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1914 - Hessen vor 100 Jahren

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August Euler war so etwas wie der Fluglehrer des Reiches. (Bild:  hr)
Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten.
 

Presse-Echo

Mittels Telegrammen, Telefon, Bahn und Automobil wurden die Nachrichten über den Flug an die Presse und die nächsten Kontroll- und Landepunkte weitergeleitet. Und es gab viel zu berichten.

Unfälle und Pannen gab es schon im Vorfeld: "Einer der gemeldeten Offiziersflieger, der (...) seinen Apparat einfliegen wollte, nahm dabei eine Kurve zu kurz und stürzte aus etwa 100 Meter ab. Der Apparat ging in Trümmer und der Offizier erlitt einen Beinbruch. (...) Eine von auswärts kommende Taube überschlug sich beim Landen. Die Insassen nahmen aber keinen Schaden. (...) Ein von den Brandenburgischen Flugzeugwerken für den Prinz-Heinrich-Flug hergestelltes Flugzeug, das mit der Bahn (...) transportiert werden sollte, fing bei Gelnhausen durch Funkenflug der Maschine Feuer und wurde vollständig vernichtet."
 
Dann kamen die Todesfälle: "(...) weit ernster wurde die Fahrt, als die Flieger Pforzheim hinter sich hatten und den Schwarzwald passieren mußten. Sie hatten dort plötzlich dichten Nebel unter sich und die Flieger konnten sich nur nach dem Kompass richten. Auf den Nebel ist nicht nur die (...) schwere Katastrophe bei Moosbrunn zurückzuführen, bei welcher Leutnant Müller verbrannte, sondern es gab noch eine ganze Reihe von Zwischenfällen. Oberstleutnant Emrich mußte bei Bruchsal eine Notlandung vornehmen. Leutnant von Hiddessen geriet im Nebel in den Gernsbacher Wald in Baden, wobei sein Flugzeug vollständig in Trümmer ging und noch verschiedene andere Flieger mußten Notlandungen vornehmen."

Ein weiteres Flgzeug geriet in hügeligem Gelände in starke Böen: "Diese erfaßten den Schwanz der Albatros-Taube und kehren das Flugzeug vollständig um. Der Apparat stürzte aus 400 Meter Höhe fast senkrecht ab und begrub die beiden Flieger unter sich. Einer starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, im Mainzer Garnisonslazarett."
 

Bilanz des Prinz-Heinrich-Fluges

Die Illustrierte "Flugsport" schreibt am 27. Mai lapidar: "Der Prinz-Heinrich-Flug ist beendet. Die Offiziersflieger haben gezeigt, was sie leisten können. Leider haben 4 hoffnungsvolle, tüchtige Offiziere ihr Leben lassen müssen. An Schneid hat es nicht gefehlt."

Dagegen überschlägt sich der Autor fast vor Lob für die zivilen Piloten, die sich gegen viel Widerstand überhaupt erst bei dem Prinz-Heinrich-Flug anmelden konnten: "In der Zivil-Gruppe befanden sich mehrere neue Maschinen-Typen, die gegenüber den Militärmaschinen als unausprobierte zu bezeichnen sind. Daß diese Leistungen und Resultate ohne Todesopfer erkauft wurden, erhöhte ihren Wert ganz bedeutend."

Eindeutig war die Zahl der draufgängerischen Piloten beim Militär größer als unter den Zivilisten, die vielfach ihre Maschinen schon aus finanziellen Gründen vorsichtig flogen. Dieser Unterschied sollte schon bald keine Rolle mehr spielen. Zehn Wochen später brach der Erste Weltkrieg aus.
 

August Euler - ein Luftpionier in Hessen

August Euler, geboren am 20. November 1868 in Westfalen, kam 1898 als Direktor der "Petersunion Pneumatik Autogesellschaft" nach Frankfurt am Main. Damals verfügte er bereits durch den Radrennsport, Motorrad- und Automobilrennen sowie durch seine Handelsbeziehungen über internationale Kontakte zu den Spitzenvertretern der damaligen Zukunftsindustrien.

August Euler
Euler war ein vielseitig interessierter, universell denkender und strebsamer Mensch, der aber auch risikobereit und durchsetzungsfähig war. 1907 entschied er sich, sich zukünftig ganz der gerade aufkommenden Fliegerei zu verschreiben und so machte er sich 1908 mit den Euler-Werken und der vertraglichen Zusicherung, einen Teil des Griesheimer Truppenübungsplatzes über fünf Jahre als Flugplatz für seine Apparate nutzen zu können, selbständig.
 
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Redaktion: maho
Letzte Aktualisierung: 16.05.2014, 16:27 Uhr
 
 

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