Ich sehe bunte Kabel und rotes Laserlicht. Drei Glaskästen für verschiedene Experimente erinnern mich an meine Schulzeit. Chemie, Physik, womöglich Kunst? Was wird hier gespielt? "Keine Ahnung! Ich weiß es net", sagt ein Besucher. Und so geht es anscheinend den meisten Besucher im ersten Stock des Fridericianums. Sie sind genauso ratlos wie ich. Für solche wie uns ist Robert Fickler da, Doktorand bei Professor Anton Zeilinger. Der ist eine Koryphäe der Quantenphysik und der Kopf hinter diesen mysteriös wirkenden Versuchsanordnungen.
Alles eine Frage des Blickwinkels
Robert soll interessierten Besuchern hier Rede und Antwort stehen. "Wenn man die Frage stellt, was eigentlich Licht ist, dann kommt man bei unterschiedlichen Experimenten in Widersprüche", sagt er. Lange sei die Meinung vertreten worden, dass Licht eine Welle sei. Um das zu zeigen tritt er an die erste Versuchsanordnung: ein Kasten, in dem ein weißer und ein blauer Draht in Schlangenlinien aufgeklebt sind.
Durch die Drähte läuft das Licht das sieht man allerdings nicht. Auch nicht die angebliche Wellenform. Zu sehen ist lediglich, auf einer weißen Scheibe gegenüber, ein roter Lichtpunkt. Wenn ich meine Hand über die Drähte halte, sind es plötzlich zwei Lichtpunkte, die flackern.
Was gespenstisch wirkt, ist ganz einfach erklärt: meine Körpertemperatur beeinflusst die Leitfähigkeit der Drähte. Was nun allerdings die so genannte "destruktive" und "konstruktive Wellenüberlagerung" mit den roten Lichtpunkten zu tun hat? Keine Ahnung. Ich nicke trotzdem verständig, denn Robert hat sich wirklich Mühe gegeben, und auch seine vierte Erklärung wird es mir nicht plausibler machen. Ich vermute, dazu fehlt mir einfach das physikalische Basiswissen.
Jetzt gehen wir zur Versuchsanordnung Nummer zwei in historischer Reihenfolge. Nach der Welle, kam die Idee vom Licht als Teilchen. Ich soll mir die Licht-Atome wie Billiardkugeln vorstellen. Ok. Sie heißen Photonen. Das hab ich schon mal gehört. Tack, Tack - so hören die Photonen sich an, wenn sie gemessen werden: "Das ist der Widerspruch", erklärt Robert. "Licht verhält sich in dem ersten Fall wie ne Welle, und hier verhält sichs wie Licht, als wärs ein Teilchen."
Nur ein Bild der Wirklichkeit
Experiment Nummer drei beweist sogar: Licht ist beides, sowohl Welle als auch Teilchen. Die Quantenphysik lässt sogar die Deutung zu, Licht sei etwas ganz anderes. So langsam dämmert es mir: Hier geht es gar nicht um die Frage, was Licht ist. Sondern darum, zu erkennen, dass Licht ob als Welle oder Teilchen oder was auch immer nicht die Wirklichkeit ist, sondern nur ein Bild, mit dem wir uns die Welt erklären. "Widdewiddewitt" sozusagen. Vom Prinzip her funktioniert die Quantentheorie also ähnlich wie die Kunst letzten Endes kommt es immer auf die Interpretation des Betrachters an.
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[Web-Reportage]