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Abkassiert

Sorgt der Netzausbau für steigende Strompreise?

Euro-Banknoten und ein Stromstecker (Bild:  colourbox.de)
Die Stromkonzerne argumentieren, die Erhöhung sei nötig: Wegen steigender Rohstoffpreise, wegen des Umstiegs auf erneuerbare Energien und des nötigen Ausbaus des Leitungsnetzes. Denn neue Windkraftanlagen etwa müssen ja in das Stromnetz integriert werden. Doch müssen wir dafür wirklich zwangsläufig zur Kasse gebeten werden? Und wie setzt sich der Strompreis tatsächlich zusammen?

 

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14.03.2012, 21:00 Uhr
Video: Höhere Strompreise für den Netzausbau? 4:01 Min
(© hr | alles wissen, 14.03.2012)
"Ich gehe davon aus, dass die Netzentgelte nicht um mehr als einen Cent pro Kilowattstunde steigen werden", so Holger Krawinkel. Damit kommt der Bundesverband der Verbraucherzentralen auf 40 Euro mehr an Stromkosten für einen durchschnittlichen Haushalt im Jahr. Die Kosten für den Ausbau des Stromnetzes veranschlagt die Deutsche Energieagentur (Dena) beim Bau von Freileitungen auf 9,7 Milliarden Euro. Würden die Kabel dabei in der Erde verlegt, kämen laut Dena zwar nur 3400 Kilometer zusammen, dafür aber Kosten von bis zu 29 Milliarden Euro.

Andere Experten halten die Schätzung für übertrieben. So sagt der Greenpeace-Energiefachmann Sven Teske, der Neubau von 1000 Kilometern wäre ausreichend. Andere Schätzungen sprechen sogar nur von 250 Kilometern zusätzlichen Netzbedarfs.
 
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Strom besser dort erzeugen, wo wir ihn brauchen

"Der Netzausbau hängt davon ab, wo zukünftig die neuen Erzeugungskapazitäten aufgebaut werden. Ich kann Windkraftanlagen natürlich in Nord- und Ostsee bauen, ich kann sie aber auch in Baden Württemberg und Bayern aufbauen," so Teske. Gleiches gelte für Gaskraftwerke, die man dort aufbauen könne, wo auch der Verbrauch am höchsten ist. "Da bisher noch keine genauen Pläne vorliegen, wie letztendlich die Erzeugungsstruktur ausgebaut werden soll, ist es etwas verfrüht, jetzt schon von mehreren tausend Kilometern Leitungszubau zu sprechen."

 Hintergrund: Woher kommt unser Strom heute - und morgen?
Woher kommt unser Strom heute - und morgen?


Die unterschiedlichen Ergebnisse hängen mit dem Ausgangspunkt der Berechnungen ab. Entscheidend ist, ob man einen Großteil des Stroms in riesigen Windparks auf hoher See erzeugen und über Höchstspannungsleitungen nach Süden transportieren möchte oder ob übers Land verteilte kleine Kraftwerke eine wichtigere Rolle spielen soll. Letzteres würde den Bedarf an Verteilnetzen reduzieren - könnte aber andererseits noch mehr Widerstand vor Ort gegen große Windräder oder Biogasanlagen bedeuten.
 

Dezentral steurn und speichern

Vattenfall will den Strom flexibler produzieren, intelligenter verteilen und so kaum noch Leitungen ausbauen, schildert Hanno Balzer: "Wir glauben schon, dass die Notwendigkeit besteht, Trassen zu bauen, aber man kann das abmildern, wenn man in der Lage ist, dezentral zu steuern und zu speichern."

Die Dena hat vorgerechnet, dass bis 2020 rund 3600 Kilometer 380-Kilovolt-Freileitungen gebaut werden müssten. Überregional verteilt wird die Elektrizität über Höchstspannungsnetze mit 220 bis 380 Kilovolt. Das regionale Hochspannungsnetz arbeitet mit 36 bis 110 Kilovolt, das Mittelspannungsnetz mit sechs bis 36 Kilovolt. Daneben gibt es lokale Verteilnetze mit Niederspannung von 0,4 Kilovolt.
 

Zuverlässiges Netz

1,7 Millionen Kilometer Leitungen ziehen sich kreuz und quer Deutschland. Zur Übertragung werden 550.000 Transformatoren benötigt. Bisher gilt das Stromnetz als extrem zuverlässig. Im ganzen Jahr 2007 war die Versorgung je Kunde durchschnittlich nur für 17 Minuten unterbrochen - der beste Wert in Europa. In Großbritannien waren es 61 Minuten, in Portugal 149 Minuten, in Polen sogar 300 Minuten aufs Jahr gerechnet.

Autor: Frank Farenski

 
Redaktion: mad
Bild: © colourbox.de
Letzte Aktualisierung: 15.03.2012, 11:02 Uhr
 
 
 

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