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Carolyn Christov-Bakargiev bei der Reinigung des Kunstwerks "Negative Form" von Horst Hoheisel im März 2011. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Carolyn Christov-Bakargiev bei der Reinigung des Kunstwerks "Negative Form" von Horst Hoheisel im März 2011.
29.05.2012

documenta-Chefin Bakargiev

Kunstpäpstin, Provokateurin, Fragestellerin

In der kommenden Woche startet die documenta in Kassel. Geleitet wird die weltweit wichtigste Ausstellung für moderne Kunst von Carolyn Christov-Bakargiev. Wer ist diese Frau, die als "erbarmungslose Powerfrau" beschrieben wird?
 
Mit der Ernennung von Carolyn Christov-Bakargiev folgte die documenta-Findungskommission einer kleinen Tradition. Wie schon ihre Vorgänger der letzten drei documenten war auch die US-Amerikanerin mit italienischem Wohnsitz zuvor eher nur Insidern bekannt. Weder die allwissende Online-Enzyklopädie Wikipedia noch das renommierte Munzinger-Archiv kannten im Dezember 2008 ihren Namen.

Das hat sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren, die die blond gelockte Christov-Bakargiev nun schon die weltweit wichtigste Schau zeitgenössischer Kunst vorbereitet, geändert. Die 54-Jährige, die von den documenta-Verantwortlichen bei ihrer Vorstellung als "erbarmungslose Powerfrau" beschrieben wurde, ist Dreh- und Angelpunkt der 13. documenta-Auflage. "Eine gute Ausstellung sollte einen Standpunkt haben", betonte Christov-Bakargiev, die offenbar Themen wie Ökologie, Politik und Feminismus ins Zentrum ihrer Ausstellung stellt.
 

So bereitet Carolyn Christov-Bakargiev die documenta vor 

 
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Dass sie ein Großereignis wie die documenta stemmen kann, zeigte Christov-Bakargiev zuletzt in Sydney, wo sie unmittelbar vor ihrer Berufung nach Kassel die 16. Biennale leitete. Unter dem Motto "Revolutions: Forms That Turn" stellte sie Werke von rund 180 Künstlern – darunter auch documenta-Urgesteine wie Joseph Beuys und Thomas Bayrle – aus und lockte damit rund 430.000 Zuschauer in die australische Metropole. Das schien die Findungskommission der documenta überzeugt zu haben, die die US-Amerikanerinnen am Ende einstimmig wählte.

Italienisch-bulgarische Wurzeln"

Das Wort "documenta" spricht Christov-Bakargiev aber nicht mit amerikanischem, sondern italienischem Akzent aus. Kein Wunder, bildet die italienische Halbinsel seit mehr als drei Jahrzehnten ihren Lebensmittelpunkt. "Mein Herz schlägt nicht amerikanisch oder italienisch, es schlägt irgendwie mehrfach", sagte Christov-Bakargiev aber einmal, die in ihrer Biographie die unterschiedlichsten Einflüsse verbindet.

Geboren wird sie 1957 in New Jersey als Tochter einer italienischen Archäologin und eines bulgarischen Arztes. Sie wächst überwiegend in der Hauptstadt Washington auf, ehe sie nach ihrem Schulabschluss nach Italien geht.
 

Kritikerin und Kuratorin

In Pisa studiert Christov-Bakargiev Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte und schließt 1981 ihre Doktorarbeit mit "magna cum laude" ab. Anschließend zieht sie nach Rom, wo sie heute mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern Lucia und Rosa lebt. Von der italienischen Hauptstadt aus schreibt Christov-Barakagiev fortan als freie Kunsthistorikerin Kritiken für Zeitschriften und kuratiert internationale Ausstellungen, zunächst als Ko-Kuratorin und ab 1996 mit einer Schau über den italienischen Nachkriegskünstler Alberto Burri auch als Alleinverantwortliche.

1999 veröffentlicht sie das erste umfangreiche Werk zur "Arte Povera"-Bewegung in Italien. Zu den besonders von ihr verehrten Künstlern gehören der Franzose Pierre Huyghe und der Südafrikaner William Kentridge, zu dessen Werk sie Ende der 90er auch die erste Monografie publiziert. Beide Künstler lockte Christov-Bakargiev auch zur diesjährigen documenta. Nach erfolgreichen Ausstellungen in Rom und New York tritt sie 2002 die Stelle der Chefkuratorin am Castello di Rivoli in Turin an, einem unvollendeten Palast aus dem 18. Jahrhundert, der ein Museum für zeitgenössische Kunst beherbergt. Es folgen Ausstellungen in Düsseldorf, Montreal, Johannesburg und eben Sydney.
 

100 Bücher zur documenta 13

Ihr Amt als künstlerische Leiterin der documenta nahm Christov-Bakargiev mit Leidenschaft und Engagement an. Schon zwei Jahre vor der Ausstellung präsentierte sie mit der neun Meter hohen Bronzeskulptur "Idee di Petra" des Italieners Giuseppe Penone das erste documenta13-Kunstwerk in Kassel. Seit mehr als einem Jahr gibt Christov-Bakargiev unter dem Titel "100 Notizen – 100 Gedanken" eine Reihe von insgesamt 100 kleinen Büchlein zur documenta heraus, die von Autoren aus den unterschiedlichsten Disziplinen wie etwa Kunst, Politik oder Wissenschaft verfasst werden.

Den Erfolg der von ihre verantworteten documenta will sie an zwei Punkten festmachen: zum einen an den Besucherzahlen, aber auch daran, ob es ihr gelingt, für genug Gesprächsstoff über das Wesen der Kunst zu sorgen. "Wenn diskutiert wird, dann würde ich sagen: das war eine erfolgreiche Ausstellung. Kunst ist für mich ein Ort, um Fragen zu stellen, nicht um Antworten zu geben."
 
Redaktion: kahu / aba
Letzte Aktualisierung: 4.06.2012, 20:43 Uhr
 
 
 

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