Am 30. September 2009, drei Tage nach der für CDU und FDP erfolgreich verlaufenen Bundestagswahl, wird ein Brief an Bundeskanzlerin Merkel abgeschickt: Die Blaupause für den Ausstieg aus dem Atomausstieg, betitelt als "Strategie- und Schrittfolgepapier Kernenergie" - unterzeichnet von Hessens damaligem Ministerpräsident Koch und seinem Amtskollegen Oettinger aus Baden-Württemberg. "Ja, es gab sicher eine Art Vorreiterrolle der beiden Länder, bestätigte Kochs Staatssekretär a.D., Dirk Metz, gegenüber hr-online in Bezug den
von Greenpeace veröffentlichten Brief. Darin finden sich detaillierte Vorschläge, wie der neue Atomkurs zunächst mittels eines "Gentlemen`s Agreement" zwischen Regierung und Energieversorgern in seinen Grundzügen vereinbart, und später in Gesetzesform gebracht werden könne.
Die voraussichtliche Abschaltung von Biblis A und dem baden-württembergischen Reaktor Neckarwestheim 1 im Jahr 2010 heben die Autoren besonders hervor und drängen auf Eile: "Aufgrund der aus der jetzigen Sachlage für die Anlagen GKN 1 (Neckarwestheim) und Biblis A müssen entsprechende Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden."
Anfang September 2010 verhandeln Bundesregierung und Energieversorger in nächtlicher Runde via Schaltkonferenz im Kanzleramt über die Laufzeitverlängerung. Heraus kommt der umstrittene "Atomdeal", offiziell als Förderfondsvertrag bezeichnet. Erst auf starken öffentlichen Druck und massiver Kritik der Opposition im Bundestag stellt die Bundesregierung den
Vertrag ins Internet, bestreitet zugleich alle Vorwürfe von Geheimabsprachen oder Vertuschung.