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10.07.2012

"Stepi" auf documenta

"Lebbe geht weida"

"Stepi" vor der Jalousien-Installation von Haegue Yang. (Bild:  hr-online)
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"Stepi" vor der Jalousien-Installation von Haegue Yang.
Fußball trifft Kunst. Ex-Eintracht-Coach Dragoslav Stepanovic hat die documenta in Kassel besucht – und fühlt sich auf der Kunstausstellung an das richtige Fußballerleben erinnert - nicht nur, weil es um verpasste Chancen geht.
 
Von hr-Reporterin Beatrice Weiskircher

Kassel? Kassel kennt er nicht. Zumindest kann sich Dragoslav Stepanovic nicht dran erinnern, schon mal in der documenta-Stadt gewesen zu sein. Wenn dann höchstens im Auestadion beim drittklassigen KSV, aber dann hat das offenbar keinen bleibenden Eindruck auf den Ex-Trainer der Frankfurter Eintracht hinterlassen.
 

Kunst auf der documenta in Kassel ist also ein ganz neues Terrain für den Fußballertrainer. Skepsis und Berührungsängste sind zu spüren. Aber "Stepi" lässt sich drauf ein. Beim Anblick der Installation "Approaching" der koreanischen Künstlerin Haegue Yang, einem Werk bei sich wie von Geisterhand unzählige Jalousien auf und zu bewegen, kommt er gleich ins Philosophieren.

Das sei wie im richtigen Leben, sagt er. "Plötzlich bekommt man eine Chance und bevor man denkt: soll ich oder soll ich nicht, ist die Chance verpasst", sagt er und fügt hinzu: "Aber: Lebbe geht weiter".
 

Vertane Chancen - unfertige Arbeiten

Vertane Chancen - damit kennt sich Dragoslav Stepanovic aus. Anfang der 90er Jahre verpasste er mit der Eintracht aus Frankfurt in letzter Sekunde die Meisterschaft. Den Fußballtrainer spürt man immer noch – vor den riesigen Schrotthaufen der italienischen Künstlerin Laura Favoretti postiert er sich wie ein Trainer am Spielfeldrand. "Das gibt’s ja im Leben, unfertige Arbeiten", sinniert er. Und doch gehe es doch darum zu verhindern, dass das Leben rückblickend nur "Schrott" gewesen sei.
 
Und das war das Leben von Dragoslav Stepanovic ja mit bestimmt nicht. Bevor er Trainer wurde hat Dragoslav Stepanovic unter anderem über 30 Spiele für die damalige jugoslawische Nationalelf gemacht. Er ist Serbe und deshalb kann er mit Blick auf sein Land wohl auch mit dem Thema der documenta - Zusammenbruch und Wiederaufbau – etwas anfangen. Da führt ihn der Weg zu dem Wandteppich der polnischen Künstlerin Goshka Macuga im Fridericianum.
 
Er zeigt einen zerstörten Palast in Kabul, Afghanistan, mitten im Winter, davor eine Menschenmenge – die Personen tragen teilweise nicht mal Schuhe oder Strümpfe. Man dürfe nicht vergessen, dass es Menschen gebe, die nicht so leben wie hier, sagt er. "Man muss ein bisschen acht geben und helfen", so der Fußball-Trainer.

documenta-Kunst bringt also sogar einen bislang weniger an Kunst interessierten Fußballtrainer zum Nachdenken. Dragoslav Stepanovics Besuch auf der Weltkunstausstellung in Kassel wird ihm sicher in Erinnerung bleiben – wenn es schon nicht die Spiele im Auestadion taten.

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Redaktion: aba / ksch
Bild: © hr-online
Letzte Aktualisierung: 10.07.2012, 11:55 Uhr
 
 
 

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