Goenawan Mohamad übergibt die Gastrolle an Bart Moeyaert. (Bild: hr/Daniel Moßbrucker)
Goenawan Mohamad übergibt die Gastrolle an Bart Moeyaert.
18.10.2015

Übergabe der Gastrolle

Vom Pazifik an die Nordsee

Zum Ende der Frankfurter Buchmesse hat Ehrengast Indonesien die Gastrolle an Flandern und die Niederlande übergeben. Eine kleine Flaschenpost soll Lust auf 2016 machen.
 
Buchmessen-Chef Juergen Boos klammerte sich während der Zeremonie an ein Buch der indonesischen Autorin Ayu Utami. Das Loslassen fiel ihm sichtlich schwer. Vom diesjährigen Ehrengast Indonesien habe er so viel gelernt und dafür sei er dankbar, sagte Boos.

Es gebe viele Wege Geschichten zu erzählen, Schatten- und Puppenspiel, Tanz und Gesang, Flüstern und Schreien. "Für diese verschiedenen Wege, wie Geschichten zu mir kamen, danke ich Euch." Boos hielt während der gesamten Zeremonie ein Buch der indonesischen Autorin Ayu Utami in Händen. Erst am Ende tauschte er es gegen eine besondere Gabe.
 

Übergabe mit historischer Bedeutung

Die Rolle, die wie ein Staffelstab weitergegeben wird, wird jedes Jahr um einen literarischen Beitrag des kommenden Gastlandes erweitert. Flandern und die Niederlande haben einen westflämischen Vers aus dem 11. Jahrhundert gewählt. "Haben alle Vögel Nester begonnen / außer ich und du /was warten wir nun?" Mit dem kleinen Vers über die Liebe, den ein Mönch in einem englischen Kloster ersann, beginnt die Geschichte der Literatur in niederländischer Sprache.

Die Gastrollenübergabe ist im Fall von Indonesien und den Niederlanden von besonderer historischer Bedeutung, da der Inselstaat zwischen 1600 und 1945 die größte niederländische Kolonie war. Bereits während der zu Ende gegangenen Buchmesse hatten die beiden Länder mit der gemeinsamen Veranstaltungsreihe Brücken zueinander geschlagen. Ein Dialog, der in den kommenden Jahren fortgeführt werden soll und eine bislang einmalige Zusammenarbeit zweier Ehrengäste ist.
 

Abschied mit "Freude und Melancholie"

Mit "Freude und Melancholie" verabschiedete sich der diesjährige Ehrengast Indonesien. Goenawan Mohamad, Leiter des Nationalkomitees, sagte bei der Übergabe der Gastrolle: "Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis unseres Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse. Seitdem wir zu der Reise zu diesem großen Event aufgebrochen sind, ist viel passiert. Ich glaube, dass Indonesien – seine Literatur, Geschichte und Kultur – nicht länger unbekannt in Deutschland und dem Rest Europas bleiben werden."
 
Was die Besucher im kommenden Jahr von Flandern und den Niederlanden erwarten können, hatte Bart Moeyaert, Autor und künstlerischer Intendant des Ehrengastauftritts 2016, bereits zu Beginn der Woche verraten - zumindest einiges davon.

"Nächstes Jahr sind wir wieder hier. Mit dem Meer als Thema. Den Schätzen, die die Wellen auf dem Strand hinterlassen. Ich hoffe, dass unsere Flaschenpost Ihre Küste erreicht." so Moeyaert.
 
Bart Moeyaert beim Verteilen der Flaschenpost-Botschaften. (Bild: hr/Daniel Moßbrucker)
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Bart Moeyaert beim Verteilen der Flaschenpost-Botschaften.
Als erstes Erinnerungsstück, damit das Warten nicht so schwer fällt, verteilten Mitglieder der flämisch-niederländischen Delegation kleine Botschaften in einer Flaschenpost an die Besucher. Es hätten auch Blumen sein können, um sich die Herzen der Zuschauer zu erobern, scherzt Moeyaert und Blumen, das läge bei den Niederlanden ja auch nahe. "Doch Blumen verwelken, Worte nicht."

Und auch Buchmessen-Chef Juergen Boos legt am Ende das indonesische Buch für einen Moment zur Seite und betrachtet verzückt die kleine Flaschenpost in seinen Händen.
 

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Redaktion: cawo
Letzte Aktualisierung: 18.10.2015, 18:16 Uhr
 
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