18.10.2015

Wie wichtig sind Werte?

"Merkel darf sich nicht erpressen lassen!"

 (Bild: colourbox.de picture-alliance/dpa)
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Merkel steht in der Türkei unter Druck
Eine Kanzlerin, die ihre Werte verrät - ein Blogger, der sich für die Freiheit des Wortes foltern lässt. Auf der Buchmesse diskutiert Constantin Schreiber, wie verhandelbar Werte sind.
 
"Es ist nicht vertretbar, dass Angela Merkel in der Türkei über Menschenrechtsverletzungen hinwegsieht, damit das Land mehr Flüchtlinge aufnimmt", sagt Journalist Constantin Schreiber. Er befürchte, dass die Reise der Kanzlerin in die Türkei mit diesen Zugeständnissen ende. "Angela Merkel steht unter dem Druck, eine Lösung für die Flüchtlingsfrage zu finden. Aber sie darf sich nicht erpressen lassen", sagt Schreiber. Es könne nicht sein, dass Interessen der Türkei unterstützt würden, die nicht unseren eigenen entsprechen.
 

Ein Beispiel für Merkel?

 (Bild: Valerie Krall)
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Journalist Constantin Schreiber
Als Gegenbeispiel nennt Schreiber den Fall Raif Badawis. Der Blogger wurde 2012 verhaftet, zu einer Geldstrafe und insgesamt 1.000 Peitschenhieben verurteilt, weil er kritische Texte über soziale Fragen geschrieben hatte. Im Januar 2015 wurde er öffentlich mit 50 Hieben ausgepeitscht. Die restlichen Hiebe wurden aufgrund seiner schlechten Gesundheit vorerst ausgesetzt. "Er hat in vollem Bewusstsein des Risikos seine Meinung geäußert und für seine Werte gekämpft", sagt Schreiber.
 

Merkel unter Druck

Information

Constantin Schreiber

Der Journalist arbeitet unter anderem für n-tv und für den arabischen Sender Al-Jazeera. In "1000 Peitschenhiebe" (Ullstein) hat er Texte des Bloggers Raif Badawi herausgegeben.
Natürlich sei Merkel in einer anderen Situation. "Politiker arbeiten immer auch für den Wahlerfolg", räumt Schreiber ein. Sein Wertekonstrukt zu lockern, sei aber nicht in Ordnung. Da die Flüchtlingsströme die deutsche Bevölkerung direkt betreffen, steht Merkel besonders unter Druck. Diese Nähe fehlt beim Fall Badawi. Daher würden sich Politiker nicht genug für ihn einsetzen, bemängelte Schreiber. "Für viele Politiker ist ein Fall wie Badawi lästig", sagt Schreiber.
 

Ohne Aussicht auf Erfolg

Schreiber glaube nicht, dass Badawi von der saudischen Regierung freigelassen wird. Umso wichtiger sei es für ihn, sich für ihn einzusetzen. Denn: "Nur weil man im Jetzt-Zustand sieht, dass es nicht unmittelbar zu etwas führt, sollte man sein Engagement und seine Überzeugung für Werte nicht über Bord werfen."

Verleihung des "Raif Badawi Awards"
Im Zuge des Gesprächs auf der Buchmesse wurde zum ersten Mal der "Raif Badawi Award für mutige Journalisten" verliehen. Preisträger ist der marokkanische Journalist Ali Anouzla.
 

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Redaktion: vakr
Bilder: © colourbox.de picture-alliance/dpa (1), © Valerie Krall (1)
Letzte Aktualisierung: 18.10.2015, 17:53 Uhr
 
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