Link zu hr-online Link zu hr2 kultur Link zu hr fernsehen

Die erste Blackberry-documenta

Carolyn Christov-Bakargiev lässt uns in ihren Laptop blicken

Carolyn Christov-Bakargiev (Bild:  picture-alliance/dpa)
Carolyn Christov-Bakargiev
Das erste Kunstwerk der documenta 13, die Anfang Juni 2012 eröffnet, steht schon: ein bronzener Baum mit einem Stein in der Krone, ein Werk von Guiseppe Penone. Dorthin, und damit in den Auepark, führt Carolyn Christov-Bakargiev auch Künstler, mit denen sie zusammenarbeiten will.
 

Thema in

Sendungslogo
15.09.2011, 22:45 Uhr
Diesmal ist der Argentinier Adrián Villar Rojas an der Reihe. Was erwartet nun uns Besucher im nächsten Jahr? Auf jeden Fall: viele Projekte in Kassel selbst, im Auepark und an neuen Orten wie dem heruntergekommenen Hugenottenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Kassel gilt der offenen und sympathischen documenta-Macherin als Modell für „Zusammenbruch und Neuerfindung“, so das Motto der nächsten Weltkunstausstellung. „Das wird die erste Blackberry-documenta“, lacht Carolyn Christov-Bakargiev. Fest steht: die Frau ist in ständigem Kontakt mit Künstlern aus aller Welt. Und sie gibt „hauptsache kultur“ Einblicke in ihre Arbeitsweise, lüftet ein erstes Geheimnis!

Bericht: Carola Wittrock

Mehr auch unter d13.documenta.de
 

Text des Beitrags

Sie empfängt uns in ihrer Kasseler Wohnung – mitten in der Arbeit. Jeder will gerade von ihr wissen, wie sie aussieht, die nächste documenta. Wer die Künstler sind. Doch für Carolyn Christov Bakargiev ist noch vieles offen.

"Die Wahrheit ist, ich weiß noch nicht, wie die Documenta sein wird."

Sie ist in vielen Ländern und Sprachen zuhause, die Tochter eines bulgarischen Arztes und einer italienischen Archäologin. Das macht es ihr leicht, sich mit Künstlern, Literaten und Wissenschaftlern auszutauschen.

"Ich fühle mich manchmal wie beim Murmelspiel, wenn die Kugeln in alle Richtungen rollen. Man kann nicht genau sagen, was daraus entsteht. Wir haben jedenfalls schon über hundert Künstler eingeladen. Entschuldigung, mein Blackberry. Das ist übrigens die erste Blackberry-documenta."
 

30 Künstler im Park

"Ich muss jemanden treffen. Wo ist er denn?" Im Auepark ist sie mit einem Künstler verabredet. Die documenta-Chefin hat mit dem Park viel vor. Hier sollen 30 Künstler ausstellen, in freier Natur. Das erste Kunstwerk steht schon: eine Baumskulptur von Guiseppe Penone. Hier trifft sie den Künstler Adrián Villar Rojas. Gerade aus Argentinien gekommen, lässt er sich das Kunstwerk erklären. Eine Hommage an die 7.000 Eichen, die Joseph Beuys einst in ganz Kassel pflanzen ließ.

"Das kleine hier ist ein echter Baum. Und der große da ist aus Bronze. Und so ist es ähnlich und doch ganz anders als bei Beuys 7.000 Eichen. Hier ist der Stein ja auch in der Baumkrone. Und nicht wie bei Beuys am Boden. Bei Beuys wächst der Baum über den Stein hinaus, aber der hier wird den Stein dabei nie erreichen."

Zurück in ihre Kasseler Wohnung.

"Ich habe zwei Arten von Notizbüchern: mein altmodisches und dann das hier. Dieses Video habe ich neulich aufgenommen, als ich in Pnom Phen war. In Kambodscha. Beim Besuch eines documenta-Künstlers, der gerade an seinem Projekt für Kassel arbeitet."

Das ist natürlich kein Kinofilm. Es sind nur Notizen, damit ich mich später erinnern kann.
 

Zusammenbruch und Wiederaufbau

"Die Orte, die ich aufsuche, sind Orte dramatischer Erfahrungen wie Zusammenbruch und Wiederaufbau zu unterschiedlichen historischen Zeiten. So wie Kassel oder Pnom Phen.

Zusammenbruch und Wiederaufbau – ein Leitmotiv der kommenden documenta. Christov-Bakargiev ist auf ihren Exkursionen durch Kassel darauf gekommen. Als ihr klar wurde, wie sehr die Stadt im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Und wie tief das Trauma ihrer Bewohner sein muss.

Einer ihrer Berater ist der Künstler Pierre Huyghe, der ebenfalls Kassel in den Mittelpunkt stellen will.
 

Christov-Bakargiev liefert mehrere Puzzle

"Ich kannte Kassel von den documentas. Allerdings bist du da sehr auf die Kunst konzentriert. Und du bekommst nicht wirklich mit, wie sehr die Stadt durch den Krieg zerstört wurde. Diese Katastrophe war für mich nicht sichtbar. Das habe ich erst gemerkt, nachdem ich Kassel ohne documenta kennen lernte."

Anders als ihre Vorgänger will Christov Bakargiev die Stadt stärker in die documenta einbinden. Mit vielen kleinen Ausstellungsorten. Die sie auf ihren Spaziergängen entdeckt. So wie dieses leer stehende Haus.

"Ich habe es entdeckt, weil mir die Fassade aufgefallen ist. Die war irgendwie seltsam. Diese Hugenottenhäuser, sehen aus, wie einfache Häuser aus dem 20. Jahrhundert. Sind sie aber nicht! Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert. Das ist interessant!"

Diese Bruchbude als Ausstellungsort für die documenta? Schwer vorstellbar. Vielleicht verwirft sie die Idee auch wieder.

"Ich zeige ihnen ein kleines Puzzle. Seit ein paar Monaten veröffentliche ich diese Notizbücher. Melissa, könnten Sie mir mal helfen. Niemand ist es bisher aufgefallen, niemand hat mich zu diesem kleinen Geheimnis befragt. Es ist eine Kleinigkeit. Aber eine Metapher wie ich arbeite."

"Diese Notizbücher ergeben ein Bild. So wie die documenta am Ende ein Bild ergeben wird. Ein künstlerisches, ein ästhetisches, ein philosophisches. Ein Bild, das sich aus all diesen Teilen zusammensetzt. Das Puzzle ergibt das Bild des Friedericianums, kurz nach der Bombardierung."
 
Redaktion: aba / mad
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 11.07.2013, 13:56 Uhr
 
 
 

Kunst mit Küchle

Was will der Künstler nur damit sagen? hr-Reporterin Tanja Küchle rückt den Werken der documenta auf den Leib.

Kunst in 60 Sekunden

Das waren die Highlights von hr-Kulturredakteur Rudolf Schmitz.
Prominente, Experten und Kunstinteressierte stellen im Video ihre drei Lieblingswerke vor.
 

documenta-Kurzführer

Was ist eigentlich die documenta? Warum findet sie in Kassel statt? Wer organisiert die Kunstschau? Kurz und knapp, alles was Sie über die documenta 13 wissen müssen.

tEEN aUDIO dOCU

Wie klingt es, wenn Jugendliche anderen Jugendlichen die documenta erklären? Sieben nordhessische Schulen haben Schülerreporter losgeschickt - mit erstaunlichen Ergebnissen.

So sahen unsere User die documenta

Riesige Schrotthaufen, rosabeinige Hunde, kopflose Anzüge - die Fotos unserer User. [mehr]
Ihre Fotos von der documenta

Zieleinlauf mit Sexophone

Mehr Kunst geht nicht: Zehn Stunden dauert die Marathon-Führung durch die documenta. hr-Reporterin Andrea Löffler ist mitgelaufen - eine Erfahrung zwischen Erschöpfung und unerwartetem Höhepunkt. [Web-Reportage]

Begleiten statt führen

Acht "Weltgewandte Begleiter" erklären, warum sie bei der documenta mitmachten. Link [Bildergalerie]
Link "Zusammentreffen auf Augenhöhe" [mehr]
Link Vom Ex-Minister bis zum Schäferhund [Audio]
 
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.