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45. Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2014, 23.-25. Oktober im hr-Sendesaal, Grafik mit Rauch
 (Bild: Kollage hr-online)

Programm Donnerstag 25.10.2012, 19:00 Uhr in Kooperation mit den Europa-Kulturtagen der EZB 2012

 
 
 

MICHEL PORTAL / YARON HERMAN

Sie sind ziemlich verschieden. Und gleichen sich doch in einem Punkt so sehr, dass von Symbiose gesprochen werden kann: Das Abenteuer der totalen Improvisation, ohne Absprachen, mit allen Freiheiten und Risiken, die einer solchen situativen Interaktion innewohnen, das ist das Zuhause für diese beiden Vollblut-Musiker. Yaron Herman, ein Israeli, der nur durch Zufall in Paris hängen bleibt, weil er sich auf dem Rückweg von einem für ihn unbefriedigenden Aufenthalt am Berklee College of Music in Boston – quasi auf Zwischenstopp in der französischen Hauptstadt – zu einer Jam-Session hinreißen lässt und von seinen begeisterten Mitstreitern nicht mehr losgelassen wird. Er wird Pariser und entwickelt sich in Windeseile zu einem gefeierten Piano-Neuling – mittlerweile sogar zu Frankreichs wichtigstem Jazz-Export der jüngeren Generation. Mit Michel Portal kommt er in Kontakt, als er Portals eigentlichen Partner, den Pianisten Jacky Terrasson, ersetzt. Bei Portal springt der Funke allerdings sofort über. Seitdem sind die beiden ein beeindruckendes Duo.

Nicht zu oft ist das der Fall, es gibt noch kein Album von den beiden, aber immer wieder spielen sie zusammen. Michel Portal, der Übervater des modernen Jazz in Frankreich, mittlerweile 76 Jahre alt, hat nicht nur alle Stilistiken des Jazz durchspielt, er tanzt auf vielen musikalischen Hochzeiten: “Ich bestehe aus dieser Mixtur, der Romantik, der Klassik, dem imaginären Afrika, bin immer noch dem Jazz treu, ja oder meinetwegen auch Berio, Boulez, Stockhausen”, sagt Portal, “ich vermische alles, denn ich habe ja alles gespielt”. Neben Tristano, Bley, Jarrett, Mehldau gibt Yaron Herman auch Björk, Sting, Skrjabin und Ravel als Referenzgrößen an. Und vielleicht ist es ja diese scheuklappenfreie Offenheit ihrer Ohren, die diese beiden musikalischen Freigeister so gut miteinander funktionieren lässt.

Eine neuartige Kreation, ein eigenwilliges Resultat, hier treffen zwei Generationen des französischen Jazz aufeinander: Hier der junge, mit unvergleichlicher Begabung ausgestattete Yaron Herman, dort der Klarinettist und Saxophonist Michel Portal, der schon alles gespielt hat, im Geiste aber nicht altert: “Ich bin stets auf der Suche nach Sounds, die nicht poliert klingen”, sagt Portal, “ich mag es, wenn sie fluktuieren, wenn der Klang ein bisschen schmutzig ist”. So einfach sind die Rezepte, die bei diesen beiden zu kongenialen Resultaten führen. Sie teilen in ihren intuitiven musikalischen Reiz-Reaktions-Anordnungen – Herman sagt dazu “real time composition” – den Moment und den Raum: die ständige Suche nach maximalem Ausdruck.

Michel Portal | cl, bcl, ss, as, bandoneon
Yaron Herman | p


 
 

L’ŒIL DE L’ÉLÉPHANT –
SCLAVIS / PORTAL / TEXIER / MARGUET / LE QUERREC

Das Auge des Elefanten öffnet sich wie die Linse seiner Leica. Afrika und der Jazz, beides waren schon immer zentrale Themen von Guy Le Querrec, dem berühmten Fotografen der Agentur “Magnum”. Seine markanten, auf die Rückwand der Konzert-Bühne projizierten Schwarz-Weiß-Fotos evozieren imaginäre Klang-Gespinste der vier zentralen Virtuosen des französischen Jazz. Das Projekt “L'Œil de l'éléphant” war bislang so gut wie nie in Deutschland zu erleben, aber dieses mehrdimensionale Schauspiel hat einen allerorten gefeierten Vorläufer.

In den 90er Jahren tourte das Trio “Carnet de routes”, das waren damals Louis Sclavis, Henri Texier und Aldo Romano, mehrfach durch Afrika. Gespielt wurde in Konzerthallen, auf dem Marktplatz zu Dorffesten und auf der Straße. Immer war der Fotograf Le Querrec dabei. Nachträglich entstanden drei außergewöhnliche Alben, eines davon heißt “Suite Africaine”, eine bebilderte musikalische Klangreise in die Erinnerung. Oder wie es Louis Sclavis damals formulierte: “Die afrikanische Erde diente uns als eine Art Zement, der uns noch mehr miteinander verbunden hat. In Afrika findet ein permanentes Recycling statt, auf allen Ebenen, und das hat auch unsere Musik inspiriert.” Bei “L'Œil de l'éléphant” ist Romano durch Christophe Marguet ersetzt worden und mit Michel Portal, der dazu kam, vereint diese Band jetzt die beiden ausdrucksstärksten Bläser jenseits des Rheins.

Fernab aller weltmusikalischen Klischees verbünden sich in der Musik von “L'Œil de l'éléphant” die polymetrischen Finessen afrikanischer Perkussionsrituale mit den sehnsüchtigen Motiven alteuropäischer Melancholie. Kammermusikalischer Jazz mit jener süffigen Melodiösität und Eindringlichkeit, wie ihn so nur die Franzosen produzieren können. Die subtil verwobenen Klangströme dieser vier Jazz-Phantasten speisen sich aus ihrer Gedächtniskraft und aus ihrem wachen Gegenwartsgefühl. “Die Wirklichkeit ist die Partitur”, sagt der Leica-Griot Le Querrec, “von der die Improvisationen meines Auges ausgehen. Das Wesentliche sind die Gesten, Attitüden, Haltungen und Bewegungen des Körpers.” Aus diesem Geist entstehen seine visuellen Schwarz-Weiß-Kompositionen, die für die Musiker wiederum zur Quelle ihrer Inspiration werden, in der erlebtes und erträumtes Afrika verschmelzen: musikalisch-visuelle Wechselwirkungen mit großen Chancen auf Symbiose – auch zwischen Künstlern und Publikum.

Louis Sclavis | cl, bcl, ss
Michel Portal | cl, bcl, ss, as
Henri Texier | b
Christophe Marguet | dr
Guy Le Querrec | photos

 
 

JEAN-LUC PONTY & hr-BIGBAND cond. & arr. by JIM McNEELY

Mehr als ein Stiefkind ist die Geige im Jazz nicht. Selbst deren wichtigste Instrumenta-listen orientierten ihr Spiel meist an Saxophonisten. Schon in den 60er Jahren attestierte der große amerikanische Jazz-Violinist Stuff Smith dem französischen Geiger Jean-Luc Ponty: „He is a killer, he plays on the violin like Coltrane does on sax.“ Genau das war der Anspruch von Ponty. Und in den 70ern wurde Ponty von Stéphane Grapelli, dem Grandseigneur der Violine, geadelt: „Nein er ist nicht mein Schüler, er ist ein guter Freund, er ist ein großartiger Musiker, er hat einen neuen Stil auf der Violine erfunden.“ Damit waren eigentlich schon alle Höchstdotierungen errungen, aber es kam noch heftiger.

Zwei Musiker dieses Festivals könnten die Länge dieses Textes allein mit der Aneinanderreihung von Namen prominenter Musiker füllen, mit denen sie schon mal zusammengearbeitet haben. Der Drummer Terry Bozzio wäre wohl führend, aber gleich danach käme Ponty: Grapelli, Frank Zappa, Elton John, L.Subramaniam und Chick Corea etwa ist er auf Augenhöhe begegnet. Jean-Luc Ponty war an fast allen einflussreichen Schaltstellen der Entwicklung des „Fusion Jazz“ mitbeteiligt – jener Synthese, die Anfang der 70er Jahre die Schubkraft des Rock mit der Virtuosität des Jazz zu damals unerhörten musikalischen Intensitäten vereinigte.

Ponty, ein Pionier der Jazz-Rock-Bewegung, spielte auf Frank Zappa's erstem Solo-Album „Hot Rats“ mit, der sich durch seine Teilnahme auf Pontys Album „King Kong“ mit Zappa-Kompositionen revanchierte. Ponty war Mitglied in John McLaughlin's „Mahavishnu Orchestra“ und gerade ist er im Zuge einer Reunion-Tournee wieder mit Chick Corea's „Return To Forever“ weltweit unterwegs gewesen. Dieses Zentralorgan des Jazzrock ist auferstanden zu neuen Siegeszügen. Pontys Geigenspiel spiegelt auch auf seinen eigenen Alben, von „Enigmatic Ocean“ bis zu „The Atacama Experience“, die gesamte Jazzentwicklung seit Ende der 60er Jahre wieder.

In einem speziell für das 43. Deutsche Jazzfestival Frankfurt 2012 konzipierten Projekt wird Jean-Luc Ponty Gast-Solist der hr-Bigband sein, einem hochkarätigen Jazz Orchestra, das bereits mit Größen wie Ray Charles, Michael Brecker und Jack Bruce vielbeachtete Konzert-Ereignisse produziert hat. Der amerikanische Arrangeur Jim McNeely, Chef-Dirigent der hr-Bigband, wird aus Pontys 'footprints in fusion' eine großorchestrale Version schaffen. Und McNeely ist – klinisch getestet und von Jazz-Doktoren empfohlen – ein verlässlicher Garant für komplexe Tonsätze mit gefühlsechtem Gütesiegel „all strings attached“.

Jean-Luc Ponty | viol
Jim McNeely | cond, arr

Frank Wellert | tp
Martin Auer | tp
Christian Ehringer | tp
Axel Schlosser | tp
Günter Bollmann | tb
Peter Feil | tb
Christian Jaksjø | tb
Manfred Honetschläger | b-tb
Heinz-Dieter Sauerborn | as
Oliver Leicht | as
Tony Lakatos | ts
Steffen Weber | ts
Rainer Heute | bs
Peter Reiter | p
Martin Scales | g
Thomas Heidepriem | b
Jean Paul Höchstädter | dr

 
 
Redaktion: kadi / andi
Letzte Aktualisierung: 24.10.2012, 17:31 Uhr
 
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