(Bild: Caroline Wornath/hr)
17.10.2015

Messerundgang mit Cosplay-Expertin

Entführt in eine andere Welt

Die Welt der Cosplayer ist bunt und vielfältig, für Laien allerdings nur schwer zu durchschauen. Mit einer Expertin an der Seite wird der Messerundgang aber zum echten Spaß und zur Kurzreise in eine völlig andere Welt.
 
Carola Leonhardt - mittlerweile in zivil. (Bild: Caroline Wornath/hr)
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Carola Leonhardt - mittlerweile in zivil.

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Die Bischofsheimerin Carola Leonhardt ist ein Urgestein der Cosplay-Szene. Als Teenager besuchte die heute 32-Jährige die erste Anime-Messe in Deutschland, das war 1999 in Koblenz. Von 2004 bis 2007 war sie aktive Cosplayerin und sie muss lachen, wenn sie sich an die Anfänge der Bewegung erinnert. "Damals standen wir mit gerade mal sieben Leuten auf der kleinen Bühne im Comiczentrum." Mit dem, was heute im Finale der Deutschen Cosplay-Meisterschaften in Frankfurt passiert, hat das nicht mehr viel zu tun.

"Heute spielen die Leute ganze Szenen, das ist schon professionelles Theater", schwärmt sie, um wenig später ein verzücktes "Aaah, Prinzessinnen" auszurufen.
 


Fürs Foto der Grazien verschwindet die Wasserflasche hinter dem Tüllrock, das Handy wandert in den Ausschnitt - Cosplayer sind Profis, wenn es darum geht, sich spontan in gute Posen zu werfen. Erlaubt ist beim Cosplay was gefällt. Ob Figuren aus Comics oder Serien, Märchen, Filmen, Manga oder Anime. Was Cosplayer allerdings gar nicht mögen, ist der Vergleich mit Karneval. "Also im Karneval, da gehst Du vielleicht als Pirat. Beim Cosplay, da bist Du Jack Sparrow", vergleicht Leonhardt.

Eine Großgruppe, die der Serie "Game of Thrones" entsprungen scheint, reiht sich zum Fotoshooting auf. "Die treffen sich in der Zusammensetzung wahrscheinlich heute zum ersten Mal und kannten sich vorher gar nicht", mutmaßt Leonhardt.
 


Und tatsächlich. "Einige von uns waren vorher schon eine Gruppe, aber der Rest kennt sich aus dem Netz", verrät einer der Darsteller.

"Oh, da drüben ist eine Figur aus 'Trinity blood', die haben so richtig aufwändige Kostüme", schwärmt Leonhardt und wenig später lernen wir Anna kennen. Seit fünf Jahren ist Cosplay ist Hobby und an ihrem aktuellen Kostüm hat sie fünf Monate genäht.
 


Die ersten Handarbeits-Schritte hat ihr die Mutter beigebracht, doch mit ihrer Liebe zum Cosplay, wuchs auch die Leidenschaft für die Näherei. Mittlerweile ist sie Profi und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: "Ich lasse mich zur Schneidermeisterin ausbilden." "Oh, schau mal, ein Hobbit, und da das Krümelmonster und ist das nicht der Wixxer?" Die Szenerie auf der Buchmesse ist so abwechslungsreich, dass es nicht langweilig wird.

Nicht fehlen dürfen die Figuren aus Herr der Ringe und am Ende des Tages wird der kleine Hobbit die Frage: "Boah, ist das nicht kalt?" mit Blick auf seine bloßen Füße nicht mehr hören können.
 


Wir ziehen weiter und treffen eine fröhliche Truppe, die Fans der Manga-Serie D.Gray-man sind. Gerne gruppieren sie sich für uns zum Foto, wir fragen vorher allerdings auch danach. Diese Distanz wahren nicht alle Besucher. Getreu der Devise: Wer sich präsentiert, will auch fotografiert werden.
 
 
Auf einzelnen Cosplay-Messen gibt es mittlerweile abgesperrte Areale mit Sichtschutz, damit die Szene unter sich bleiben kann. Zumal besonders Mädchen in einem der zahlreichen Lolita-Styles, wie Gothic Lolitas oder Candy Lolitas begehrte Foto-Objekte sind. "Es gab wohl einzelne Beschwerden", vermutet Leonhardt.

An den Ständen mit Cosplay-Zubehör, Perücken, Schminke und Büchern, Kuscheltieren und Taschen bekommt Leonhardt glänzende Augen. "Wie gut, dass ich meinen Geldbeutel gerade nicht dabei habe", lacht sie. Zu ihrer aktiven Zeit sei das alles noch nicht so kommerziell gewesen. "Die Fanbase ist wahnsinnig gewachsen und mit ihr auch der Anteil an Jungs und Männern." Und die Cosplayer von damals? "Die sind heute oft schon Eltern, geben das an ihre Kinder weiter und übernehmen Orga-Aufgaben." Die Zukunft der Cosplayer-Szene ist also gesichert.
 

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Redaktion: cawo
Letzte Aktualisierung: 17.10.2015, 18:09 Uhr
 
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