Besetzt: Auf dem Friedrichsplatz entsteht ein "Doccupy"-Camp.
Lange haben die Occupy-Aktivisten im Frankfurter Bankenviertel gegen Auswüchse des Kapitalismus demonstriert. Jetzt hat die Bewegung einen neuen Ort gefunden auf der Kasseler documenta entsteht ein "Doccupy"-Camp.
Der Friedrichsplatz liegt im Zentrum der documenta, Treffpunkt des internationalen Publikums auf den Spuren der modernen Kunst. Eigentlich ist das der heilige Rasen der Stadt Kassel. Doch seit einigen Tagen sieht es hier aus wie auf einem Campingplatz. Aktivisten der Occupy-Bewegung, die lange ihre Zelte vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt aufgeschlagen hatten, leben jetzt im Bannkreis der Kunst.
Sebastian Droster war einer der ersten, die in Kassel ankamen. "Wir wollen Protest mit Kunst verbinden", sagt er. "Wir wollen ihm Rahmen der documenta für den Humanismus, für Ökologie und für Nachhaltigkeit eintreten. Und wir wollen die Leute dazu anregen, sich gegen den Kapitalismus zu stellen, indem sie mitmachen bei unseren Aktionen."
"Das bringt Farbe ins Leben"
Eine dieser Aktionen nennt sich lebendes Kunstwerk. Gabriel aus Berlin hat sich alte Klamotten angezogen und lässt sich von Passanten mit Farbe vollpinseln, von oben bis unten. "Weil unsere Welt in der momentanen Situation ziemlich grau und schwarz und weiß wirkt", erläutert er. "Ich möchte ein lebendes Kunstwerk sein und damit zeigen dass eine bunte Welt auch möglich ist, dass wir im Endeffekt eine wunderschöne Welt sind."
Der 23-Jährige kommt als lebendes Kunstwerk gut an. documenta-Besucher greifen zum Pinsel, um Gabriel noch etwas Grün auf die Brust zu klecksen oder seine Ohrläppchen gelb anzumalen. Auch viele Kasseler finden Gefallen an der Aktion vor dem Hauptgebäude der documenta. Ein älterer Herr kommentiert: "Das finde ich witzig. Das ist eine Alternative zu dem geleckten Publikum des Kunstbetriebes, zu dem Geleckten in der Gesellschaft, zu der Perfektion." Und: "Die Sache bringt Farbe ins Leben."
documenta toleriert die Camper
Obwohl es sich um wildes Campen in der Stadt handelt, hält das Ordnungsamt die Finger still. Während der d13 habe die Leitung der documenta das Verfügungsrecht über den Friedrichsplatz, heißt es aus dem Rathaus. Und seit die documenta-Chefin signalisiert hat, dass sie die Aktion gut findet und tolerieren will, wächst das Camp. Inzwischen stehen schon sieben Zelte auf dem Friedrichsplatz. Und nach Einschätzung von Christoph aus Nordhessen werden es bald mehr werden: "Das ist so eine Dynamik, die kennen wir schon. Natürlich habe ich auch in Frankfurt gepostet, dass wir hier stehen, da kamen die nächsten vier. Und ein paar Leute aus Berlin, die gerade bei der Biennale ihre Aktion machen, haben sich angekündigt."
Die Aktion passt zum Ausnahmezustand des Museums der 100 Tage, wie die documenta auch genannt. Die Mammut-Schau zieht nicht nur internationales Publikum nach Kassel, sondern auch viele bunte Vögel. Bei aller Unbeschwertheit ihres Auftritts geht es den "Doccupy"-Akitivisten aber um ein ernstes Anliegen, für das sie die Bühne der Kunstschau nutzen wollen. Darauf verweisen auch die Transparente, die neben den Zelten liegen. Sie kritisieren Börsenspekulation und soziale Ungerechtigkeit. Auf einem steht: Macht Geld wirklich glücklich?
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[Web-Reportage]