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Gregor Schneider (Bild:  picture-alliance/dpa)
Die documenta hat eine Ausstellung von Gregor Schneider verhindert.
15.05.2012

documenta contra Kirche

Kunst verhindert Kunst

Die documenta hat offenbar eine Ausstellung des renommierten Künstlers Gregor Schneider in Kassel verhindert. Das bestätigte der Direktor des evangelischen Kirchenbauinstituts. Schneider spricht von "Maßnahmen wie in einer chinesischen Kleinstadt".
 
Der Konflikt zwischen documenta und Kirche zieht weiter Kreise. Nachdem die Leitung der Kunstschau vor einigen Tagen gegen eine Ausstellung des Künstlers Stephan Balkenhol auf dem Turm der katholischen Sankt Elisabethkirche protestierte, wurde nun bekannt, dass es auch Auseinandersetzungen zwischen documenta und evangelischer Kirche in Kassel gab.

Der Konflikt, den die katholische Kirche derzeit mit der documenta-Leitung erlebe, sei mit der evangelischen Kirche bereits gelaufen, sagte jetzt der Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thomas Erne, der evangelischen Mitarbeiterzeitschrift "blick in die kirche", die am 26. Mai in Kassel erscheint.
 
Demnach wollte der renommierte Mönchengladbacher Künstler Gregor Schneider zur documenta-Zeit eine Installation an der Karlskirche anbringen - die Überreste eines Festes in Kalkutta. Für die Installation an der Karlskirche hatte die Kirche auch schon ein Budget von 70.000 Euro bereit gestellt.

"Politisch klug, aber bedauerlich"

Die Vorbereitungsgruppe, zu der auch Erne gehört habe, habe allerdings den "Fehler gemacht, die documenta-Leitung vorher zu fragen". Als es dann zum Konflikt kam, habe die Kirchenleitung auf die Kunstaktion verzichtet. Es sei absonderlich, dass das Konzept der documenta vorsehe, aus allen möglichen Perspektiven auf die Gegenwartskunst zu blicken, nur nicht aus der Perspektive der Religion, kritisierte Erne. Dass die evangelische Kirche sich diese Ablehnung gefallen lasse, indem sie sich zurückziehe, sei vielleicht politisch klug, aber eigentlich bedauerlich.

Erne warf der documenta-Leitung vor, die Deutungsmacht über die Gegenwartskunst für sich in Anspruch zu nehmen. Der heftige Protest gegen die Holzskulptur des Künstlers Stephan Balkenhol auf dem Turm der katholischen Sankt Elisabethkirche sei auch Ausdruck einer "hegemonialen Position", die man früher immer der katholischen Kirche vorgeworfen habe, sagte Erne.
 

"Maßnahmen wie in chinesischer Kleinstadt"

Auch Gregor Schneider zeigte sich von der documenta-Leitung enttäuscht: "Das Verhalten der 'documenta' ist einfach nur beschämend und macht mich sprachlos", sagte er am Dienstag der Online-Ausgabe der "Rheinischen Post". Eine Maßnahme, wie die documenta sie durchsetze, lasse sich sonst "vermutlich nur in einer chinesischen Kleinstadt verwirklichen."
 
Redaktion: sofo / wotu
Letzte Aktualisierung: 25.05.2012, 21:11 Uhr
 
 
 

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