Vier exzentrische New Yorker Anzugträger, die ihre Musik gern mit dem Begriff terrorist bebop schmücken: Wir lieben es halt, das Ausgangsmaterial zu zerstören und neu zusammen zu setzen, meint der Trompeter Peter Evans. Die radikale Dekonstruktion der Jazztradition erfolgt dabei nicht selten mit dem Getöse eines Düsenjets, der in einen Hühnerstall rast. Aus den Trümmern werden emsig und zitatenreich neue bizarre Klanggebilde aufgetürmt. Ein Spaß, der ernst gemeint ist. Die vermeintliche Beschädigung der Tradition von Armstrong bis Ayler ist eine Verbeugung vor ihr freilich immer mit einem gewissen Augenzwinkern. MOPDTK, wie die Band abgekürzt heißt, agiert mit kindlicher Spielfreude und diebischer Lust am Tabubruch. Klingt es gerade noch nach Art Blakey, so ist der im nächsten Moment schon auf den Kopf gestellt, im kollektiven Gewusel dieser vier Hasardeure gestaucht, geschreddert und zu neuem Werkstoff zusammengeschmolzen.
Gegründet wurde MOPDTK vom Bassisten Moppa Elliott. Er ist der Master-Mind der Band. Von ihm stammt auch deren Name: ein Bezug auf den Theremin-Erfinder, den russischen Physiker Lew Termen, der in einem Interview äußerte, dass Stalin gar nicht so schlecht gewesen sei, weil meist andere Leute das Töten übernommen hätten. Elliott fand das lustig. Und mit genau dieser Ironie, bei der man erst mal nicht so genau weiß, was man von ihr halten soll, funktioniert die Band. Der 30-jährige Trompeter Peter Evans studierte am Oberlin Konservatorium klassische Trompete. Wenn er nicht mit MOPDTK oder einer seiner eigenen Formationen unterwegs ist, dann spielt er Barockmusik oder experimentelle Solo-Konzerte. Von ihm kommen geradezu wahnwitzige Sound-Einfälle, die die Trompete bislang noch nicht freigegeben hat. Er bezeugt Interesse an Death- und Black-Metal. Der Saxophonist Jon Irabegon schwärmt für die alten Meister, die schwarzen Rußer am Tenorsax, wie auch für Ornette Coleman, er begleitet aber auch Billy Joel und Michael Bublé. Kevin Shea am Schlagzeug trommelt wie ein Vulkan, seine anarchisch rockende Unberechenbarkeit scheint selbst die anderen Bandmitglieder immer wieder zu überraschen.
MOPDTK agiert im Sound-Design einer akustischen Jazz-Band, speist sich aber aus vielen Quellen. Hier wird alles fusioniert: ein zeitgenössischer Fusions-Generator, der Mash-ups ohne Grenzen produziert nur fast ganz ohne Elektronik. Die musikalische Sozialisation der vier Bandmitglieder blitzt auch auf, wenn sich Shea auf dem Cover des aktuellen MOPDTK-Albums in einschlägig bekannter Keith-Jarrett-Pose über die Tastatur eines Konzertflügels beugt. Die Nachstellung des berühmten Cover-Motivs von Jarretts The Köln Concert für den eigenen Live-Mitschnitt The Coimbra Concert ist nur eine von vielen Reminiszenzen. Da gibt es bei MOPDTK schon eine kleine Tradition von Nachbildungen legendärer Albumcover der Jazzgeschichte. Bei allen animieren diese Verbeugungen zum Schmunzeln.
Peter Evans | tp
Jon Irabegon | ts, as, ss
Moppa Elliott | b
Kevin Shea | dr, electronics