15.10.2015

Autorenporträt Nika Lubitsch

Bestseller-Autorin dank Amazon

Nika Lubitsch (Bild: Nika Lubitsch)
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Nika Lubitsch
Sie hat es geschafft, wovon viele träumen. Nika Lubitsch hat ein altes Manuskript aus der Schublade geholt und bei Amazon hochgeladen. Was dann passierte, hätte sie selbst am wenigsten erwartet.
 
Von Andrea Enk, hr

Kindle Direct Publishing (KDP) von Amazon hat die Krimis von Nika Lubitsch zu Bestsellern gemacht. Zehn hat siche mittlerweile geschrieben. Sie war eine der ersten, die mit E-Books richtig durchgestartet ist. Doch ihre Krimis wird man im Buchhandel nicht finden, denn der Weg dorthin ist ihr versperrt. Nika Lubitsch ist das Pseudonym der Autorin Monika von Ramin, die auch Sachbücher bei Verlagen veröffentlicht. Vor ihrem Durchbruch als Schriftstellerin leitete sie eine eigene Kommunikationsagentur.
 

Aus Neugierde zum Bestseller

Als die Autorin ihren Krimi "Der 7. Tag" im Sommer 2012 bei Kindle Direct Publishing hochlud, hätte sie nicht erwartet, dass ihr Buch so durch die Decke gehen würde. Aus "reiner Neugierde" stellte sie das Manuskript damals ein, erzählt sie im Gespräch. Den Krimi hatte sie bereits 1999 geschrieben und vor dem Upload schnell aktualisiert. Die ersten Tage bot sie ihn kostenlos an. Innerhalb einer Woche wurde er über 5.000 Mal heruntergeladen. "Das kann ja keiner mehr kaufen, die ganzen Leser sind ja schon weg", dachte sie, als sie das Buch dann in den Verkauf gab. Da irrte sie sich! Das Buch wurde gekauft und verdrängte sogar "Fifty Shades of Grey" von der Bestseller-Liste. Die Filmrechte hat sich Erfolgsproduzent Oliver Berben gesichert.
 

Klare Positionierung Pro Amazon

Nika Lubitsch weiß, dass sie Amazon ihren Erfolg verdankt. Und das sagt sie ganz offen. Auch, dass sich ein Verlagsvertrag für sie eigentlich gar nicht lohne, da sie das meiste Geld über Downloads der E-Books verdiene und nicht über Print-Ausgaben. Die Konditionen der großen Self-Publisher-Plattformen seien für sie einfach interessanter, vor allem, weil sie sich um alles selbst kümmere und über keinen Zwischenhändler gehe. "Die Marktmacht von Amazon stärkt auf jeden Fall auch die Macht der Autoren", so Lubitsch. Wer sich so klar positioniert, dem bleiben allerdings die Türen des Buchhandels verschlossen. Obwohl Lubitsch mittlerweile auch über Tolino verkauft, an dessen System viele Buchhandlungen angeschlossen sind – an eine Lesereise ist nicht zu denken. Auch Kulturämter oder Bibliotheken fragen dafür nicht an.
 

Digital macht’s möglich

Nika Lubitsch gehört mit 61 Jahren nicht zur digitalen Generation. Doch sie hat sich eingearbeitet, hat eine Fanseite angelegt, schreibt regelmäßig in ihrem Blog und präsentiert sich auf Facebook. Veröffentlicht sie ein neues Buch, nimmt sie erst einmal Geld in die Hand für Lektorat und Coverdesign. Da sie auch Lizenzen ins Ausland verkauft hat, macht sie internationale Ausschreibungen für das Layout. So wurde zu Beispiel ein Cover in Indonesien entworfen.
 

Papier versus Bildschirm

In Zukunft werden sich die unabhängigen Autoren neben den Verlagsautoren etablieren, denkt Lubitsch. Doch nicht jeder, der schreibt, könne, auch als Self-Publisher bestehen. "Als Self-Publisher muss man sehr viel mehr schreiben, um nicht vergessen zu werden", so die Autorin. Denn die Wahrnehmung von Print-Buch und E-Book sei völlig unterschiedlich. "Wenn ich mir von einem unbekannten Autor ein E-Book runterziehe, gucke ich einmal auf den Autorennamen und that's it. Ich sehe nie mehr den Namen, weil ich mich nur in dem E-Book bewege. Und deshalb sagen alle Self-Publisher, man müsse mindestens drei Bücher pro Jahr veröffentlichen. In vier Monaten ein Buch zu schreiben, ist schon ordentlich," erklärt Lubitsch.
 

"Goldene Zeiten für Menschen, die schreiben"

"Tu's! Schreibe!", rät Lubitsch allen, die Schriftsteller werden möchten. "Es sind goldene Zeiten für Menschen, die meinen, schreiben zu müssen." Aber man müsse auf jeden Fall von sich selbst überzeugt sein. Lubitsch meint: "Du musst gegen deinen eigenen Bücherschrank anschreiben. Da hat schon eine Patricia Highsmith drin gesessen und mich ausgelacht. Die hat gesagt: Hey, du bist schon 27, ich war mit 21 schon weltberühmt!" Durch Self-Publishing habe heute jeder die Möglichkeit, veröffentlicht zu werden. Ob die Leser es mögen oder nicht mögen, sei eine andere Geschichte. Lubitsch freut sich: "Self-Publishing ist eine Tür, die uns aufgemacht worden ist, die auf Dauer das Literaturgewerbe bereichert."
 

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Redaktion: anen
Bild: © Nika Lubitsch
Letzte Aktualisierung: 19.10.2015, 14:51 Uhr
 

GLOSSAR:

 

Buchpreisbindung

Aufgrund der gesetztlich geregelten Buchpreisbindung müssen Verlage für jedes Buch einen unveränderbaren Preis festsetzen. Dieser gilt für den Letztverkäufer (i.d.R. Buchhandlungen) verbindlich.

Distributor

Zwischenhändler für Self-Publisher. Das Buch wird einmal eingestellt und der Dienstleister verteilt es dann über sein Vertriebsnetz, das sämtliche Online-Kanäle sowie den Buchhandel umfasst.

E-Book

E-Book steht für elektronisches Buch. Es kann auf in digitaler Form auf E-Book-Readern oder mit spezieller Software auch auf Smartphones, Tablets etc. gelesen werden.

E-Reader

Elektronisches Lesegerät für E-Books. Neben dem Kindle von Amazon und Tolino gibt es noch zahlreiche weitere E-Reader auf dem Markt.

Imprint

Mit Imprints teilen große Verlage ihr Programm in mehrere Segmente ein. Sie dienen dem Marketing gegenüber Buchhändlern und Endkunden. Neue Programmbereiche etablieren Verlage häufig mit Imprints, um das Verlagsprofil nicht aufzuweichen.

Hybrid-Autor

Ein Autor, der sowohl bei einem Verlag als auch als Self-Publisher veröffentlicht.

ISBN-Nummer

Die Internationale Standardbuchnummer (ISBN) dient zur eindeutigen Identifikation von Büchern weltweit. Die ISBN-Nummer wird auf der ganzen Welt nur einmal vergeben

Kindle

E-Reader von Amazon. E-Books für den Kindle können ausschließlich im Kindle-Shop von Amazon gekauft werden.

Kindle Direct Publishing (KDP)

Self-Publisher-Plattform von Amazon. Ging 2011 mit dem Kindle Shop in Deutschland online.

Print-on-Demand

Mit Print-on-Demand sind Kleinstauflagen möglich. Erst bei Bestellung wird ein Buch gedruckt.

Selbstverleger

Ein Autor, der keinen Verlag hat, über den er veröffentlicht. Gegenteil von Verlags-Autor. Synonym für Self-Publisher, unabhängiger Autor und Indie-Autor.

Stationärer Buchhandel

Umfasst alle Buchhandlungen mit einem Ladengeschäft

Tolino

E-Reader. Konkurrenzprodukt zu Amazons Kindle. Wird über die Tolino-Allianz vertrieben.

Tolino-Allianz

2013 gründeten die Buchhändler Club Bertelsmann, Hugendubel, Thalia und Weltbild gemeinsam mit der Deutschen Telekom die Tolino-Allianz als Konkurrenz zu Amazon. Gemeinsam vermarkten sie den E-Reader Tolino. Mittlerweile sind der Buchgroßhändler Libri sowie die Mayersche Buchhandlung und die Buchhandlung Osiander ebenfalls Partner.

Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB)

Mit dem Eintrag in das VLB kann jede Buchhandlung in Deutschland ein Buch anhand der ISBN-Nummer bestellen.
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