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documenta im Rückblick

Kontrollierter Ausnahmezustand

Bundespräsident Theodor Heuss (r.) im Gespräch mit Professor Arnold Bode vor einem Picasso-Gemälde. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Besuch auf der d1: Bundespräsident Theodor Heuss (r.) im Gespräch mit Professor Arnold Bode vor einem Picasso-Gemälde.
Angefangen hat alles mit der Bundesgartenschau 1955. Eine Begleitausstellung für die bunte Blumenpracht – nichts weiter war die erste documenta. Dass sich daraus die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst entwickeln würde, damit hatte wohl kaum jemand gerechnet.
 
Es ist eigentlich immer das Gleiche: Bei jeder documenta steht Kassel für 100 Tage Kopf. Stets war die Ausstellung Brennpunkt für die Moden der Kunstwelt und Bühne für junge Wilde und große Meister. Doch jedesmal zeigte sie auch ein neues Gesicht - keine documenta glich der vorherigen, jede war in ihrer Art einzigartig.

Standen am Anfang Werküberblicke von klassischen Meistern wie Picasso, Mondrian oder Klee im Vordergrund, hielten 1964 die Konsumwelt und 1972 die Politik als Themen der Kunst Einzug in Kassel. Dem Vorwurf der Westorientierung stellte sich die documenta 1977 und lud erstmals DDR-Künstler ein. 1997 wurde die Globalisierung zu einem Thema der Ausstellung, 2002 stand die Lage in den Dritte-Welt-Ländern nach dem Ende des Kolonialismus im Mittelpunkt. Bei der letzten documenta 2007 holte Kurator Roger M. Buergel Kunst aus allen Regionen der Welt nach Kassel.
 

Künstlermacher

Große Künstler des 20. Jahrhunderts haben ihre Werke in Kassel präsentiert: Joseph Beuys, der bei einem Steinbruchbesitzer in der Region 7.000 Steine für seine 7.000 Eichen bestellte, Jonathan Borofsky, der seinen Himmelsstürmer bei einer Kasseler Stahlbau-Firma anfertigen ließ, ebenso wie Richard Serra oder Claes Oldenburg.

Die Ausstellung hat nicht nur Künstler präsentiert, sondern auch gemacht: Ohne die documenta, bei der er sieben Mal vertreten war, wäre Joseph Beuys wohl nicht zu einer derartigen Symbolfigur moderner Kunst geworden. Das "Museum der 100 Tage" macht bekannt, aber steigert nicht automatisch auch den Marktwert der Künstler. Doch wer einmal auf der documenta präsentiert wurde, hat es geschafft.
 

Die Stadt und die Kunst

Die documenta hat bewirkt, dass Kassel auf der Weltkarte des Kunstbetriebs ebenso auftaucht wie Paris, New York oder Düsseldorf. Die Kasseler haben lange gebraucht, bis sie sich mit der Schau arrangiert haben. Während früher die Mittel, die die Organisatoren für die schwer verständliche und verdauliche Kunst aufwandten, für Geldverschwendung gehalten wurden, wirbt die Stadt heute als documenta-Stadt für sich.

Alle fünf Jahre verändert sich die Stadt. Hunderttausende Besucher und Millionen Euro werden nach Kassel gespült. Immer wieder hat die Weltschau der Kunst für Aufregung und heftige Diskussionen gesorgt – und damit erreicht, dass die Kunst einen ihrer wichtigsten Zwecke hat erfüllen können: Die Menschen zum Nachdenken zu bringen.
 
Redaktion: kahu / aba
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 4.06.2012, 10:39 Uhr
 

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