17.10.2015

Wolfgang Hetzer

"Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?"

Wolfgang Hetzer hetzt in seinem neuen Buch gegen die Deutsche Bank (Bild: Hetzer Wolfgang )
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Wolfgang Hetzer hetzt in seinem neuen Buch gegen die Deutsche Bank
Razzien, Milliardenstrafen, Rekordverlust, Chefwechsel - die Deutsche Bank macht derzeit Negativ-Schlagzeilen am laufenden Band. Der ehemalige Korruptionsbekämpfer Wolfgang Hetzer will in seinem neuesten Buch zeigen, wie kriminell Deutschlands größtes Geldinstitut ist.
 

Information

Eilmeldung der Deutschen Presseagentur am Sonntag:

Grundlegender Konzernumbau bei der Deutschen Bank

Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank hat eine umfassende organisa- torische und personelle Neuordnung beschlossen. Die Konzernsparten werden neu zugeschnit- ten, die Führungsgremien werden neu geordnet, wie das Finanzinstitut am Sonntag nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mitteilte.
von Notker Blechner, hr

Was hat die Deutsche Bank mit der Mafia gemeinsam? Einiges, meint Jurist und Buchautor Hetzer. Er glaubt, dass die Bank in ihren eigenen Reihen die Entstehung von Subkulturen zugelassen habe, deren kriminelle Energie und Schadensträchtigkeit das Leistungsspektrum jedweder Mafia-Organisation bei weitem übertreffe. Hetzer wirft deshalb schon mit seinem Buchtitel (Westend-Verlag) die provozierende Frage auf: "Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?"
 

"So schlimm wie der VW-Skandal"

Auf fast 200 Seiten deckt der 64-Jährige, der von 2002 bis 2013 in der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde (OLAF) gegen die organisierte Kriminalität vorging, die dunklen Machenschaften der Bank auf. Jahrelang habe eine kleine Gruppe von Investmentbankern den Libor-Zins, den Gold-Handel und die Devisenkurse (zusammen mit anderen internationalen Banken) manipuliert. "Das ist genau so schlimm wie der VW-Abgasskandal", sagt Hetzer. Mit brutaler Eigenmächtigkeit seien Geschäfte gemacht worden, die der Allgemeinheit schaden. Der Buch-Autor wirft der Deutschen Bank eine mangelnde Aufsichtskultur, ein Versagen des Risikomanagements und eine maßlose Boni-Struktur vor.

Verwicklung in russische Geldwäsche

Jüngst gab es sogar Berichte über eine Verwicklung des größten deutschen Geldhauses in Geldwäsche, dem Herzstück der organisierten Kriminalität. Russische Kunden sollen angeblich über die Deutsche Bank Schwarzgeld in Höhe von sechs Milliarden Dollar "gewaschen" haben. Es bestehe der Verdacht, dass sie Papiere in Rubel gekauft haben, die ihnen das Institut in London gleichzeitig in Dollar wieder abkaufte. Über diese Spiegel-Geschäfte schafften sie an den Behörden vorbei Gelder aus Russland heraus.

Die Deutsche Bank ist laut Medienberichten derzeit in bis zu 7.000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Für die zahlreichen Prozesse wurden schon über zehn Milliarden Euro gezahlt. Weitere 3,8 Milliarden wurden an Rückstellungen gebildet.
 

Kritik an Ex-Co-Chef Jain

Deutsche Bank Hochhäuser in Frankfurt (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Dunkle Wolken über der Deutschen Bank
Hetzer kann sich nicht vorstellen, dass der abgetretene Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, von den dunklen Geschäften einiger Investmentbanker nichts gewusst haben kann. "Jain war wohl klar, dass ein Risikopotenzial da ist." Seine Erklärung zu den Vorwürfen ("It makes me sick") reiche nicht aus. Hetzer wirft Jain eine Selbstinszenierung als ignorantes Opfer vor.

Ob der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan die Altlasten endlich abräumen und den viel beschworenen Kulturwandel im größten deutschen Geldhaus einläuten kann, müsse abgewartet werden, schreibt Buch-Autor Hetzer. Es dürfe aber nicht sein, dass die Deutsche Bank lediglich ein paar Filialen schließe, Jobs abbaue und so wie bisher weiterbestehe.

Hetzer plädiert für ein effizienteres Aufsichtssystem in Deutschland, um der Deutschen Bank künftig das Handwerk zu legen. Hier sieht er die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in der Pflicht. Zudem habe der Fall der Deutschen Bank bewiesen, dass die Einführung eines Unternehmensstrafrechts in Deutschland überfällig sei.
 

Zitat

Wolfgang Hetzer:

"Ich will die Welt sicherer machen"
Viele Fragen, kaum klare Antworten

Insgesamt liest sich das Buch des Korruptionsexperten recht schwerfällig. Hetzer listet Bekanntes auf, schweift aus, stellt viele Fragen auf, wägt ab und vermeidet klare Antworten. Dafür ist er zu sehr Jurist. Letztlich muss er doch einräumen, dass die Deutsche Bank mangels juristischer Beweise bisher nicht als kriminelle Vereinigung einzustufen ist.

Also alles nur heiße Luft? Nein, meint Hetzer. Die Deutsche Bank sei zu einem "Selbstbedienungsladen für eine kleine Clique organisiert kriminell handelnder Personen" geworden. Und zu einer Gefahr für die Allgemeinheit, die (irgendwann) die Zeche zahlen müsse.

Unklar bleibt, warum der frühere Referatsleiter im Bundeskanzleramt und Abteilungsleiter im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung ein solches Hetzbuch gegen die Deutsche Bank schreibt. Will er die Welt retten? Oder die Deutsche Bank abschaffen? "Ich will die Welt sicherer machen und beschützen", sagt Hetzer. Überschätzt sich da der "Robin Hood der Bank-Kunden" nicht ein bisschen?
 

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Redaktion: nobl / nrc
Bilder: © Hetzer Wolfgang (1), © picture-alliance/dpa (1)
Letzte Aktualisierung: 18.10.2015, 16:35 Uhr
 
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