"Geothermie verursacht erhebliche Erdbeben-Schäden"
Werner Müller, erster Vorsitzender des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie e.V. führt grundsätzliche Bedenken gegen Tiefengeothermie-Projekte an.
Sie argumentieren gegen die tiefe Geothermie. Warum?
Werner Müller: Die von solchen Projekten verursachten Gebäudeschäden durch Erdbeben sind erheblich und an zwei Referenzgebäuden in Landau wissenschaftlich als Erdbebenschäden bestätigt.
Die Erschütterungen sind zwar regional begrenzt, also in einem Radius von etwa bis zu fünf Kilometern spürbar, aber unserer Ansicht nicht ausreichend erforscht. Die Ansicht der Geologen, diese Beben seien technisch beherrschbar, teilen wir nicht. Im Oberrheingraben waren zunächst 120 bis 160 Geothermie-Kraftwerke geplant. Das bedeutet überall kleine Nadelstiche in den Untergrund und in der Summe befürchten wir, dass sie in diesem relativ erdbebengefährdeten Gebiet zu einem größeren Beben führen aber das weiß niemand.
Abgesehen von den Erschütterungen sehen Sie weitere Risiken?
Müller: Bei der Inbetriebnahme und beim Herunterfahren des örtlichen Kraftwerks in Landau wird Thermalwasserdampf freigesetzt unserer Schätzung nach bislang mehrere 10.000 Tonnen. Darin können z.B. Radon, Methangas, Schwefelwasserstoff und CO2 enthalten sein. Das Bergamt untersucht derzeit auf unsere Forderung hin Proben. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das bedeutet, der Kraftwerksbetrieb läuft ohne genaue Kenntnisse über die Abgabe möglicherweise schädlicher Stoffe an die Atmosphäre.
Dazu kommt: Es gibt nach unserem Kenntnisstand keinen hundertprozentigen Wasserkreislauf, wie es immer behauptet wird. Man entzieht dem Untergrund pro Sekunde maximal 75 Liter Wasser das aber nicht zu hundert Prozent wieder dort in den Boden gelangt, wo es entnommen wurde. Insofern befürchten wir Bodenabsenkungen, für die sich im Ernstfall und sei es nach 15 Jahren - keiner verantwortlich fühlt.
Wie sehen sie die wirtschaftliche Seite der Technologie?
Müller: Die tiefe Geothermie gehört unserer Ansicht nach nicht zu den erneuerbaren Energien, weil mit dem Thermalwasser die Temperatur aus dem Gestein entzogen wird. Wie lange so ein Kraftwerk daher laufen kann, weiß niemand. Was unserer Ansicht noch ein Problem darstellt, ist der derzeit schlechte Wirkungsgrad solcher Kraftwerke, er liegt zwischen acht und zwölf Prozent. Selbst bei einer Ankopplung an das Fernwärmenetz entstehen hohe Kosten. Wir bezweifeln auch die Wirtschaftlichkeit solcher Kraftwerke: Der Eigenstrombedarf liegt zwischen 30 und 70 Prozent. Um die Kraftwerkstechnik zu betreiben, wird billiger Industriestrom eingekauft, verkauft wird jedoch teurer Ökostrom und von dieser Differenz, sowie von Subventionen, lebt die Geothermie.
18.03.2011
Das Interview führte Martin Kania.