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11.09.2012

Umstrittenes Video

Fragestunde mit Mörder

Killer oder Schauspieler? Ausschnitt aus dem Video von Aníbal López. (Bild: Quelle: documenta, Urheber: Aníbal López)
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Killer oder Schauspieler? Ausschnitt aus dem Video von Aníbal López.
Hat die documenta einen Auftragskiller eingeladen und ihm eine Bühne gegeben? Das legt ein Video nahe, das in der Ausstellung zu sehen ist. Besucher sind empört.
 
Audio: Proteste gegen Auftragskiller-Video 2:31 Min
(© hr, 12.09.2012)

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"Das wichtigste ist, dass man in den Kopf schießt", sagt der Mann. Man fühle dabei nichts. "Du musst weiterschiessen, bis sie sterben", erklärt er. Das Video mit einem Auftragskiller aus Guatemala läuft in einem unscheinbaren Seitengang der Neuen Galerie als Endlosschleife.
 
Video: documenta-Videokunst sorgt für Empörung 2:55 Min
(© hr | hessenschau, 10.09.2012)
"Will nur, dass sie sterben"

An dem kleinen Bildschirm gehen die meisten Besucher vorbei. Auf den ersten Blick ist nichts Spektakuläres zu sehen, nur die Silhouette des Killers. Vor ihm sitzen Zuschauer - wie auf einer Pressekonferenz. Ob er später einmal Familie haben wolle, will einer wissen, ob er gläubig sei, eine andere. Nein, Gewissensbisse habe er nicht. 26 Menschen habe er bisher schon getötet, das könne er eben am besten. "Mir ist das egal. Ich möchte nur, dass sie sterben und dann das Geld", sagt er.

Eingeladen hat den Killer der guatemaltekische Künstler Aníbal López. Es ist sein offizieller Beitrag zur documenta. Das Video wurde schon am 8. Juni in Kassel aufgezeichnet, also kurz vor Eröffnung der Ausstellung. Korruption und alltägliche Auftragsmorde seien in seinem Heimatland Guatemala Alltag, sagt der Künstler. Er wolle mit dem Video die Besucher wachrütteln.
 
Besucher vor dem umstrittenen Video in der Neuen Galerie. (Bild:  hr)
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Besucher vor dem umstrittenen Video in der Neuen Galerie.
documenta-Leitung schweigt

Bei jenen, die an dem kleinen Monitor stehenbleiben, löst der Film tatsächlich Kontroversen aus. "Ich bin empört", sagt eine Besucherin. Es sei unglaublich, dass so jemand ungestraft nach Deutschland einreisen könne. Zwei Besucherinnen haben sich jetzt sogar bei der documenta-Leitung offiziell beschwert. Doch die documenta gibt zu Kunstwerken grundsätzlich keinen Kommentar.

Auch am Dienstag wollte sie sich gegenüber hr-online zu dem Video nicht äußern. Keinen Kommentar der Kunstschau gibt es auch dazu, ob der Mann auf dem Bildschirm wirklich ein Mörder ist oder nur ein Schauspieler. Der Ausstellungskatalog spricht von einem echten Killer.

Polizei war nicht informiert

Doch wenn ein Auftragsmörder aus dem Ausland nach Deutschland kommt, dann ist das eigentlich ein Fall für die Polizei. Die wusste aber bisher gar nichts von dem umstrittenen Video. "Wenn wir davon gewusst hätten, hätten wir natürlich entsprechende Maßnahmen eingeleitet", sagt Wolfgang Jungnitsch, Sprecher der Polizei Nordhessen.

Es gibt aber nicht nur kritische Stimmen zu dem Video: "Ich finde, das rüttelt auf. Es ist wichtig auch über solche Dinge nachzudenken", sagt eine junge Besucherin. Kunst habe die Aufgabe auch das Anstößige anzusprechen, sagt eine andere. Kunst oder nicht: Der Streit um das Video geht also weiter – vor allem wenn die empörten Besucher Strafanzeige gegen die documenta stellen sollten.
 

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Redaktion: aba
Bilder: © Quelle: documenta, Urheber: Aníbal López (1), © hr (1)
Letzte Aktualisierung: 12.09.2012, 11:29 Uhr
 

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