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Frei wie ein Vogel - Robert auf der Walz
Robert Vogel in seiner "Kluft" mit "Stenz" und "Charlottenburger" (Bild:  hr)
Robert Vogel in seiner "Kluft" mit "Stenz" und "Charlottenburger"

Kluft, Deckel und Stenz

Die zünftige Kleidung

Die traditionelle Kleidung der Gesellen auf Wanderschaft wird als Kluft bezeichnet und besteht aus Jacke, Schlaghose und Weste. Viele Kleidungsstücke haben spezielle Namen und meist eine besondere Bedeutung, sogar die Knöpfe.
 
An der Weste befinden sich acht Knöpfe aus Perlmutt, an der Jacke sind es sechs. Sie stehen für acht Stunden Arbeit am Tag an sechs Tagen die Woche. Die Kluft muss während der gesamten Wanderschaft getragen werden.

Zimmermänner und Dachdecker tragen sie meistens in schwarz. Maurer, Fliesenleger und Steinmetze tragen gelegentlich eine weiße oder sandfarbene Kluft. Tischler und Schreiner tragen häufiger braun. Die Käser wiederum kleiden sich schwarz-weiß kariert. Die Fremden Freiheitsbrüder tragen als besonderes Kennzeichen eine rote Ehrbarkeit, eine Art Schlips. Diesen ziert eine goldene Handwerksnadel.
 

Staude, Deckel und Stenz

Das weiße Hemd heißt Staude. Eine zweite Kluft für die Arbeit, Wechselkleidung und das Werkzeug werden in Leinentücher gewickelt, sogenannte Charlottenburger oder Charlies. Gebrauchsgegenstände wie Zahnbürste, Taschenmesser und Wanderkarten werden in der Kluft selbst getragen.

Als Hut bzw. Deckel tragen Wandergesellen in der Regel Zylinder, Melone, Dreispitz oder Schlapphut, letzterer wird vor allem den Zimmermännern zugestanden. Bis heute gilt der Deckel in Schachtkreisen als Zeichen des freien Mannes. Früher sollte sich der zünftig reisende Geselle so von Landstreichern und Bettlern unterscheiden. Abgenommen wird der Hut nur zum Essen, beim Kirchgang und im Bett.

Ein weiteres Erkennungszeichen ist der Stenz, ein selbstgefertigter, spiralförmig gewachsener Wanderstock.
 

Wanderbuch und Ohrring

Der Wandergeselle bekommt von seinem Schacht ein Wanderbuch ausgegeben, das ihm als Reisepass dient, mit dem er sich gegenüber Behörden ausweisen kann. Arbeitgeber schreiben das Arbeitszeugnis hinein. Kommt der Wandergeselle in eine Stadt, werden in das Wanderbuch der Stadtstempel und gegebenenfalls Höhe und Form der Reiseunterstützung eingetragen.

Es ist Tradition, dass jeder Wandergeselle einen Ohrring trägt. Noch heute wird das Loch dafür mit einem Nagel ins Ohrläppchen geschlagen. Früher diente der Ohrring als Zahlungsmittel in der Not oder sogar für die eigene Beerdigung. Heute hat er eher symbolischen Charakter und steht für Zugehörigkeit und Individualität. Verhält sich der Geselle unehrenhaft, wird der Ohrring noch heute aus dem Ohr gerissen – eine alte Strafe, über die das "Schlitzohr" zu seinem Namen kam.
 

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Redaktion: nago
Letzte Aktualisierung: 19.08.2013, 12:29 Uhr
 

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