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Beuys Eiche mit Basaltpfahl (Bild:  picture-alliance/dpa)
Am 16.03.1982 pflanzte Beuys die erste der 7.000 Eichen
16.03.2012

Joseph-Beuys-Straße

Eine Straße für den "Kunst-Erpresser"

Es ist das documenta-Kunstwerk, das Kassel wohl am stärksten geprägt hat: Vor 30 Jahren startete Joseph Beuys seine "Stadtverwaldung". Zum Jubiläum benannte die Stadt eine Straße nach dem Künstler.
 
Die Empörung in der Stadt war groß - da lagen vor dem ehrwürdigen Fridericianum 7.000 graue Basaltsäulen übereinander gestapelt - ein "Schandfleck" meinten viele damals. Angekarrt hatte sie Joseph Beuys. "7.000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung", hieß sein Projekt zur documenta 7. Eine Provokation. Seine "Erpressung": Für jeden neu gepflanzten Baum in der Stadt würde er eine Säule vor dem Fridericianum wieder entfernen. Vor 30 Jharen, am 16. März 1982, konnte Beuys die erste dieser 7.000 Eichen pflanzen.
 
"Ihm war bewusst, dass die Umsetzung des Projekts deutlich länger dauern würde, als die 'documenta' selbst", sagt Volker Stockmeyer, Vorsitzender der Stiftung "7000 Eichen". Heute, exakt 30 Jahre später, stehen in Kassel nach wie vor knapp 7.000 der sogenannten Beuys-Eichen. "40 dürften es aktuell weniger sein. Wir müssen immer wieder nachpflanzen", sagt Stockmeyer. Viele Bäume müssen Baumaßnamen der Stadt weichen. "Daher trägt die Stadtkasse auch die anfallenden Kosten."
 
Kunst, die die Stadt veränderte

Die Stadt hat mit Beuys längst ihren Frieden geschlossen. Das Projekt habe das Erscheinungsbild der Stadt Kassel verändert und die Rolle der Kunst im gesellschaftlichen Leben neu bestimmt, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD). "Die soziale Plastik sollte Kassel verändern und hat es verändert". Zum Jubiläum wurde in Kassel eine Straße nach Beuys benannt. "Die Stadt ehrt mit der Straßenbenennung einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts", so Hilgen.

Die bisher namenlose Straße führt am Kulturbahnhof vorbei, liegt eher abseits in einem unscheinbaren Stadtteil. "Das ist wirklich keine besonders schöne Gegend. Aber Beuys wollte ja mit seiner Aktion die Stadt verschönern, ins Positive verändern und zu neuem Leben erwecken", so Stockmeyer. Daher passe die Straße ideal ins Gesamtkonzept. In der Nähe des Kulturbahnhofs wurde auch eine Beuys-Eiche gepflanzt - als Symbol für einen Neuanfang des Areals.
 

Ständige Veränderung ganz im Sinne Beuys

Durch das ständige Fällen und Pflanzen der Bäume verändert sich Beuys Kunstwerk kontinuierlich. "Es bleibt genau dadurch am Leben. Und das dürfte in seinem Sinn sein", sagt Stockmeyer. Wichtig sei nur, dass die neuen Beuys-Eichen im Stadtzentrum Platz finden. "Wir wollen nicht den Wald am Stadtrand vergrößern. Und das machen wir auch nicht", fügt er lachend hinzu. Und so pflanzen die Mitglieder nach und nach in der Kasseler Innenstadt neue Eichen – bis es wieder 7.000 sind.
 
Laut Stockmeyer sorgt die Stiftung dafür, dass Beuys Kunstwerk im Bewusstsein der Menschen bleibt. Dabei helfen die Bürger Kassels aktiv mit. "Über unsere Homepage melden uns die Bewohner immer wieder, wenn ein Baum krank ist oder wenn ein Basaltpfahl beschädigt wurde", sagt Stockmeyer. Dass dieses Kunstwerk inzwischen fest mit der Stadt Kassel und den Einwohnern verbunden ist, dürfte Beuys zufrieden stellen. "Er wollte das Stadtbild nachhaltig verändern. Und das wird er auch noch in vielen, vielen Jahren", so Stockmeyer.
 
Redaktion: paab / aba
Letzte Aktualisierung: 17.03.2012, 12:33 Uhr
 
 
 

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