Bilder Mroués Syrien-Bilder

Rabih Mroué im Kulturbahnhof

Kunst in 60 Sekunden

Bedrückend und von großer emotionaler Wucht - so sieht hr-Kulturredakteur Rudolf Schmitz die Syrien-Fotos von Rabih Mroué im Kulturbahnhof.


Warum wirken die verschwommenen Fotografien so bedrohlich? Sie zeigen Figurenschemen, Köpfe, aber oft auch nur abstrakte Strukturen. Das könnten Bilder von Gerhard Richter sein, aber hier hat die Unschärfe eine andere Bedeutung.

Das Video des libanesischen Künstlers Rabih Mroué bestätigt mein ungutes Gefühl: Diese Unschärfe ist eine tödliche Unschärfe. Es handelt sich um mit dem Handy aufgenommene Bilder, die das Sterben in Syrien dokumentieren. Diese Handynutzer haben ihre Mörder gefilmt: Soldaten zumeist, die anlegen, zielen, abdrücken. Sterben in Zeiten des Internets, könnte man sagen. Die meisten der Filme hat der Künstler auf Youtube gefunden.

Im Video ist er selbst zu sehen, er spricht über dieses makabre Phänomen, dass das Handy als technische Verlängerung des eigenen Körpers dasjenige aufnimmt und zu erkennen scheint, was der filmende Mensch offenbar übersehen hat: dass er seinem Mörder gegenübersteht und gleich tot sein wird. Eine bedrückende Installation, von größer emotionaler Wucht. Sie wirft ein ganz anderes Licht auf das in der Gegenwartskunst so weit verbreitete Stilmittel der Unschärfe.

Redaktion: sofo / aba, Bild: © picture-alliance/dpa, Letzte Aktualisierung: 24.07.2012, 16:58

Hintergrundinformationen

Rabih Mroué

Kunst in 60 Sekunden

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