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9.09.2012

Zeltlager abgebaut

Doccupy räumt sich selbst

Ein Aktivist beerdigt das Occupy-Camp vor dem Fridericianum symbolisch. (Bild:  hr)
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Ein Aktivist beerdigt das Occupy-Camp vor dem Fridericianum symbolisch.
Das Occupy-Camp auf der documenta in Kassel ist Geschichte. In einer Kunstaktion haben die Kapitalismus-Kritiker ihr Zeltlager geräumt - zurück blieb nur Hasendame Josefine.
 
Video: Das Ende von "Doccupy" 32 Sek
(© hr | hessenschau, 08.09.2012)
Eigentlich war der Abbau erst am 16. September, dem letzten documenta-Tag, vorgesehen - doch bis auf einige Schlafsäcke war am Sonntag schon nichts mehr von dem Occupy-Camp auf dem Friedrichsplatz zu sehen. Eine Zwangsräumung der Polizei wie bei dem Camp vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt wollten die Kapitalismus-Kritiker auf alle Fälle verhindern. Deswegen hatten sie am Samstag mit einer Art Selbsträumung begonnen. Einige der Besetzer spielten in einer Kunstaktion Polizei und zwangen die anderen den Platz zu verlassen.

Hilgen bietet Gespräche an

"Es ist das erste Occupy-Camp, das freiwillig geht", sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) am Sonntag. Er bot den Bewohnern Gespräche an, wo und wie es weitergehen könnte. Bis zum Ende der documenta bleibt noch ein Gehege mit Hasendame Josefine auf dem zentralen Friedrichsplatz.

Ein "doccupy"-Sprecher dankte der documenta dafür, einen "offenen, basisdemokratischen Raum" auf dem Platz zugelassen zu haben. Die künstlerische Leiterin der Schau, Carolyn Christov-Bakargiev, betonte am Sonntag, sie teile die Vision der Occupy-Bewegung. "Finanzkapitalismus zerstört unsere Welt."
 

Doccupy in Kassel: "Welt ist nicht besser, aber ..." 

 
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Tauschbörsen und Diskussionsangebote

Fast 100 Tage lang haben die Kapitalismuskritiker die Weltkunstschau als Bühne für ihre Botschaften genutzt. Die Bilanz fällt durchwachsen aus. "Wir wollten hier ein Miteinander von Occupy und Bevölkerung. Das haben wir nicht ganz geschafft", sagt Aktivist Chris. Viele hätten der Bewegung gegenüber Hemmungen gehabt, vor allem Eltern. "Wir hatten einen Kindertag angeregt, da waren nur zehn Kinder da. Es gibt immer noch sehr viele Vorbehalte gegen Occupy. Ich würde mir wünschen dass sich Leute mehr mit der Bewegung befassen, bevor sie sich ein Urteil bilden."

Es gab aber auch viel Zuspruch, besonders von der Generation 50 Plus, erzählen die Camp-Teilnehmer. Aus dieser Altersgruppe kamen aufmunternde Worte, Geld- und Sachspenden.

Die Occupy-Aktivisten haben einiges unternommen, um mit Kasseler Bürgern und documenta-Besuchern in Kontakt zu kommen. Es gab Tauschbörsen und Diskussionsangebote, Konzerte und Demonstrationen. Die größte Aufmerksamkeit wurde mit einer Kunstaktion erzielt: Neben dem wilden, bunten Camp der Aktivisten entstand eine sterile, reihenhausartige Zeltstadt aus weißen Planen, auf die Begriffe aufgedruckt waren wie "Gier", "Boni" oder "Geiz" – aus Sicht von Occupy Grundübel unserer Gesellschaft. Bei documenta-Besuchern kam das gut an. Kai Hansen aus Nürtingen bei Stuttgart etwa sagte, die Occupy-Aktion habe ihn an den früheren documenta-Künstler Josef Beuys erinnert: Beuys habe immer das Soziale und Politische verbunden mit der Kunst.

Nach dem Ende der documenta werden auf dem Friedrichsplatz bald andere Zelte aufgebaut: Der Zirkus Flic-Flac hat bereits ein Gastspiel angekündigt.

Mit Informationen von hr-Reporter Michael Przibilla
 

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Redaktion: aba
Bild: © hr
Letzte Aktualisierung: 9.09.2012, 18:44 Uhr
 

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