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Frei wie ein Vogel - Robert auf der Walz

Walz-Glossar

Wenn der Fremdgeschriebene in seiner außergewöhnlichen Kluft, seinen Deckel aufsetzt, Stenz und Charlottenburger schultert und stolz seine Ehrbarkeit trägt, wissen Kuhköppe nicht, was das bedeutet. Dafür gibt es jetzt Abhilfe:
 

Aspirant

Junger Geselle, der auf die Walz gebracht werden möchte
 

Aufklopfen

Regelmäßiges Treffen zwischen den Wandergesellen und den bereits einheimischen Gesellen, um sich auszutauschen. Das Aufklopfen findet mehrmals monatlich an einem festen Ort wie einer Schachtkneipe statt.
 

Bannmeile

Kilometerweite Begrenzung um die eigene Heimatstadt, die der Geselle während seiner Walz nicht überschreiten darf. Die Bannmeile findet sich bei allen Schächten, allerdings mit unterschiedlichen Kilometerbegrenzungen. Bei den Fremden Freiheitsbrüder sind es 50 Kilometer.
 

Bruderherz

nennen sich die Fremden Freiheitsbrüder untereinander nach dem Motto "Wir alle seins Brüder, wir alle seins gleich".
 

Bude

Bezeichnung für eine Schachtkneipe
 

Charlottenburger

auch Charly: Leinentuch, in das der Wandergeselle eine zweite Kluft für die Arbeit, Wechselkleidung und das Werkzeug wickelt.
 

Charly

Abkürzung für Charlottenburger: Leinentuch, in das der Wandergeselle eine zweite Kluft für die Arbeit, Wechselkleidung und das Werkzeug wickelt.
 

Deckel

Hut. Als Deckel tragen Wandergesellen in der Regel Zylinder, Melone, Dreispitz oder Schlapphut. Bis heute gilt der Deckel in Schachtkreisen als Zeichen des freien Mannes. Früher sollte sich der zünftig reisende Geselle so von Landstreichern und Bettlern unterscheiden. Abgenommen wird der Hut nur zum Essen, beim Kirchgang und im Bett.
 

Einheimisch werden

Nach Beenden der Walz meldet sich der Geselle wieder einheimisch. Der Schacht entscheidet darüber, ob er wieder einheimisch werden darf, beispielsweise durch das Überprüfen der Arbeitszeugnisse im Wanderbuch. Erst dann ist es ihm wieder gestattet, seine Bannmeile zu durchbrechen und nach Hause zurückzukehren.
 

Ehrbarkeit

Eine Art Schlips. Das krawattenähnliche Band um den Hals nennen die Gesellen Ehrbarkeit. Sie kennzeichnet ihre Schachtzugehörigkeit. Die Fremden Freiheitsbrüder tragen eine rote Ehrbarkeit.
 

Exportgeselle

auch Losbringgeselle: bereitet einen Vogtburschen auf die Walz vor und begleitet den Neuling in der ersten Wochen seiner Wanderzeit.
 

Freireisender

Wandergeselle ohne Schachtzugehörigkeit. Sie tragen zwar die typische Kluft, aber keine Ehrbarkeit. Dennoch orientieren sie sich an vielen Gepflogenheiten der Schächte und leben ein identisches Brauchtum.
 

(Fremde) Freiheitsbrüder

Mitglieder des Fremden Freiheitsschachts
 

Fremder

auch Fremdgeschriebener: Geselle auf der Wanderschaft
 

Fremder Freiheitsschacht

Name des Schachts, dem Robert Vogel angehört. Der Fremde Freiheitsschacht ist eine Vereinigung von Bauhandwerksgesellen und wurde unter dem Leitgedanken der französischen Revolution: "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" am 1. Mai 1910 in Bern gegründet. 1980 trat der Fremde Freiheitsschacht der C.C.E.G. (Confédération Compagnonnages Européens), der Dachorganisation europäischer Gesellenzünfte mit Sitz in Straßburg, bei.
 

Fremdgeschriebener

auch Fremder: Geselle auf der Wanderschaft
 

Kluft

Traditionelle Kleidung der Gesellen auf Wanderschaft. Sie besteht aus Jacke, Schlaghose und Weste.
 

Knöpfe

An der Weste befinden sich acht Knöpfe aus Perlmutt, an der Jacke sind es sechs. Sie stehen für acht Stunden Arbeit am Tag an sechs Tagen die Woche.
 

Krauter

Arbeitgeber während der Wanderschaft. Der Wandergeselle muss für mehrere Arbeitgeber "schaniegeln". Für wie viele, ist von Schacht zu Schacht verschieden.
 

Kuhköppe

nennen Schacht-Mitglieder alle Menschen genannt, die nicht auf der Wanderschaft waren oder sind.
 

Losbringen

Gesellen aus seiner Heimatstadt auf die Walz bringen. Dabei hilft dem Neuling besonders sein älterer Export- oder Losbringgeselle.
 

Losbringgeselle

auch Exportgeselle: bereitet einen Vogtburschen auf die Walz vor und begleitet den Neuling in der ersten Wochen seiner Wanderzeit.
 

Muttern, Vattern und Schwestern

So nennen die zünftig reisenden Gesellen ihre Gastgeber und Wirtsleute, in deren Buden sie einkehren können und Unterkunft finden.
 

Nacktplatte

Geliebte oder Freundin des Gesellen. Relativ junger Begriff, der aber keinesfalls abwertend gemeint ist.
 

Ohrring

trägt jeder Wandergeselle traditionell. Noch heute wird das Loch dafür mit einem Nagel ins Ohrläppchen geschlagen. Früher diente der Ohrring als Zahlungsmittel in der Not oder sogar für die eigene Beerdigung. Heute hat er eher symbolischen Charakter und steht für Zugehörigkeit und Individualität. Verhält sich der Geselle unehrenhaft, wird der Ohrring noch heute vom Ohr gerissen. So kam das "Schlitzohr" zu seinem Namen.
 

Pennboden

Schlafraum für Wandergesellen in einer Bude
 

Platte machen

Wenn reisende Handwerksgesellen keine Unterkunft haben, schlafen sie einfach draußen auf dem Boden, auf ihren Baustellen, in Hauseingängen oder Parks. "Platte machen" findet sich noch heute im Sprachgebrauch von Obdachlosen.
 

Schacht

Vereinigung von Handwerksgesellen und -meistern, die auf Wanderschaft waren oder sind. Die Schächte unterscheiden sich durch die verschiedenfarbigen Ehrbarkeiten und eigene Bräuche. Allen gemein ist das Recht auf freie Gesinnung, selbstbestimmtes Arbeiten und die uneingeschränkte Freiheit des Reisens.
 

Schallern

Singen von traditionellen Liedern, die in Verbindung mit dem Schacht oder der Walz stehen
 

Schaniegeln

Arbeiten auf der Wanderschaft
 

Schmoren

zusammen trinken
 

Schwenker

Geselle auf der Wanderschaft. So bezeichnen sich die Mitglieder des Fremdem Freiheitsschachts gelegentlich selbst.
 

Speckjäger

Geselle, der sich unehrenhaft verhalten, Verfehlungen begangen oder die Wanderschaft abgebrochen hat und aus dem Schacht ausgeschlossen wurde.
 

Staude

Weißes Hemd, das der Wandergeselle trägt
 

Stenz

Spiralförmig gewachsener Wanderstock, an dem der Charlottenburger befestigt wird. Der Geselle fertigt ihn selbst.
 

Tippelei

auch Walz, Wanderjahre, Wanderschaft, Gesellenwanderung: Zeit, die der zünftige Geselle auf Wanderschaft verbringt (s. a. Wanderjahre)
 

Vogtbursche

Neuling unter den Wandergesellen, der in der Anfangszeit von einem Altgesellen betreut wird
 

Walz

auch Wanderjahre, Wanderschaft, Tippelei, Gesellenwanderung: Zeit, die der zünftige Geselle auf Wanderschaft verbringt (s. a. Wanderjahre)
 

Wanderbuch

bekommt der Wandergeselle von seinem Schacht, dient ihm als Reisepass und Ausweis gegenüber Behörden. Arbeitgeber schreiben das Arbeitszeugnis hinein. Kommt der Wandergeselle in eine Stadt, werden in das Wanderbuch der Stadtstempel und gegebenenfalls Höhe und Form der Reiseunterstützung eingetragen.
 

Wanderjahre

auch Walz, Wanderschaft, Tippelei, Gesellenwanderung: Zeit, die der zünftige Geselle auf Wanderschaft verbringt. Die Schächte haben unterschiedliche Vorgaben für die Wanderzeit. Bei den Fremden Freiheitsbrüdern muss der Geselle mindestens drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft bleiben.
 

Zünfte

Vereinigung/ Körperschaft von Handwerkern im Mittelalter, existierten bis ins 19. Jahrhundert, in Regionen der Schweiz teilweise bis heute
 

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Redaktion: nago
Letzte Aktualisierung: 19.08.2013, 12:25 Uhr
 

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