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Frei wie ein Vogel - Robert auf der Walz
Die Fremden Freiheitsbrüder tragen eine rote "Ehrbarkeit". (Bild:  hr)
Die Fremden Freiheitsbrüder tragen eine rote "Ehrbarkeit".

Gesellen auf Wanderschaft

Der Schacht: Fremde Freiheitsbrüder

"Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" – unter dem Leitgedanken der französischen Revolution wurde am 1. Mai 1910 in Bern der "Fremde Freiheitsschacht" gegründet. Es ist eine Vereinigung von Bauhandwerksgesellen.
 
Ihre Regeln, Bräuche und Rituale stammen größtenteils aus dem Mittelalter. Als Zeichen ihrer Zugehörigkeit tragen die Fremden Freiheitsbrüder eine Art roten Schlips – ihre Ehrbarkeit. 1980 trat der Fremde Freiheitsschacht der C.C.E.G. (Confédération Compagnonnages Européens) bei, der Dachorganisation europäischer Gesellenzünfte mit Sitz in Straßburg.
 

Nur ein ehrenhafter Geselle darf im Freiheitsschacht reisen

Die Fremden oder Schwenker, wie sie sich selbst nennen, wollen die Tradition der Wanderschaft für Gesellen aus dem alttraditionellen Bauhandwerk erhalten und fördern. Jeder männliche Zimmerer, Schreiner, Steinmetz, Fliesenleger, Steinsetzer, Maurer oder Dachdecker kann, sofern er geeignet erscheint, im Fremden Freiheitsschacht reisen.

Grundvoraussetzung: ein Gesellenbrief und die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Der Geselle darf weder Schulden haben noch Frau und Kind zurücklassen – das wäre nicht ehrenhaft. Er darf sein dreißigstes Lebensjahr noch nicht vollendet haben und keine Vorstrafen haben.
 

"Wir alle seins Brüder, wir alle seins gleich"

In größeren Städten in Deutschland und der Schweiz ist der Schacht durch Buden vertreten, zum Beispiel in Bielefeld, Hannover, Hamburg, Genf und Winterthur. Oft sind es Kneipen, in denen sich die Einheimischen zum "Aufklopfen" treffen - so nennen die Mitglieder ihre regelmäßig stattfindenden Treffen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Doch auch in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten treffen sich die Fremden, etwa in Buenos Aires (Argentinien) und Cairns (Australien). Derzeit sind ungefähr 45 Fremde Freiheitsbrüder auf den Straßen der Welt unterwegs.

"Wir alle seins Brüder, wir alle seins gleich" - so sehen sich die Mitglieder des Schachtes untereinander. Aus diesem Grund sprechen sie sich gegenseitig mit Bruderherz an. Der Glaube an die gleichen Ideale und die gemeinsame Pflege von Tradition und Brauchtum führt oft zu einer tiefen Verbundenheit, die ein ganzes Leben hält, bis der Freiheitsbruder in seiner Kluft zu Grabe getragen wird.
 

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Redaktion: nago
Letzte Aktualisierung: 19.08.2013, 12:39 Uhr
 

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