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1.07.2012

Kassel/Kabul

documenta weckt Hoffnung

Der Künstler Abul Q. Foushanji vor seinem Gemälde "By the colours of the flag" in Kabul. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Der Künstler Abul Q. Foushanji vor seinem Gemälde "By the colours of the flag" in Kabul.
Kunst trotz Krieg: Die documenta-Außenstelle in Afghanistan beschwört die Parallele zwischen Kassel und Kabul - und versucht ein bisschen Hoffnung in das zerrüttete Land zu bringen - was offenbar gelingt.
 
Ist das wirklich Afghanistan? Alles so ruhig, hier in Bagh-E-Babur. Eine Oase der Ruhe, Menschen flanieren durch den Palast, der einst vom mogulischen König Babur Schah erbaut wurde. Im Garten machen sie Rast, lassen sich fotografieren vor einer Skulptur des Argentiniers Adrian Villar Rojas.

Jahre des Krieges haben die Kunst in Afghanistan praktisch ausgelöscht. Den Rest hat das Verbot der Taliban getan, die Kino, Theater, Musik und Bildende Kunst als "unislamisch" werten. Nun ist die Kunst nach Afghanistan zurückgekehrt. Afghanistans Hauptstadt ist einer der Schauplätze der documenta in Kassel
 

documenta am Hindukusch
 

Ausstellungseröffnung im Queen’s Palace
 
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Ein Junge spaziert über einen sowjetischen Panzer: Ein Bild des afghanischen Fotografen Zalmai. "Ich möchte zeigen, wie Krieg und Frieden zusammen existieren und vielleicht ist die Kraft des Lebens ja stärker, als die Maschine, die es zerstören will", sagt er in den tagesthemen der ARD. Auch die junge afghanische Künstlerin Zainab Haidary stellt in Kabul aus. "Jeder weiß doch, was in Afghanistan passiert, klar das beeinflusst mich. Mir geht es besser, wenn ich male", sagt sie.
 
Während ihrer Herrschaft in Afghanistan hatten die Taliban von 1996 bis 2001 Kunst verboten. Doch auch nach ihrem Sturz ist der Alltag vieler Afghanen von blutigen Kämpfen mit den Aufständischen geprägt. Die Förderung der Kunst ist da eine Nebensache für die Regierung in Kabul geblieben. Lokale Künstler haben es schwer, ihre Werke in der Heimat auszustellen.

"Afghanen nehmen moderne Kunst nicht so sehr wahr. Ihnen meine zu erklären, ist etwas schwierig", sagt Abul Q. Foushanji, dessen Werke auch sowohl in Kassel als auch Kabul zu sehen sind. Seine Installationen bestehen aus Zeichnungen, Schriftzügen und Heavy-Metal-Klängen. Politische Themen – "wie die Taliban oder die Amerikaner" – versuche er zu vermeiden, sagt er. Wenn es immer nur um Krieg und Leid gehe, werde ihm das zu viel. "Aber vielleicht verkauft sich solche Kunst ja auch besser", gibt er zu Bedenken.
 
"Die documenta ist eine sehr große Ausstellung für afghanische Künstler und eine gute Möglichkeit für uns, aber vor allem verbindet sie uns miteinander", sagt er. "Sie schafft eine Beziehung zwischen dem andauernden Krieg in Kabul und dem bereits vergangenen Krieg in Kassel." Die parallele Ausstellung beschwöre die Geschichte der beiden Städte herauf: "Kabul und Kassel - die beide durch Kriege zerstört wurden und sowohl einen physischen Wiederaufbau als auch
eine geistige Erneuerung benötigten", schreiben die Organisatoren.

Besonders deutlich wird das in der Arbeit von Mariam Ghani, die in ihrer Videoinstallation erstaunliche Parallelen zwischen dem kriegszerstörten Fridericianum in Kassel und dem Darul-Aman-Palast in Kabul aufzeigt.

"Gibt ein wenig Hoffnung auf Wandel"

Am ersten Freitag besuchten mehr als 1.500 Menschen die Ausstellung, sagt Nabila Horachsch, eine der Organisatorinnen vor Ort. Es sei eine Chance für Afghanen, etwas für sie Ungewöhnliches zu erleben, sagt sie. "Schmerz und Konflikt" sieht einer der Besucher, wenn er die Kunst betrachtet. "Vielleicht ist es die seelische Verfassung", sagt er. "So etwas in Kabul zu sehen" sei aber auch "inspirierend". "Es gibt einem ein wenig Hoffnung auf Wandel."

Stein-Duplikate von zerstörten Büchern

Eines der Kunstwerke trägt den Namen "Zusammenbruch und Wiederaufbau" vom Amerikaner Michael Rakowitz. Für die documenta ließ Rakowitz in Afghanistan Stein-Duplikate von Büchern anfertigen, die im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung des Fridericianums in Kassel zerstört wurden. Sie sind aus demselben Stein gemeißelt, wie jene Buddha-Figuren, die die Taliban 2001 in Bamiyan sprengen ließen.

Einem verwunderten älteren Betrachter aus dem Norden Afghanistans erklärt Horachsch, was es mit dem Kunstwerk auf sich hat: "Es ist eine Botschaft an die Welt, dass wir niemandem je wieder erlauben werden, unsere historischen Bücher zu verbrennen."
 
Redaktion: aba
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 4.07.2012, 14:14 Uhr
 
 
 

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