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Frei wie ein Vogel - Robert auf der Walz
Bei mehreren "Krautern" muss Robert "schaniegeln". (Bild:  hr)
Bei mehreren "Krautern" muss Robert "schaniegeln".

Speckjäger, Kuhköppe und Krauter

Das Leben auf der Walz

Der Freiheitsbruder verpflichtet sich durch ein Versprechen, das er seinem Altgesellen gegeben hat, für mindestens drei Jahre und einen Tag auf die Walz zu gehen und sich seinem Heimatort nicht mehr als 50 Kilometer zu nähern.
 
Nur der Tod eines Angehörigen oder eine schwere Krankheit erlauben, Bannmeile während der Walz zu überschreiten. Die Bannmeile findet sich bei allen Schächten wieder, allerdings mit unterschiedlichen Kilometerbegrenzungen.

Nach der Wanderzeit von drei Jahren und mindestens einem Tag kann sich der Fremde Freiheitsbruder einheimisch melden, erst dann ist es dem zünftig Reisenden gestattet, seine Bannmeile zu durchbrechen, um nach Hause zurückzukehren.
 

Speckjäger und Fremdgeschriebene

Durch den Abbruch der Wanderschaft oder schwerwiegende Verfehlungen wird der Wandergeselle zum Speckjäger erklärt und aus dem Schacht ausgeschlossen.

Der Fremdgeschriebene, wie sich die Gesellen auf der Wanderschaft auch nennen, bewegt sich nur zu Fuß fort oder trampt. Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, muss den Spott anderer Gesellen ertragen, denn auch dies gilt als wenig ehrenhaft. Im ersten Jahr darf der zünftig Reisende seine Landesgrenze nicht überschreiten, im zweiten Jahr darf er den europäischen Kontinent bereisen, im dritten Jahr die ganze Welt. Erst ab diesem Zeitpunkt ist es erlaubt, per Flugzeug oder Schiff zu tippeln.
 

Krauter und Kuhköppe

Während seiner Wanderzeit muss der reisende Freiheitsbruder bei mehreren unterschiedlichen Arbeitgebern, den sogenannten Krautern, gearbeitet bzw. schaniegelt haben. Private Gefälligkeiten zählen nicht. Wer für seine Arbeit damals vielfach nur eine Unterkunft und Essen bekam, erhält heutzutage im Regelfall den tariflich festgelegten Gesellenlohn und ist dementsprechend auch versichert. Schwarzarbeit gilt als verpönt, da sie dem gesamten Handwerksgewerbe schadet.

Jeder Freiheitsbruder verpflichtet sich, ehrbar zu sein. Er ist hilfsbereit, ehrlich und anständig, steht stets Rede und Antwort, aber verrät nichts Schachtinternes, etwa an Kuhköppe - so werden alle Menschen genannt, die nicht auf der Wanderschaft waren oder sind.
 

Pennböden und Platte machen

Trotz aller Entbehrungen soll der Wandergeselle auf sein Erscheinungsbild achten. Reisende Handwerksgesellen schlafen auf ihren Baustellen, in Hauseingängen, Parks oder auf den Pennböden ihrer Buden. Ihre Gastgeber und Wirtsleute ihrer Buden nennen sie nach alter Sitte Muttern, Vattern und Schwestern.

Ebenso findet sich das Platte machen noch heute im Sprachgebrauch von Obdachlosen. Der relativ junge Begriff Nackplatte bezeichnet wiederum die eigene Geliebte oder Freundin - was aber keinesfalls abwertend gemeint ist.
 

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Redaktion: nago
Letzte Aktualisierung: 19.08.2013, 12:17 Uhr
 

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