Link zu hr-online Link zu hr2 kultur Link zu hr fernsehen

12.07.2012

Im Selbstversuch

Quantenphysik für Kunstliebhaber

"Quanten Heute, 2012" - die Versuchsanordnung des documenta-Beitrag von Anton Zeilinger.  (Bild:  picture-alliance/dpa)
Vergrößern
"Quanten Heute, 2012" - die Versuchsanordnung des documenta-Beitrag von Anton Zeilinger.
Wie hr-Reporterin Tanja Küchle auf der documenta lernte, was Quantenphysik mit Kunst zu tun hat – und warum das - "Widdewiddewitt" – so erhellend war.
 

Radio

 (Bild:  hr-online)

donnerstags, 7:45 Uhr

Tanja Küchle

In der Reihe "Kunst mit Küchle" rückt hr-Reporterin Tanja Küchle den documenta-Werken auf den Leib. Sie hört und sieht, testet und begeht die Kunst.

Mehr zum Thema

Von hr-Reporterin Tanja Küchle

Ich sehe bunte Kabel und rotes Laserlicht. Drei Glaskästen für verschiedene Experimente erinnern mich an meine Schulzeit. Chemie, Physik, womöglich Kunst? Was wird hier gespielt? "Keine Ahnung! Ich weiß es net", sagt ein Besucher. Und so geht es anscheinend den meisten Besucher im ersten Stock des Fridericianums. Sie sind genauso ratlos wie ich. Für solche wie uns ist Robert Fickler da, Doktorand bei Professor Anton Zeilinger. Der ist eine Koryphäe der Quantenphysik und der Kopf hinter diesen mysteriös wirkenden Versuchsanordnungen.

Alles eine Frage des Blickwinkels

Robert soll interessierten Besuchern hier Rede und Antwort stehen. "Wenn man die Frage stellt, was eigentlich Licht ist, dann kommt man bei unterschiedlichen Experimenten in Widersprüche", sagt er. Lange sei die Meinung vertreten worden, dass Licht eine Welle sei. Um das zu zeigen tritt er an die erste Versuchsanordnung: ein Kasten, in dem ein weißer und ein blauer Draht in Schlangenlinien aufgeklebt sind.

Durch die Drähte läuft das Licht – das sieht man allerdings nicht. Auch nicht die angebliche Wellenform. Zu sehen ist lediglich, auf einer weißen Scheibe gegenüber, ein roter Lichtpunkt. Wenn ich meine Hand über die Drähte halte, sind es plötzlich zwei Lichtpunkte, die flackern.
 
Körpertemperatur beeinflusst Ergebnis

Was gespenstisch wirkt, ist ganz einfach erklärt: meine Körpertemperatur beeinflusst die Leitfähigkeit der Drähte. Was nun allerdings die so genannte "destruktive" und "konstruktive Wellenüberlagerung" mit den roten Lichtpunkten zu tun hat? Keine Ahnung. Ich nicke trotzdem verständig, denn Robert hat sich wirklich Mühe gegeben, und auch seine vierte Erklärung wird es mir nicht plausibler machen. Ich vermute, dazu fehlt mir einfach das physikalische Basiswissen.

Jetzt gehen wir zur Versuchsanordnung Nummer zwei – in historischer Reihenfolge. Nach der Welle, kam die Idee vom Licht als Teilchen. Ich soll mir die Licht-Atome wie Billiardkugeln vorstellen. Ok. Sie heißen Photonen. Das hab ich schon mal gehört. Tack, Tack - so hören die Photonen sich an, wenn sie gemessen werden: "Das ist der Widerspruch", erklärt Robert. "Licht verhält sich in dem ersten Fall wie ne Welle, und hier verhält sich’s wie Licht, als wär‘s ein Teilchen."

Nur ein Bild der Wirklichkeit

Experiment Nummer drei beweist sogar: Licht ist beides, sowohl Welle als auch Teilchen. Die Quantenphysik lässt sogar die Deutung zu, Licht sei etwas ganz anderes. So langsam dämmert es mir: Hier geht es gar nicht um die Frage, was Licht ist. Sondern darum, zu erkennen, dass Licht – ob als Welle oder Teilchen oder was auch immer – nicht die Wirklichkeit ist, sondern nur ein Bild, mit dem wir uns die Welt erklären. "Widdewiddewitt" sozusagen. Vom Prinzip her funktioniert die Quantentheorie also ähnlich wie die Kunst – letzten Endes kommt es immer auf die Interpretation des Betrachters an.
 
Redaktion: aba
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 11.07.2012, 22:30 Uhr
 
 
 

Kunst mit Küchle

Was will der Künstler nur damit sagen? hr-Reporterin Tanja Küchle rückt den Werken der documenta auf den Leib.

Kunst in 60 Sekunden

Das waren die Highlights von hr-Kulturredakteur Rudolf Schmitz.
Prominente, Experten und Kunstinteressierte stellen im Video ihre drei Lieblingswerke vor.
 

documenta-Kurzführer

Was ist eigentlich die documenta? Warum findet sie in Kassel statt? Wer organisiert die Kunstschau? Kurz und knapp, alles was Sie über die documenta 13 wissen müssen.

tEEN aUDIO dOCU

Wie klingt es, wenn Jugendliche anderen Jugendlichen die documenta erklären? Sieben nordhessische Schulen haben Schülerreporter losgeschickt - mit erstaunlichen Ergebnissen.

So sahen unsere User die documenta

Riesige Schrotthaufen, rosabeinige Hunde, kopflose Anzüge - die Fotos unserer User. [mehr]
Ihre Fotos von der documenta

Zieleinlauf mit Sexophone

Mehr Kunst geht nicht: Zehn Stunden dauert die Marathon-Führung durch die documenta. hr-Reporterin Andrea Löffler ist mitgelaufen - eine Erfahrung zwischen Erschöpfung und unerwartetem Höhepunkt. [Web-Reportage]

Begleiten statt führen

Acht "Weltgewandte Begleiter" erklären, warum sie bei der documenta mitmachten. Link [Bildergalerie]
Link "Zusammentreffen auf Augenhöhe" [mehr]
Link Vom Ex-Minister bis zum Schäferhund [Audio]
 
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.