12.10.2015

Staunen über die Seelenstärke des Menschen

Péter Gárdos "Fieber am Morgen"

Péter Gárdos (Bild: Marianna Sárközy)
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Péter Gárdos
Zwei Überlebende des Holocausts kämpfen um ihre aussichtslose Liebe in den Wirren der Nachkriegszeit. Gárdos' autobiographisch angelegter Roman besticht durch eine zärtliche, aber niemals sentimentale Darstellung unerhörter Lebenslust inmitten unsäglichen Leids.
Bewertung
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Miklós, ein junger Ungar, hat das KZ Bergen-Belsen überlebt und ist körperlich verwüstet, doch geistig ungebrochen. In einem schwedischen Erholungsheim findet er im Juli 1945 Zuflucht und schreibt sogleich über hundert Briefe an Frauen aus seiner Heimatstadt, die ebenfalls in Schweden gestrandet sind.
 

Aussichtslose Liebe

Information

 (Bild: Verlag)

Péter Gárdos "Fieber am Morgen"

Übersetzt von Timea Tankó
256 Seiten, € 22,00
ISBN: 978-3455405576
Hoffmann und Campe
September 2015

Viele antworten, doch Miklós entscheidet sich für eine, Lili, die in einem Auffanglager hunderte Kilometer von ihm entfernt um ihre körperliche und vor allem geistige Heilung ringt und eher aus Langeweile denn aus echtem Interesse antwortet. Ihr Brief rührt Miklós dennoch zutiefst und er weiß sogleich, in Lili die Frau fürs Leben gefunden zu haben. Es ist der Beginn einer eigentlich unmöglichen Beziehung.

Denn Miklós ist dem Tode geweiht: Sechs Monate habe der vom Lager Gezeichnete noch, so die Ärzte, höchstens. Allein, der Ungar findet sich mit diesem Urteil nicht ab und kämpft entschlossen gegen die Erkrankung. Es ist vor allem der rege Briefwechsel mit Lili, der ihn am Leben erhält und aus dem sich eine zarte Liebesbande zweier unsagbar verletzter Menschen entwickelt. Tatsächlich beginnt die Lungenerkrankung entgegen aller Erwartungen zu heilen, doch da zeichnen sich weitere Schwierigkeiten ab.

Die Kraft des Menschen

Der Film- und Theaterregisseur Péter Gárdos beschreibt in seinem Debütroman die so ungewöhnliche wie anrührende Lebensgeschichte seiner Eltern, die er selbst erst nach dem Tod seines Vaters erfahren hat. Zwar wusste er, dass die beiden sich Briefe geschrieben hatten und daraufhin ineinander verliebten, doch erst, als die Mutter ihm überraschend besagte Briefe aushändigte, wurde ihm klar, was tatsächlich geschah und welch enormen Schwierigkeiten seine Eltern trotzten.

Immer wieder umkreist der Roman denn auch ein wenig verwundert die unerhörte Lebenslust, mit der vor allem der Vater die Leiden und Beschädigungen zu überwinden sucht und damit Lili für sich einnimmt und schlussendlich erobert. Bezeugungen dieser reinen Daseinsfreude sind die Briefe der beiden, die Gárdos ausgiebig zitiert und um die herum er schnörkellos und deshalb umso wirkungsvoller seine liebevolle Bewunderung des elterlichen Aufbegehrens gegen jedes Unbill beschreibt. Am Ende bleibt das Staunen über die Seelenstärke des Menschen.

Vorgestellt von Roman Halfmann
 
Redaktion: nrc
Bild: © Marianna Sárközy
Letzte Aktualisierung: 26.10.2015, 11:42 Uhr
 
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