Tino Sehgal Tino Sehgal

Tino Sehgal: Skulpturen - Hotel Hessenland, Bode-Saal

Kunst in 60 Sekunden

Den grenzenlosen Optimismus der 1960er spürt hr-Kulturredakteur Rudolf Schmitz in Tino Sehgals documenta-Werk.


Ein dunkler Raum, vorsichtig und tastend schiebt man schiebt sich hinein, dann beginnt Gesang, mehrstimmig. "She's giving me good vibrations", ein Song der Beach Boys, mit komplexer Struktur. Keine Tonkonserve, sondern leibhaftige Stimmen. Die jungen Sänger und Sängerinnen bewegen sich anscheinend durch den Raum, bahnen sich vorsichtig den Weg durch die Zuhörer. Plötzlich eine Stimme ganz nah am Ohr. Eindringlich und intim.

Seltsames Gefühl, so in der Dunkelheit zu stehen, nicht wissend, was passiert, und eine Choreografie von Körpern zu spüren. Als wäre man gemeint, dabei ist alles dunkel und anonym. Der Künstler Tino Seghal hat diese Performance inszeniert, hat die Sänger gefunden, mit ihnen trainiert, sich dann zurückgezogen. Es geht darum, die Paradoxie der Kunst körperlich spürbar zu machen: alles ist ausgedacht, alles hat seine Regeln, und trotzdem wirkt es persönlich und direkt.

Hier, im Dunkeln, allein und zugleich mit anderen, spürt man wieder, was Intensität bedeutet: Diese Songs sprechen nicht nur von Liebe und körperlicher Nähe, sie wecken Gefühle. Vor allem: Sie erinnern an den grenzenlosen Optimismus der 1960er Jahre. Als noch alles möglich schien, als die Utopie noch mit Händen zu greifen war.

Redaktion: kahu / aba, Bild: © picture-alliance/dpa © hr-online, Letzte Aktualisierung: 05.07.2012, 19:27

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