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Die Turmfigur von Stephan Balkenhol (Bild: Fernando Vargas)
Passt nicht ins documenta-Konzept: Die Turmfigur von Stephan Balkenhol
9.05.2012

Kunststreit

Turm-Mann verärgert documenta-Chefin

Einen Monat vor Eröffnung der Kunstschau streiten documenta und Kirche in Kassel um ein Kunstwerk. Es geht um eine lebensgroße Figur in einem Kirchturm. Die passe nun so gar nicht in ihr Konzept, moniert die documenta-Chefin.
 
Mit ausgebreiteten Armen balanciert der Mann auf einer goldenen Kugel. Schon von weitem ist die Skulptur oben im Kirchturm der katholischen Sankt-Elisabeth-Kirche am Friedrichsplatz zu sehen. Sie ist Teil einer Ausstellung der Kirche, die die documenta begleiten soll. Die Figur des Künstlers Stephan Balkenhol wirkt so realistisch, dass am Montag ein Spaziergänger den Mann gar für einen Selbstmörder hielt und die Feuerwehr rief. Die musste zum Glück nicht eingreifen. Jetzt aber schlägt die documenta Alarm.
 

"Schockiert" und "traurig"

"Die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev fühlt sich von dieser Figur bedroht", sagte documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld am Mittwoch und sprach von einem "autoritären Akt".
 
Christov-Bakargiev hatte sich selbst bereits zuvor in der "HNA" "schockiert" und "traurig" über das Werk geäußert. Sie habe nichts gegen den aus Fritzlar stammenden Künstler, der auch schon Lehrer am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt war. Das spektakuläre Werk konterkariere aber die Art und Weise, wie die internationale Kunstausstellung den Friedrichsplatz selbst bespielen wolle.

Friedrichsplatz im Zeichen der Ökologie

Die documenta-Chefin will den Platz im Zeichen der Ökologie inszenieren. Die Kunstschau ist dort mit einem bislang noch mit Planen verhüllten Hochbeet vor dem Opernhaus vertreten. Wie bestätigt wurde, handelt es sich dabei um ein Projekt der Künstlerin Kristina Buch, bei dem hunderte von Pflanzen dutzende Schmetterlingsarten anziehen sollen. Der Mensch soll in diesem Ensemble höchstens als Randfigur auftreten. Die Skulptur oben im Kirchturm stört da wohl nur.
 

Verhärtete Fronten auf beiden Seiten

Der Künstler selbst lehne es ab, seine Werke zu erklären, sagte Baumanns, der die Ausstellung in der Kirche betreut hat: "Sie sollen ihr Geheimnis behalten". Die Einschätzung der documenta-Leiterin, die Arbeit wirke "gewaltsam", teilt er nicht: "Das ist eine Figur, die die Hybris zeigt - nicht, die die Macht zeigt."

Baumanns bestätigte, die documenta habe in Gesprächen angeregt, die Kirche solle ganz auf eine Ausstellung verzichten. Doch das lehne er ab. Die Ausstellung sei ein Teil des städtischen Kulturprogramms "Kasselkultur 2012". "Wir würden uns freuen, wenn die Kirche Respekt gegenüber der documenta zeigen würde", hält Leifeld dagegen.
 
 
Redaktion: aba / cawo
Letzte Aktualisierung: 9.05.2012, 21:17 Uhr
 
 
 

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