Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck
Viel Kritik hatte es für Absetzung einer Ausstellung der evangelischen Kirche in Kassel gegeben. Bischof Martin Hein hat die Entscheidung nun noch einmal verteidigt. Man habe das Verhältnis zur documenta nicht belasten wollen.
Zur Weltkunstausstellung documenta habe es der evangelischen Kirche nicht an Mut gefehlt, eine eigene Begleitausstellung gegen den Widerstand der documenta-Leitung zu realisieren, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die Entscheidung, ein ursprünglich vorgesehenes Projekt nicht umzusetzen, sei nach kontroversen internen Diskussionen erfolgt, so Hein zu der landeskirchlichen Internetagentur "medio".
"Deswegen nicht abstinent"
"Wir haben sie damals unter der Maßgabe getroffen, das Verhältnis zur documenta-Leitung nicht nachhaltig zu belasten", sagte der Bischof. Die Kirche werde auch weiterhin ihren Teil dazu beitragen, das Verhältnis von Kunst und Kirche in allen Facetten zu entwickeln. "Diesmal haben wir uns der Intervention der documenta gebeugt, aber wir sind deswegen nicht abstinent", sagte Hein.
Die evangelische Kirche wollte ursprünglich den renommierten Künstler Gregor Schneider zur documenta-Zeit damit beauftragen eine Installation an der Karlskirche anzubringen.
Die Arbeit sollte aus Überresten eines Festes in Kalkutta bestehen. Dafür hatte die Kirche auch schon ein Budget von 70.000 Euro bereit gestellt. Als die documenta-Leitung vor den Plänen hörte, intervenierte sie. Darauf setzte die Kirche die Ausstellung ab.
Der Künstler selbst sprach von Zensur. "Es ist schwer nachvollziehbar, dass eine Kuratorin eine Stadt komplett kontrollieren und säubern will, um darin eine Ausstellung zu machen", hatte er der hessenschau gesagt. Auch der Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thomas Erne, hatte die Entscheidung der Kirche kritisiert und als "bedauerlich" bezeichnet.
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[Web-Reportage]