell "Kress"

336 Seiten, € 20,00
ISBN: 978-3550081095
Ullstein
Brell wollte seinen Protagonisten Kress am Ende einen entscheidenden Schritt machen lassen. Ob das ein Happy End sei, weiß er selber nicht. "Wir begleiten diese Figur die ganze Zeit, wir machen den ganzen Käse mit, die diese Figur macht. Sie scheitert an so vielen Stellen, und wenn dann nichts gewonnen ist für diese Figur, dann hätte sich das leer angefühlt für mich", so Brell.

Berlin ohne Plan

Auch die Einordnung in das Genre Berlin-Roman im Stile Sven Regeners kann Brell zwar nachvollziehen, geplant habe er dies allerdings nicht. Die Stadt sei nur eine Kulisse, die sich irgendwann ergeben habe. Am Anfang des Romans sei es eine namenlose Stadt gewesen, in der Kress lebt. Ein Buch von Sven Regener habe er erst beim Schreiben gelesen. Obwohl der Roman im hippen Berlin spielt: Interaktionen mit Twitter und Facebook sucht man darin vergeblich. Im Gegenteil, das Besondere an der Figur sei gerade, dass er den sozialen Medien ablehnend gegenüber stehe, so Brell. Deshalb war es für ihn auch "ein höllischer Spaß, die Internetcafé-Geschichte zu schreiben."

Vorgestellt von Andrea Enk, hr
 
 

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Redaktion: anen
Bild: © hr-online
Letzte Aktualisierung: 18.10.2015, 8:53 Uhr
 
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