documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev findet die Occupy-Besetzung des Kasseler Friedrichsplatzes toll - und fühlt sich gar ein bisschen an Josef Beuys erinnert.
Die "Doccupy"-Bewegung auf dem Friedrichsplatz setze die Welle der demokratischen Proteste fort, die sich über viele Städte der Welt verbreitet habe, so die documenta-Leiterin in einer Mitteilung. "Sie realisiert die Möglichkeit, die Nutzung des öffentlichen Raumes neu zu erfinden und scheint mir im Geiste der Zeit zu sein und im Geiste von Joseph Beuys zu stehen".
Die documenta-Leiterin bezeichnete die Besetzter als "Teilnehmerinnen und Teilnehmer" der documenta, mahnte sie aber auch "für den Platz zu sorgen und Verantwortung für den Raum zu übernehmen, den sie das Recht haben, zu besetzen".
Mehr als 25 weiße Occupy-Zelte stehen seit Samstag vor dem Museum Fridericianum.
Occupy errichtet "machtkritisches Kunstwerk"
Schon zu Beginn der Weltkunstausstellung waren vor dem Museum Fridericianum die ersten Occupy-Zelte gesichtet worden. Zuerst waren es wenige. In der Nacht zum Samstag bauten die Bewohner des Camps nun aber eine richtige Reihenhaus-Zeltstadt aus 28 einfachen weißen Zelten auf und erweiterten damit ihr Camp nach eigener Ansicht zu einem "machtkritischen Kunstwerk".
20 Begriffe wie Gier, Hochmut, Geiz und Neid sind auf den weißen Zeltdächern - gebaut aus Lkw-Plane, Holz und Zimmermannsnägeln- geschrieben. Sie symbolisieren die "Grundübel der Zeit", wie ein Occupy-Sprecher sagte. "Wir sind der Meinung, dass der schleichende Zusammenbruch unter einer schönen Fassade stattfindet", sagte er weiter. Die künstlerische Leiterin der documenta, Carolyn Christov-Bakargiev, begrüßte die Aktion nach Angaben einer Sprecherin.
"Riesenerfolg" bei den Besuchern
Die Aktion werde von den Besuchern "unglaublich gut angenommen", so der Occupy-Sprecher. "Die Leute rennen durch, lesen die Begriffe, stehen davor und überlegen sich: Was ist es?", sagte er. "Es ist ein Riesenerfolg."
Occupy ist eine weltweite Bewegung, die zentrale Plätze besetzt und den Kapitalismus kritisiert. In Frankfurt campieren Aktivisten seit vergangenem Herbst vor der Europäischen Zentralbank. Die documenta gilt als die weltweit wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Bis zum 16. September werden dort mindestens 750 000 Besucher erwartet.
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[Web-Reportage]