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7.03.2014

Daten und Fakten

Woher kommt unser Strom?

Strom-Sicherungsschalter (Bild:  colourbox.de)
Strom ist unsichtbar. Und doch hat jedes in Hessen verbrauchte Kilowatt eine Geschichte. Woher kommt die Energie, die wir täglich nutzen? Daten und Fakten zu Energieproduktion und -verbrauch in Hessen.
Der Hessische Energiegipfel 2011 setzte zum Ziel, bis 2050 Strom und Wärme in Hessen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen.
 

Stromerzeugung gesamt (brutto)

Alle Zahlenangaben in Millionen kWh


Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (Stand: 07.03.2014)


    Diese Grafik zeigt den gesamten in Hessen erzeugten Strom von 1995 bis 2012. Den Großteil in der Stromerzeugung machte bis 2010 die Kernkraft aus, gefolgt von Kohle und Erdgas. Der Strom aus erneuerbaren Energien macht im direkten Vergleich einen geringeren Teil aus, ist in der Tendenz aber steigend. Auch die Stromerzeugung aus Abfall steigt sichtbar an, wenn auch auf insgesamt niedrigem Niveau. Etwa gleichbleibend ist der Anteil des in Pumpspeicherwerken mittels Wasserkraft erzeugten Stroms. Aufgrund der geringen Mengen an erzeugtem Strom in dieser Grafik kaum zu sehen sind Heizöl und sonstige konventionelle Energieträger wie z.B. Mineralölprodukte, Raffineriegas und Schwefel.
    Was in dieser Grafik besonders auffällt: In den Jahren 2007, 2009 und 2011 ist die Stromerzeugung aus Atomkraft deutlich eingebrochen. In 2007 und 2009 war das Atomkraftwerk Biblis wegen Sanierungs- bzw. Revisionsarbeiten praktisch nicht am Netz. In Folge der Atomkatastrophe am 11. März 2011 in Japan wurde Biblis bis zum 15. Juni heruntergefahren. Am 31. August 2011 entschied die Bundesnetzagentur, dass Biblis B nicht als Kaltreserve genutzt wird - und besiegelte damit das endgültige Aus des umstrittenen Atomkraftwerks.
    Bis leistungsstarke Alternativen zu Biblis bzw. genügend regenerative Energiequellen am Netz sind, wird Hessen weiterhin jedes Jahr große Mengen Strom importieren müssen, um den Gesamtverbrauch zu decken.
     

    Strom aus erneuerbaren Energien (brutto)

    Alle Zahlenangaben in Millionen kWh


    Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (Stand: 07.03.2014)


      Diese Grafik zeigt den in Hessen erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien von 1995 bis 2012. Ein großer Teil dieses Strommixes wird mittels Wasserkraft in Laufwasser- und Speicherwerken gewonnen. Der Anteil wächst über die Jahre leicht an. Auch Deponiegas spielt schon seit einigen Jahren eine konstante Rolle im hessischen Öko-Strommix. Einen starken Zuwachs kann die Windenergie verbuchen, die inzwischen die wichtigste erneuerbare Enerqiequelle in Hessen ist. Deutliche zuwächse verzeichnen auch die Energiegewinnung aus Photovoltaik und Biogas.

      In der Grafik kaum zu erkennen, aber nicht zu unterschätzen: Die Erdwärme, auch Geothermie genannt, die unter die sonstigen Erneuerbaren Energieträger fällt. Noch macht sie einen geringen Teil im Strommix aus, wird in den kommenden Jahren in Hessen aber voraussichtlich an Bedeutung gewinnen.
      Interview zur Geothermie: "Sehr gute Voraussetzungen im Rhein Main-Gebiet"
      Das erste Projekt zur Nutzung der tiefen Geothermie in Hessen soll ein mittelständisches Unternehmen bei Groß-Umstadt im Odenwald versorgen. [mehr]
       

      Stromverbrauch (netto)

      Alle Zahlenangaben in Millionen kWh


      Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (Stand: 07.03.2014)


        Diese Grafik zeigt den Nettostromverbrauch in Hessen von 1995 bis 2012. Die Darstellung in drei Bereiche mit beinahe gleich großen Anteilen aufgeteilt: Den Stromverbrauch von privaten Haushalten, vom verarbeitenden Gewerbe und von sonstigen Verbrauchern. Die sonstigen Verbraucher stehen für Land- und Forstwirtschaft, Handel, Gastronomie, Verkehr, Sozialwesen und öffentliche Verwaltung. Ein Beispiel für einen großen "sonstigen Verbraucher" ist der Frankfurter Flughafen.

        Was bei dieser Grafik auffällt: Der Stromverbrauch in Hessen ist seit dem Spitzenverbrauch im Jahr 2006 langsam wieder gesunken – offenbar zeigen effizientere Elektrogeräte und energiebewussteres Verbraucherverhalten Wirkung.
         

        Wärmeerzeugung (netto)

        Angaben in Megawattstunden (MWh)




          Quelle: Länderarbeitskreis Energiebilanzen; Hessisches Statistisches Landesamt (Stand: 07.03.2014)

          Diese Grafik zeigt die von Heizwerken und Heizkraftwerken der allgemeinen Versorgung in Hessen erzeugte Wärme von 2002 bis 2012. Den größten Anteil bei der Wärmeerzeugung macht Gas aus, danach folgt Steinkohle und die "sonstigen Energieträger" - größtenteils Abfall aus Hausmüll und Industrie sowie ein kleiner Anteil Klärschlamm. Auch mit Braunkohle sowie mit leichtem Heizöl wird in Hessen noch geheizt. Bei den erneuerbaren Energien gewinnen neben Biogas zunehmend feste biogene Stoffe (z. B. Holz sowie und Reste aus der Holzverarbeitung) als Energieträger an Bedeutung.
          Die Tiefe Geothermie wird in Hessen noch nicht für Heizkraftwerke der allgemeinen Versorgung genutzt - das Potenzial ist jedoch in Gesteinsschichten im Rhein-Main-Gebiet vorhanden. [mehr]

          In Hessen geht die Erzeugung von Wärme über die Jahre insgesamt tendenziell zurück, was sich vor allem auf die Modernisierung von Heizungssystemen und die bessere Isolierung von Gebäuden zurückführen lässt. Lange Heizperioden bzw. extreme Kälte wie 2011 und 2012 führen dennoch zu einem starken Anstieg des Wärmeverbrauchs.
           
           
          Redaktion: vode / mad
          Bild: © colourbox.de
          Letzte Aktualisierung: 7.03.2014, 11:46 Uhr
           

          Sich in der Grafik zurechfinden...

          ...ist ganz einfach:

          Fahren Sie mit der Maus über die Grafik, um den genauen Energieanteil pro Jahr angezeigt zu bekommen.

          Ein Klick mit der linken Maustaste auf eine bestimmte Kurve in der Grafik blendet alle anderen Kurven aus. Sie können sich so also z.B. nur den Stromanteil anzeigen lassen, der aus Windenergie erzeugt wurde.

          Ein Klick auf die rechte Maustaste blendet die anderen Kurven wieder ein.

          Glossar

          Bruttostromerzeugung:
          Die gesamte Strommenge, die ein Kraftwerk produziert.

          Nettostromerzeugung:
          Die Strommenge, die übrig bleibt, wenn die Kraftwerke ihren Eigenbedarf an Strom von dem insgesamt erzeugten Strom abziehen. Der Eigenbedarf von Kohlekraftwerken liegt z.B. bei ca. 10 Prozent, der von Atomkraftwerken bei ca. 5 Prozent des selbst erzeugten Stroms.

          Nettostromverbrauch:
          Der vom Verbraucher genutzte Strom nach Abzug des Eigenbedarfs der Kraftwerke und der Übertragungs- bzw. Netzverluste.

          Bruttostromverbrauch:
          Die produzierte Gesamtstrommenge, die aus allen Quellen erzeugt wurde (Kernkraft, Kohle, Öl, Wind, Wasser, Sonne etc.), zuzüglich Import, abzüglich Export. Im Vergleich zum Nettostromverbrauch sind hier der Eigenverbrauch der Stromerzeugungsanlagen und Leitungsverluste enthalten.

          Energieträger:
          Stoffe, aus denen Energie gewonnen werden kann, wie z.B. Uran, Kohle oder Gas.

          Erneuerbare Energieträger:
          Energieträger aus nachhaltigen Quellen, die nahezu unerschöpflich vorhanden sind oder sich in vergleichsweise kurzer Zeit wieder "beschaffen" lassen, wie z.B. Sonne, Wind, Wasser (Laufwasserwerke und Speicherwerke) Raps.

          Pumpspeicherwerke
          Mittels Wasserkraft in Pumpspeicherwerken erzeugter Strom gehört nicht zu den erneuerbaren Energien, da zuerst das Speicherbecken unter Energieeinsatz voll gepumpt werden muss, bevor mit dem wieder abgelassenen Wasser über ein Gefälle und eine Turbine Strom erzeugt wird. Pumpspeicherwerke dienen als Energiespeicher, die Strom-Engpässe kurzfristig ausgleichen können. Ebenso kann überschüssiger Strom kurzfristig verbraucht werden, um das Speicherbecken wieder voll zu pumpen.

          Import und Export:
          Strom wird, wie andere Wirtschaftsgüter auch, importiert und exportiert. Deutschland kann so Energie von anderen Ländern in Europa zukaufen oder aber den selbst produzierten Strom an diese verkaufen. In Deutschland wird der Stromhandel von der Bundesnetzagentur überwacht und reguliert.
           

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