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1914 - Hessen vor 100 Jahren

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August Euler war so etwas wie der Fluglehrer des Reiches. (Bild:  hr)
Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten.
 
Schnell entwickelte Euler neue Typen, war begeistert und fasziniert vom Fliegen und suchte nach zivilen Einsatzmöglichkeiten, denn das Militär sah den Nutzen der Flugzeuge noch nicht. Zahlreiche Patente und Weiterentwicklungen folgten. Euler notierte akribisch von der Nummer 1 an alle seine Flugzeuge, bot seine Erfindungen auf Messen und bei Flugschauen an.

1912 siedelte er mit den Euler-Werken nach Frankfurt-Niederrad um. Hier wurden die Euler-Flugmaschinen getestet - der Beginn der Frankfurter Flughafen-Geschichte.
Euler, der selbst das erste deutsche Flugzeugführerpatent erwarb, bildete die ersten deutschen Piloten aus - darunter auch Prinz Heinrich von Preußen - bei ihm gingen die bedeutendsten Flieger ihrer Zeit ein und aus.
 
Er war mit der Entwicklung des "gelben Hundes" maßgebend im Aufbau der geregelten Luftpostorganisation, die leider vor dem Ersten Weltkrieg nur zwei Wochen genutzt und dann erst wieder nach 1918 aufgenommen wurde. Gebaut wurde nur, was aus Gewinn und Eigenkapital finanzierbar war, der ehrgeizige Euler wollte auch finanziell unabhängig sein und sich nichts von Banken diktieren lassen.

Bis 1918 baute Euler etwas mehr als 500 Flugmaschinen, alle verzeichnet in seinem "National". Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Leiter des Reichsluftamtes, tratt dann aber 1922 zurück.

Als er mit seinem Freund Ernst Udet wieder eine Flugzeugfabrik in Frankfurt aufbauen wollte, scheiterte das Projekt. 1932 zog sich Euler zurück und baute sich auf dem Feldberg im Schwarzwald sein Adler-Nest. Hier empfing er weiter illustre Gäste, korrespondierte, spielte Tennis.
 
Als die Nationalsozialisten an die Macht übernahmen und den Flugpionier umgarnen wollen, widerstand Euler. Er ließ sich nicht vereinnahmen. Das sollte ihm zum Verhängnis werden: Sein Lebenswerk, seine vielen Rollen und Facetten, seine Preise und Auszeichnungen, sein wahres Pionierwesen wurden systematisch aus den Fachpublikationen gelöscht. Die Ehre, in der Luft der erste gewesen zu sein, wurden durch die nazistische Geschichtsfälschung anderen Luftpionieren zugeschrieben.

1952 erhielt August Euler das große Verdienstkreuz des Verdienstordens durch Theodor Heuss verliehen. 1957 starb der stets bestimmende, geradlinige und unbeugsame Euler im Adler-Nest auf dem Feldberg. Er war einer der engagiertesten und streitbarsten Wegbereiter der Fliegerei und der Flugzeugindustrie - im Hessen-Darmstadt der Kaiserzeit, während der Weimarer Republik in Berlin, in der NS-Diktatur und in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik.

Sein Ehrengrab ist auf dem Frankfurter Hauptfriedhof zu sehen.
 
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Redaktion: maho
Letzte Aktualisierung: 16.05.2014, 16:27 Uhr
 
 

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