Susan Philipsz: Klangtext

Kunst in 60 Sekunden

Paradoxe Verknüpfungen von Raum und Zeit, zeigt "What Dust will rise?" von Michael Rakowitz.


Wer im ehemaligen Kasseler Hauptbahnhof bis ans Ende der Gleise geht, wird dort die Töne von Streichinstrumenten hören. Verteilt auf sieben über den Gleisen angebrachten Lautsprechern. Es ist ein eigenartig melancholischer Eindruck, die Musik scheint aus der Ferne zu kommen und verhallt auf dem Bahnsteig.

Diese Soundinstallation der englischen Künstlerin Susan Philipsz ist nicht zufällig an diesem Ort. Von diesen Gleisen wurden 1941 und 1942 jüdische Familien in Konzentrationslager deportiert. Darunter auch der Komponist Pavel Haas, der im KZ Theresienstadt 1943 seine "Studie für Streichorchester" schrieb. Für einen Nazi-Propagandafilm wurde sie von Insassen des Lagers gespielt.

Die Klanginstallation von Susan Philipsz rekonstruiert Bruchstücke der verlorenen Originalpartitur. Eine subtile Erinnerung an die Geschichte des Terrors. Sie setzt auf die Bilder, die vor unserem inneren Auge entstehen. Zu sehen ist ein alltäglicher, unspektakulärer Ort. Die Musik sagt: Diese Gleise waren einmal der Ort des Schreckens. Kaum vorstellbar, aber durch die Töne eines Streichorchesters auf suggestive Weise beglaubigt.

Redaktion: kahu / aba, Bild: © hr-online, Letzte Aktualisierung: 05.07.2012, 16:31

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Susan Philipsz

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