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Kunst in 60 Sekunden: Charlotte Salomon

Eine kreative Explosion sieht hr-Redakteur Rudolf Schmitz in den Werken von Auschwitz-Opfer Charlotte Salomon.

Was ist das nun, ein Tagebuch? Ein Bildroman? Libretto für ein Singspiel? Wir wissen nicht, was Charlotte Salomon, 26-jährig in Auschwitz ermordet, mit ihren zwischen 1941 und 1942 geschaffenen Gouache-Zeichnungen im Sinn hatte.

Doch was da in den Glasvitrinen liegt, ist die schiere Explosion von Kreativität. Da kämpft jemand nicht nur ums Überleben in der Nazizeit, sondern versucht das eigene Leben in Theater, Bildgeschichte, Partitur zu verwandeln, um nicht verrückt zu werden. Der Auslöser dieser Bilderflut war Charlotte Salomons Entdeckung, dass sich mehrere Frauen ihrer Familie umgebracht hatten. Und die deutsch-jüdische Künstlerin wollte nicht in Angst und Depression verfallen, sondern erschuf sich eine biografische Erzählung, in der sie nicht nur überleben, sondern glänzen, träumen, sich neu erfinden konnte.

Kunst als Rettungsanker, als Selbsttherapie, als Traum von einem selbstbestimmten Leben. Und das zu Zeiten des Naziterrors. Kaum möglich, das ohne Kloß im Hals zu betrachten: ein Treibhaus der Fantasie, ein letztes wildes Feuerwerk, ehe alles dunkel wurde.

Quelle: hr, Rudolf Schmitz


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