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hr-online-Special zum 25. Todestag des Rennfahrers Stefan Bellof
 (Bild: Ferdi Kräling Motorsport-Bild)
17.08.2010

Interview mit Jochen Mass

»Er war kein Schumacher, er war ein Bellof«

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Stefan Bellof und Jochen Mass

Ex-Grand-Prix-Pilot Jochen Mass war Augenzeuge als Stefan Bellof am 1. September 1985 in den Tod fuhr. Als Teamkollege förderte er die Laufbahn des jungen Gießeners und lernte den Rennfahrer und Menschen Stefan Bellof kennen.
 

Wann sind Sie zum ersten Mal auf Stefan Bellof aufmerksam geworden?
Stefan war sehr erfolgreich in Nachwuchsformeln, und es war erkennbar, dass da ein junger Fahrer mit großem Potential unterwegs ist. Ich fuhr zu der Zeit mit Porsche in der Sportwagen-WM, da lag dann irgendwann der Gedanke nahe, dass man ihn in die Werksmannschaft holt.
 
Drei Porsche Rennwagen (Bild: Porsche Werksfoto)
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»Konkurrenz im eigenen Team«
Haben Sie den Transfer unterstützt?
Ja. Jacky Ickx und ich waren damals ein eingespieltes Duo. Wenn neue Fahrer dazu kamen, dann haben wir natürlich geschaut, wie man mit ihnen zurechtkommt. Bei Bellof wussten wir schon vorher, dass der Kerl sehr schnell ist. Für ihn sprach nicht nur sein Talent, sondern auch seine Jugend. Dass er eine Konkurrenz im eigenen Rennstall sein wird, war uns klar.
 

Erfolgreich in allen Fahrzeugen 

 
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Jochen Mass und Jacky Ickx (Bild: Porsche Werksfoto)
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»Eingespieltes Duo«
Wie war Ihr erster Eindruck als Sie ihn kennenlernten?
Stefan war durchaus beseelt von einer gewissen jugendlichen Arroganz. Aber die brauchen junge Rennfahrer auch. Sie brauchen ein starkes Selbstvertrauen, das war auch bei ihm so. Es war deutlich erkennbar, dass er sich für den Schnellsten hielt. Für uns Ältere konnte es mühsam werden dagegenzuhalten.
 

Information

24 Stunden von Le Mans

Jochen Mass und Stefan Bellof treten 1983 als Fahrerpaarung bei dem Langstrecken-Klassiker an. Der Traum vom Sieg platzt in der Nacht wegen technischer Probleme. Es ist der einzige WM-Lauf, den Mass/Bellof im selben Fahrzeug bestreiten. Bellofs Stammpartner ist der Engländer Derek Bell.
Wie war Ihr Verhältnis zu ihm?
Ich habe die Konkurrenz im eigenen Team positiv gesehen. Ich war noch nicht so alt, dass ich nichts mehr erreichen konnte, aber es war erkennbar, dass langsam ein Generationenwechsel anstand. Ich hatte immer ein offenes Verhältnis zu den jüngeren Teamkollegen und so war es auch beim Stefan. Es war im Sinne von allen, dass ich ihn ab und zu beiseite nahm und von meinem Erfahrungsvorsprung profitieren ließ.
 
Bellof Portrait (Bild: Porsche Werksfoto)
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»Geschaut, dass es rund läuft«
Ihr Stammpartner, mit dem Sie sich damals am Steuer abgewechselt haben, war Jacky Ickx? Wäre Ihnen der Newcomer lieber gewesen?
Jacky Ickx und ich waren damals in etwa gleich schnell, manchmal hatte er, manchmal hatte ich die Nase vorn. Das hat gut harmoniert. Auf einigen Strecken war dann der Stefan schon der schnellste Mann im Team. Aber er konnte auch ein kleines Schlitzohr sein. Ich weiß, dass er gelegentlich kurzfristig den Ladedruck am Turbomotor erhöht hat. Das bedeutete für eine oder zwei Runden mehr PS: Da kamen natürlich Fabelzeiten zustande, die er unter normalen Umständen nicht gefahren wäre. Wir Ältere hatten da unseren Ehrenkodex, dass wir nicht am Boost-Rad drehen (zur Ladedruck-Erhöhung, Anm. der Red). Schneller wäre er vermutlich aber auch so gewesen, nur nicht in der Größenordnung. In Silverstone lag er ja mal zwei Sekunden pro Runde vorne... Er hat schon geschaut, dass es für ihn rund läuft.

 
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Redaktion: mad / stgr
Bilder: © Ferdi Kräling Motorsport-Bild (1), © Porsche Werksfoto (3)
Letzte Aktualisierung: 14.09.2010, 14:06 Uhr
 
 

Jochen Mass

Jochen Mass 2003 (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Jochen Mass war in den 70er Jahren der erfolgreichste deutsche Formel 1-Rennfahrer. Bei 105 Starts gewann er einen Grand Prix und stand insgesamt acht Mal auf dem Sieger- treppchen.

Neben den Läufen der Formel 1 beteiligte sich der Pfälzer erfolgreich in zahlreichen anderen Rennserien. Mit Porsche fuhr er mehrere Titel in der Sportwagen-Marken- WM ein.
Jochen Mass im McLaren beim GP Spanien 1975 (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Sieg im GP-Spanien 1975 im McLaren-Ford

1989 gewann Mass im Mercedes-Werksteam das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Jochen Mass war 1983/84 Teamkollege von Stefan Bellof bei Porsche und später Förderer der Laufbahn von Michael Schumacher bei Mercedes.
 
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