Die Künstlerin Sonja Töpfer verteilte am Dienstag in einem documenta-Pavillion Blutstropfen an Besucher - mit ungeahnten Folgen.
Sie habe die Ampullen weitergeben, um symbolisch Kraft zu spenden, sagt die Künstlerin Sonja Töpfer. Über die Folgen der Performance war sie dann aber doch überrascht. Die Gläschen hatten auf der documenta einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst
Von der Aufregung habe sie erst durch einen Freund erfahren. "Ich dachte er veräppelt mich", sagte Sonja Töpfer am Donnerstag im Gespräch mit hr1. "Ich habe diese Flaschen im guten Glauben daran gegeben, dass sie weiterwirken, aber im positiven Sinn. Da sieht man mal, was da bewirkt werden kann", so die Künstlerin schmunzelnd. Sie habe alle möglichen Szenarien geprüft, aber mit so etwas habe sie nicht gerechnet. Einerseits freue es sie, dass ihr Kunstprojekt eine so große Aufmerksamkeit erfahre, die "PR-Aktion", beteuerte sie, sei aber nicht geplant gewesen.
Die Polizei habe inzwischen Kontakt mit ihr aufgenommen und ihre Erklärung verstanden. Die Beamten hätten sich allerdings "ein bisschen entsetzt" gezeigt, dass die documenta-Leitung nichts davon wusste. "Ich habe gesagt, das ist ein großer Laden und die Kuratoren waren nicht mehr da". Die Kosten von bis zu 10.000 Euro für den Polizeieinsatz wird die Künstlerin wohl nicht übernehmen müssen.
Experten mit Hubschrauber eingeflogen
Mitarbeiter des documenta-Sicherheitsdienstes hatten am Dienstagabend im alten Zollamt am Hauptbahnhof verdächtige Glas-Ampullen entdeckt, in dem derzeit im Rahmen der Weltkunstausstellung Skulpturen ausgestellt werden. Da die herbeigerufene Feuerwehr den Inhalt nicht bestimmten konnte, wurde das Areal weiträumig abgesperrt.
Spezialisten des Landeskriminalamtes mussten mit dem Hubschrauber aus Wiesbaden eingeflogen werden. Am späten Dienstagabend gaben sie Entwarnung. Bei der verdächtigen Flüssigkeit handele es sich vermutlich um Speiseöl, so ihre Vermutung. Die Polizei vermutet Scherzbolde hinter dem Vorfall und sprach von einem "üblen Scherz". Dem war aber nicht so.
Filmblut in Reagenzgläschen
Die Reagenzgläser waren Teil der Performance "Hypostase Requiem" von Sonja Töpfer. Sie hatte im Rahmen des Projektes "Winning Hearts and Minds" Reagenzgläser mit Öl und einem Tropfen Filmblut gefüllt und sie am Kulturbahnhof an Besucher verschenkt - eine Aktion, die symbolisch Kraft verleihen sollte. Vermutlich hatten Gäste das Reagenzglas unbedacht am Hauptbahnhof abgestellt, was die die Sicherheitskräfte schließlich alarmierte.
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[Web-Reportage]