17.10.2015

Die Macht des Internet

Gottschalks Furcht vor dem Shitstorm

Thomas Gottschalk (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Thomas Gottschalk
Schlagfertigkeit und Spontaneität zeichnen Entertainer Thomas Gottschalk aus. Soziale Medien zwingen ihn mittlerweile aber zur Zurückhaltung. Allzu schnell braust heute der Shitstorm. Doch eine Angewohnheit wird er nie ablegen, verriet er uns.
 
Eloquent und gut gelaunt wie eh und je hat sich Thomas Gottschalk am Freitag der versammelten Presse gestellt. Eine halbe Stunde ist angesetzt und exakt so lange dauert der Plausch auch. Was man besprechen möchte? "Ich richte mich nach euch! Wäre schön, wenn es ums Buch ginge", witzelt der Grandseigneur der deutschen Fernsehunterhaltung. Doch rasch geht es ans Eingemachte.
 

Gottschalk ist vorsichtiger geworden

Die aktuelle Flüchtlingsproblematik will er nicht kommentieren. "Weil es einfach nicht in meinen Kompetenzbereich gehört, sich als Entertainer zu Themen zu äußern, die von vielen Seiten beleuchtet werden müssen. Das einzige was man erreicht ist, dass man sich verrennt." Früher hätte er aus der Lamäng heraus und mit Arglosigkeit geantwortet, doch im Zeitalter der sozialen Medien ist der 65-Jährige vorsichtiger geworden.

"Durch die Political Correctness, die in jedem Moment verlangt wird, wird man in seinem Mut, sich zu äußern, sehr stark eingeschränkt." In kurzer Zeit könne man sonst einen Shitstorm ersten Ranges erzeugen, beklagt Gottschalk. Selbst er, der zu Spontanäußerungen neige, überlege mittlerweile fünfmal, ob er zu bestimmten Stichwörtern heute noch ungeschützt seine Meinung sage.
 

Ein Rückblick ohne Groll und Bitterkeit

Natürlich ging es auf der Pressekonferenz vor allem auch um Gottschalks Buch "Herbstblond". "Ab einem gewissen Alter hat man das Gefühl, dass sich der Blick in den Rückspiegel lohnt. Ich habe versucht, diesen Blick ohne Groll, Bitterkeit und Tristesse loszuwerden."

Gottschalk liest übrigens mittlerweile E-Books und ist darüber selbst erstaunt. "Hätte ich nie gedacht. Weil ich das Haptische des Buches lange geschätzt habe. In jedem Urlaub hatte ich am Ende eine Schwarte, die voller Sonnenöl war." Aber eines habe sich über all die Jahre nicht geändert. "Ich habe immer ein Buch dabei." Außerdem müsse er auch abends vor dem Schlafengehen immer noch ein paar Seiten lesen. "Das war Zeit meines Lebens so und wird sich nie ändern."
 

Keine Rückeroberung des Samstagabend

Auch wenn der Moderator seine Leib-und-Magen-Sendung "Wetten, dass..?" schon seit vier Jahren nicht mehr macht, ist das Interesse an Gottschalk noch immer groß. Das zeigte auch Gottschalks Auftritt am Stand seines Verlags Heyne. Als Gottschalk dort am Abend aus seinem Leben erzählte, war es so voll, dass der blonde Lockenschopf von ganz hinten kaum noch zu erkennen war. Wo Gottschalk auftaucht, gucken die Leute.

An Ausstrahlung hat der Entertainer über all die Jahre nichts eingebüßt. Egal ob in stroh- oder herbstblond. Und was kommt jetzt noch? "Ich habe keine Liste, die ich abarbeiten muss", sagt Gottschalk. "Es gibt nichts mehr, was ich mir beweisen muss. Den Samstagabend will ich nicht zurückerobern."
 

 

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Redaktion: cawo
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 17.10.2015, 11:47 Uhr
 
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