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19.06.2012

Ausstellung in Breitenau

Bambushalme gegen das Vergessen

 (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Auch das ehemalige KZ Breitenau ist Ausstellungsort der documenta 13. Als einzige Künstlerin stellt dort Judith Hopf aus. Im Interview erklärt sie, was sie mit ihrer Arbeit ausdrücken wollte.
 

Adresse

Gedenkstätte Breitenau

Brückenstraße 12, 34302 Guxhagen
Kaum ein Ort hat eine so wechselvolle Geschichte wie das ehemalige Benediktinerkloster Breitenau in Guxhagen bei Kassel. Erst Kloster, dann Lustschloss, später KZ und heute einer der Orte der documenta. Fast 100 Jahre lang wurden hier Seelen und der Wille von Menschen gebrochen.

Zunächst wurden die Gebäude ab 1874 als "Besserungsanstalt" für Bettler, Landstreicher und Prostituierte genutzt. Die Nazis machten daraus erst ein Konzentrationslager und im Zweiten Weltkrieg ein Arbeitserziehungslager. "Rund 8500 Nazi-Gegner und ausländische Zwangsarbeiter waren hier inhaftiert, viele starben", sagt Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau.

In diesen alten Mauern sehr wechselvoller Geschichte zeigt die in Karlsruhe geborene Künstlerin Judith Hopf bei der documenta nun höchst zerbrechliche Kunst.

Was hat Sie bewogen, in Breitenau auszustellen?

Judith Hopf: Die künstlerische Leiterin der documenta hat mich angesprochen, etwas für diesen Ort zu entwickeln. Das war eine schwierige Aufgabe. Der Ort ist geschichtlich stark eingebunden und ein wichtiger Bezugspunkt für die gesamte Ausstellung.
 

"Muss sich sensibel bewegen" 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (5 Bilder)
 
Sie zeigen übereinandergestellte Trinkgläser, die zusammen mit Blättern aus Papier wie gläserne Bambushalme aussehen. Warum?

Ich wollte keine Arbeit über den Ort machen, sondern mit Alltagsgegenständen ein verstellendes Moment in den Vordergrund rücken und etwas Ästhetisches in diesen Ort bringen. Die Arbeit habe ich als Idee entwickelt seit 2005. Ich wollte verhindern, dass die Besucher in den Raum hineinstürmen. Man muss sich sehr sensibel bewegen, damit man keinen Scherbenhaufen fabriziert. Das Glas ist auch bedrohlich. Die Glasstelen sind schwer, aber auch schön.

Sie stellen zudem im Fridericianum in Kassel Plastiken aus, die an die Bewohner Breitenaus erinnern sollen. Welche Verbindung besteht zu Breitenau?

Ich wollte den Ort über die Masken zurückspiegeln in die große Ausstellung documenta. Ich wollte Breitenau nicht abspalten. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Interesse an dem Ort gibt und die Menschen viel dafür tun, um das Werk zu sehen.

Judith Hopf, 1969 in Karlsruhe geboren, lebt in Berlin. Sie hatte Einzelausstellungen im Grazer Kunstverein (2012), im Badischen Kunstverein, Karlsruhe (2008), im Portikus, Frankfurt a. M. (2007), und in der Wiener Secession (2007). Ihre Arbeiten wurden bei Filmfestivals, wie den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen (2007), und in zahlreichen Gruppenausstellungen, u. a. bei der Bienal de la Habana (2003), präsentiert (Quelle: documenta)


Interview: Timo Lindemann, dpa
 
Redaktion: aba
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 19.06.2012, 13:55 Uhr
 
 
 

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