Sie sind ziemlich verschieden. Und gleichen sich doch in einem Punkt so sehr, dass von Symbiose gesprochen werden kann: Das Abenteuer der totalen Improvisation, ohne Absprachen, mit allen Freiheiten und Risiken, die einer solchen situativen Interaktion innewohnen, das ist das Zuhause für diese beiden Vollblut-Musiker. Yaron Herman, ein Israeli, der nur durch Zufall in Paris hängen bleibt, weil er sich auf dem Rückweg von einem für ihn unbefriedigenden Aufenthalt am Berklee College of Music in Boston quasi auf Zwischenstopp in der französischen Hauptstadt zu einer Jam-Session hinreißen lässt und von seinen begeisterten Mitstreitern nicht mehr losgelassen wird. Er wird Pariser und entwickelt sich in Windeseile zu einem gefeierten Piano-Neuling mittlerweile sogar zu Frankreichs wichtigstem Jazz-Export der jüngeren Generation. Mit Michel Portal kommt er in Kontakt, als er Portals eigentlichen Partner, den Pianisten Jacky Terrasson, ersetzt. Bei Portal springt der Funke allerdings sofort über. Seitdem sind die beiden ein beeindruckendes Duo.
Nicht zu oft ist das der Fall, es gibt noch kein Album von den beiden, aber immer wieder spielen sie zusammen. Michel Portal, der Übervater des modernen Jazz in Frankreich, mittlerweile 76 Jahre alt, hat nicht nur alle Stilistiken des Jazz durchspielt, er tanzt auf vielen musikalischen Hochzeiten: Ich bestehe aus dieser Mixtur, der Romantik, der Klassik, dem imaginären Afrika, bin immer noch dem Jazz treu, ja oder meinetwegen auch Berio, Boulez, Stockhausen, sagt Portal, ich vermische alles, denn ich habe ja alles gespielt. Neben Tristano, Bley, Jarrett, Mehldau gibt Yaron Herman auch Björk, Sting, Skrjabin und Ravel als Referenzgrößen an. Und vielleicht ist es ja diese scheuklappenfreie Offenheit ihrer Ohren, die diese beiden musikalischen Freigeister so gut miteinander funktionieren lässt.
Eine neuartige Kreation, ein eigenwilliges Resultat, hier treffen zwei Generationen des französischen Jazz aufeinander: Hier der junge, mit unvergleichlicher Begabung ausgestattete Yaron Herman, dort der Klarinettist und Saxophonist Michel Portal, der schon alles gespielt hat, im Geiste aber nicht altert: Ich bin stets auf der Suche nach Sounds, die nicht poliert klingen, sagt Portal, ich mag es, wenn sie fluktuieren, wenn der Klang ein bisschen schmutzig ist. So einfach sind die Rezepte, die bei diesen beiden zu kongenialen Resultaten führen. Sie teilen in ihren intuitiven musikalischen Reiz-Reaktions-Anordnungen Herman sagt dazu real time composition den Moment und den Raum: die ständige Suche nach maximalem Ausdruck.
Michel Portal | cl, bcl, ss, as, bandoneon
Yaron Herman | p